Youssoufa Moukoko schießt erstes Bundesliga-Tor - doch der BVB verliert bei Union Berlin

Der 1. FC Union Berlin hat Borussia Dortmund am 13. Spieltag mit einem 2:1 (0:0) im Freitagabendspiel bereits die fünfte Saisonniederlage zugefügt. Taiwo Awoniyi (57.) brachte Union in Führung. Der erst 16 Jahre alte Youssofa Moukoko glich für den BVB aus (60.) - er ist damit jüngster Torschüte der Bundesliga-Geschichte. Marvin Friedrich köpfte das Siegtor (78.).

Youssoufa Moukoko (l.) fassungslos - 1. FC Union Berlin vs. Borussia Dortmund

Fotocredit: Getty Images

Von Beginn an hatte der BVB große Probleme mit dem kämpferischen und laufintensiven Spiel von Union Berlin. Die Gastgeber rannten die Innenverteidiger des BVB sehr früh an, die restlichen Spieler deckten die Anspielstationen ab - so kamen die Dortmunder im ersten Durchgang kaum zu gefährlichen Situationen.
Youssoufa Moukoko bediente in der zehnten Minute Jadon Sancho, der rechts im Strafraum sehr frei vor Unions Keeper Andreas Luthe auftauchte, mit einem harmlosen Schuss die Chance aber vergab.
Danach hatte Berlin deutlich mehr Chancen. Die Berliner eroberten in der Hälfte des fahrig agierenden BVB etliche Bälle und zogen Richtung Strafraum. Taiwo Awoniyi scheiterte im Strafraum frei vor BVB-Keeper Roman Bürki (17.), Sheraldo Becker und Cedric Teuchert nahmen sich Distanzschüsse (19./25.), beide Versuche strahlten aber keine Gefahr aus.
Union hatte nach Balleroberungen seine Möglichkeiten, beim BVB boten sich die Offensivspieler zu selten mit Läufen in die Tiefe an. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit gelang das einmal. Moukoko startete in den Strafraum, wurde geschickt - und schoss an den rechten Pfosten.
In der zweiten Halbzeit steigerte sich der BVB, die Dortmunder gewannen mehr Zweikämpfe im Mittelfeld und konnten so mit Zug Richtung Strafraum ziehen. Doch das Tor erzielte Union. Nach einer Ecke von Christopher Trimmel verlängerte Grischa Prömel auf Awoniyi, der den Ball ins Tor köpfte (57.).
Doch kurz danach wurde Moukoko von Raphaël Guerreiro im Strafraum geschickt und schoss den Ball wuchtig unter die Latte. Damit wurde er zum jüngsten Bundesliga-Torschützen der Geschichte.
Danach hatte Dortmund in der Offensive seine beste Phase. Der BVB hatte mehr Ballbesitz und mehr Läufe in die Tiefe. Doch Berlin verteidigte weiter leidenschaftlich. In der 78. Minute belohnten sich die Berliner für ihren Aufwand. Der Treffer fiel wieder nach einer Ecke von der rechten Seite, die dieses Mal aber von Teuchert geschlagen wurde.
Der Ball landete bei Marvin Friedrich, der komplett frei zentral im Strafraum an den Ball kam und ihn an den rechten Innenpfosten köpfte. Von dort ging der Ball ins Tor. Danach schaffte es der BVB nicht mehr, große Torchancen zu erspielen. Schon 2019/20 hatte Dortmund bei Union Berlin verloren (1:3).

Die Stimmen:

Edin Terzić (Trainer Borussia Dortmund): "Wir wollten viel häufiger das Spiel beschleunigen, es ist uns nicht gelungen, weil unsere Bewegungen nicht gut waren. Wir wussten von der Standardstärke und haben es explizit angesprochen. Es fällt uns gerade nicht leicht, wir sind nicht in diese richtigen Positionen gekommen und waren zu hektisch. Es war deutlich zu leicht für Union, es zu verteidigen. Das müssen wir verbessern. Die Tabelle ist jetzt nicht unser Thema, darum können wir uns erst im Jahr 2021 kümmern."
Urs Fischer (Trainer Union Berlin): "Heute war es eine Willensleistung. Es war unsere erste englische Woche, alle drei Tage ein Spiel. Da musst du erst einmal in den Rhythmus kommen. Die Mannschaft hat wirklich alles rausgehauen, sehr leidenschaftlich verteidigt am Schluss und nicht unverdient gewonnen. Natürlich trainieren wir Standards, Standards entscheiden Spiele."
Mats Hummels (Borussia Dortmund): "Es waren ganz klar die Standards. Das hat auch etwas damit zu tun, wie sehr man den Sieg will. Dann steht bei der zweiten Ecke der stärkste Kopfballspieler der gegnerischen Mannschaft zehn Meter frei. Keinen Plan, wie das passieren kann. Das ist unverzeihbar. Gerade die verlängerten Ecken sind kaum zu verteidigen, dann muss man aber am zweiten Pfosten mitgehen. Wir haben jetzt zwei Spiele durch Standardsituationen abgegeben, das ist eine Katastrophe. Wir haben trotzdem mehr Spirit auf dem Platz als zuletzt. Aber wir machen immer noch unsere eigenen Räume zu eng, können von hinten das Spiel besser eröffnen, da waren heute zu viele Fehlpässe dabei."
Marvin Friedrich (Union Berlin): "Ich war schon überrascht, dass ich erstaunlich frei war bei der Ecke. Ich denke, dass wir defensiv sehr gut standen, dem Gegner sehr wenig Raum gegeben haben. Aber wir haben dann den Ball einfach weggeschlagen, wir haben schon bessere Spiele gemacht mit dem Ball. Aber ich muss ein Lob an jeden Spieler aussprechen, wie wir defensiv gearbeitet haben. Mit 21 Punkten dazustehen ist natürlich super. Wir wollen das wichtige Pokalspiel am Dienstag gewinnen."

Der Tweet zum Spiel:

Das fiel auf: Berliner Pressing-Maschine

Schon zu Beginn der Partie wurde klar, warum sich auch Topmannschaften in der Bundesliga gegen Union Berlin so schwertun. Die Mannschaft von Trainer Urs Fischer spielte gegen Borussia Dortmund ein extrem cleveres Pressing. Die Dortmunder wurden schon früh in der eigenen Hälfte energisch angelaufen, Passwege wurden zugestellt und die Zweikämpfe sehr intensiv geführt. Weil sich beim BVB zu selten Spieler in anspielbaren Räumen anboten oder den Lauf in die Tiefe wagten, kamen die Dortmunder kaum aus der eigenen Hälfte heraus.
Was ebenfalls auffiel: Die Gastgeber verhinderten nicht nur einen erfolgreichen und strukturierten Spielaufbau des Gegners, sondern ermöglichten sich selbst gute Abschlusspositionen. Weil sie die Dortmunder zu Passfehlern zwangen, tauchten Sheraldo Becker und Taiwo Awoniyi oft an der Strafraumkante oder sogar vor BVB-Keeper Roman Bürki auf. In der zweiten Halbzeit nahm er Pressingdruck zwar etwas ab, die defensive Stabilität verloren die Gastgeber aber nicht.

Die Statistik: 2

Dass Union bei Standardsituationen sehr viel Torgefahr ausstrahlt, wusste man schon vor dem Spiel. Doch gegen Dortmund bewiesen die Eisernen erneut ihre Stärke am ruhenden Ball. Beide Tore fielen nach einer Ecke von der rechten Seite, beide Treffer wirkten so auch geplant. Beim ersten Treffer schlug Christopher Trimmel den Ball auf den Kopf von Grischa Prömel, der den Ball geschickt weiterleitete. Kurz vor dem Tor kam der eingelaufene Taiwo Awoniyi an den Ball und drückte ihn durch die Beine von Roman Bürki. Beim zweiten Treffer wurde die Ecke präzise von Cedric Teuchert auf Marvin Friedrich geschlagen, der mit einer exzellenten Kopfballtechnik den Siegtreffer erzielte. Damit haben die Berliner in dieser Saison schon acht Tore durch Standardsituationen erzielt.
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