Nachdem am Dienstagabend der vierte Abstieg des Traditionsklubs besiegelt war, hatten sich Jagdszenen rund um das Stadion abgespielt. Anhänger waren laut Bericht eines Spielers bei "Sport1" mit Tritten und Schlägen auf die Mannschaft losgegangen.
Das genaue Sicherheitskonzept des Klubs solle geheim bleiben. Knäbel bestätigte aber: "Wir werden unter erhöhter Aufmerksamkeit trainieren". Zudem solle es "Heimatschutz" für die Spieler geben. Er fügte hinzu: "Wir führen mit jedem Spieler Einzelgespräche, fragen, was hängen geblieben ist, und bieten Hilfe an."
Die ungewöhnlichen Maßnahmen zeigen, wie brutal die Vorkommnisse für einige Spieler in der Nacht nach dem Abstieg waren. Der Klub kündigte deshalb an, dass auch die eigene Security verstärkt werde. "Wir werden unter erhöhter Aufmerksamkeit trainieren", so Knäbel.
Bundesliga
"Pure Angst!" Schalke-Spieler von eigenen Fans geschlagen und getreten
21/04/2021 AM 08:44
Knäbel macht sich offenbar selbst große Vorwürfe, dass er die Mannschaft nicht vor den Chaoten geschützt hatte. "Es waren Menschen in Gefahr, es wurden Sachen beschädigt. Wir hatten Glück, dass unseren Leuten nichts Schlimmeres passiert ist", soll Knäbel laut "Bild" am Freitag gesagt haben und kündigte an: "Ich bitte Spieler und Mitarbeiter um Entschuldigung."
Auch die DFL verurteilte das Vorgehen der Chaoten aufs Schärfste. "Hier wurde ganz eindeutig eine Grenze überschritten, so etwas hat in der Bundesliga nichts zu suchen", sagte DFL-Boss Christian Seifert "11Freunde". Seifert forderte die Fan-Organisationen auf, zur Eskalation auf Schalke "in aller Klarheit und wahrnehmbar Stellung zu beziehen."

Schalke unter Schock: Asamoah wird Bilder nicht los

Schalke erlebte nach der 0:1-Niederlage am letzten Spieltag bei Arminia Bielefeld, die den vierten Abstieg in der Klubgeschichte besiegelte, eine Albtraumnacht. Rund 500 Fans, darunter etliche gewaltbereite Chaoten, erwarteten den Schalker Teambus auf dem Klubgelände und eröffneten schließlich die Jagd auf Spieler und Mitarbeiter. Es flogen Eier, Profis sprinteten davon, die Polizei musste einschreiten.
Team-Manager Gerald Asamoah bekam alles hautnah mit. "Mir gehts immer noch nicht gut", sagte der Publikumsliebling nach den Vorfällen. "Ich habe zwei Bilder im Kopf. Wie ein Mitarbeiter auf dem Boden liegt und getreten wird. Und die Angst in den Augen von Michael Büskens", schilderte Asamoah die Vorkommnisse um den Schalker Co-Trainer und Eurofighter Büskens.
Sport-Vorstand Knäbel berichtete von blauen Flecken bei dem einen oder anderen und kündigte ein hartes Durchgreifen an. "Der Verein wird es niemals akzeptieren, wenn die körperliche Unversehrtheit seiner Spieler und Mitarbeiter gefährdet wird", hieß es in einer Mitteilung.

S04: Polizei ermittelt nach Jagdszenen

Auch die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen. Es soll geklärt werden, wie die vielen Chaoten auf das Klubgelände gelangen konnten und warum die Sicherheitsleute das Aufeinandertreffen mit der Mannschaft so kurz nach dem Abstieg nicht als zu gefährlich eingestuft hatten.
Der erhöhte Einsatz von Sicherheitskräften für die kommenden Tage soll die Privatsphäre der Schalker Spieler schützen. In der Nacht zu Mittwoch wurden Schalker Spieler von den Chaoten angeblich sogar bis zur Haustür verfolgt.
An diesem Wochenende hat Schalke spielfrei, da Gegner Hertha BSC wegen Corona-Fällen in Quarantäne gegangen ist. Für Mittwoch und Donnerstag waren die Trainingseinheiten kurzfristig abgesagt worden, am Freitag wollte Trainer Dimitrios Grammozis eigentlich wieder zu einer ersten Einheit bitten. Das nächste Bundesliga-Spiel steht für die Königsblauen am 8. Mai auf dem Programm, bei der TSG Hoffenheim.
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(mit SID)

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