1. Die erhoffte Trotzreaktion

Das Spiel war ein Charaktertest. Freiburg werde zeigen, "ob wir ein Spitzenteam sind", hatte FCB-Trainer Hansi Flick im Vorfeld gesagt. Nach dem 2:1-Heimsieg - unabhängig davon, dass Nils Petersen beinahe kurz vor Abpfiff noch den Ausgleich erzielt hätte - und der Hinrunden-Meisterschaft ist die Antwort wieder jedem klar.
Das Krisengerede bei Bayern München ist erst einmal verstummt. Die zwei Pleiten gegen Gladbach und Kiel hatten an den Bayern genagt und Zweifel befeuert. Basis des Erfolgs gegen Freiburg waren indes vor allem zwei Komponenten, die zuletzt in den Hintergrund geraten waren.
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Zum einen war der von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge eingeforderte Pressing-Stil aus der Triple-Saison phasenweise wieder zu erkennen, er war durchdachter, nicht ganz so hoch und risikoreich. Zum anderen wurde es wieder "laut" auf dem Rasen.
David Alaba und Thomas Müller gaben Kommandos, das Team rückte zusammen und erhöhte so grundsätzlich die Intensität. "Das war so, wie ich mir das vorgestellt habe. Ein gutes Coaching zwischen den Spielern - eine gute Entwicklung", lobte Flick.

FC Bayern München | Jubel über das 2:1 gegen Freiburg von Thomas Müller

Fotocredit: Getty Images

Allen war aber auch klar, dass es keine Glanzleistung war, die an alte Dominanz erinnerte, sondern eher ein "Arbeitssieg".
"Von der Spielweise können wir uns steigern. Es ist klar, dass nicht alles von alleine geht. Am Ende haben wir gezittert", konstatierte Jérôme Boateng bei "Sky". Für die Psyche der Spieler und die Stimmung an der Säbener Straße war es hilfreich, dass das Ergebnis über die Zeit gebracht wurde.
Flick will nun die wenige Trainingszeit nutzen, um nach dem Zusammenrücken der Mannschaft vor allem auch die spielerische Finesse zurückzubringen. Im Spielaufbau waren Mängel zu erkennen. Nicht immer befreiten sich die Bayern aus den Pressing-Attacken der Freiburger gekonnt. Viele Bälle waren ungenau, was zu Kontrollverlust führte. Die Basis stimmt aber. Darauf lässt sich aufbauen.

2. Sané hat verstanden

Es war eine Szene, die nachhaltig im Gedächtnis blieb und auch bei Flick Eindruck schindete. Gegen Ende des Spiels zog Sané, der für den angeschlagenen Serge Gnabry in der 28. Minute eingewechselt wurde, einen Sprint zurück in die eigene Hälfte an, um dort den Freiburger Angriff zu unterbinden und den Ball zu erobern.

Flick lobt Sané: "Das, was wir von ihm sehen wollen"

Genau das ist es, was Trainer und Mannschaft beim Star-Einkauf bislang vermisst hatten: Die Bereitschaft, sich auch in der Defensive reinzuwerfen, Wege mit zurück zu gehen und sich nicht in der Offensive allein auf seinen Qualitäten auszuruhen.
Gerade bei Sané scheint der Kampfgeist geweckt, er drängt stark in die Startelf und ist auf dem besten Weg, endgültig beim FC Bayern anzukommen. Flick tat sich schwer, einen Spieler herauszuheben, hatte letztlich dann aber doch lobende Worte für den 25-Jährigen übrig. "Vorne ist er immer für ein Tor oder eine Vorlage gut, aber ist grundsätzlich in einer guten Entwicklung", stellte er fest und referenzierte dann auf den gelungenen Ballgewinn in der Defensive.

3. Freiburg verdient viel Liebe

Seit jeher geht der SC Freiburg seinen eigenen Weg. Mit Christian Streich, der seit 2012 Chefcoach im Breisgau ist, hat der Klub in dieser Saison noch mal ein neues Level erreicht. Erstmals gelangen den Freiburgern fünf Siege in Folge. "Ich bin nicht überrascht. Aber man muss immer die Kirche im Dorf lassen", sagte Streich dazu. Er hat sich seine bodenständige Art bewahrt und sie zum Ideal erhoben.

"Sind eine verschworene Einheit": Streich trotz Niederlage stolz

Zudem verfolgt er mit seiner Mannschaft einen klaren Plan, beherrscht das Ingame-Coaching mittlerweile perfekt und ist Visionär. Ein Glücksfall für Freiburg - und für die Bundesliga. "Der komplette Verein tut der Bundesliga gut. Wie sie Fußball leben, ist herausragend. Christian Streich hat eine sehr gute Idee und Spieler, die er an ihre Grenzen bringt und weiterentwickelt, dazu die Leidenschaft, das ist schon toll", zeigte sich auch Flick am Samstag begeistert.
Freiburg hatte es den Bayern schwergemacht und deren wenige Schwächen konsequent attackiert. Viele Flanken und Pressing brachten den Rekordmeister in Bedrängnis. Auch die Standardschwäche war bekannt und wurde beim Ausgleich durch Nils Petersen ausgenutzt. "Die Freiburger sind kein einfacher Gegner, das werden auch die anderen noch sehen", war sich FCB-Abwehrspieler Boateng sicher.
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