Der Aufsteiger aus Bielefeld versteckte sich beim frischgebackenen Klubweltmeister keineswegs und erwischte im Schneegestöber den perfekten Start. Nach einem Einwurf in der Hälfte der Hausherren kam der Ball zu Manuel Prietl, der schnell schaltete und Winter-Neuzugang Michel Vlap bediente. Der vom RSC Anderlecht gekommene Stürmer bekam von Niklas Süle zu viel Platz, nahm den Ball sauber an, drehte sich und versenkte das Leder aus knapp 15 Metern trocken zur überraschenden 1:0-Führung in der linken Ecke (9.).
Mit der Führung im Rücken spielte auch das Wetter den technisch etwas unterlegenen Gästen in die Karten. Zwischenzeitlich starker Schneefall machte den Platz schwer bespielbar. Zwei Mal musste die Partie unterbrochen werden, um die Linien von der weißen Schicht zu befreien (14./27.).
Bayern bemühte sich zwar um den Ausgleich, tat sich gegen kompakt-stehende Bielefelder jedoch schwer - hinzu kamen die schwierigen Platzverhältnisse, mit denen aber beide Teams klar kommen mussten.
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Kingsley Coman versuchte es in der 23. Minute mit einem Schuss aus der zweiten Reihe, der jedoch Problemlos von Stefan Ortega aufgenommen werden konnte. Vier Minuten später fischte der DSC-Schlussmann eine Hereingabe mit einer Hand vor Coman ab (27.).
Nach einer knappen halben Stunde klärte Pieper mit einem langen Bein vor dem einschussbereiten Eric-Maxim Chupo-Moting (29.), der drei Minuten nach dieser Szene die "größte" Gelegenheit der Bayern in Durchgang eins auf dem Fuß hatte, doch beim Abschluss entscheidend gestört wurde (32.).
Bielefeld zeigte sich dagegen wesentlich effektiver und legte tatsächlich das 2:0 nach: Vlap, der bereits das erste Tor erzielt hatte, zirkelte eine Ecke von links auf den Kopf von Amos Pieper. Der Innenverteidiger stieg hoch und kam zwischen Süle und David Alaba zum Kopfball, der wuchtig aus fünf Metern im Tor landete (37.). Bei dieser keineswegs unverdienten Führung blieb es bis zum Halbzeitpfiff.

Leroy Sané

Fotocredit: Getty Images

Nach der 15-minütigen Pause war der Schnee verschwunden - und Bayern machte ernst: Knappe drei Minuten nach Wiederanpfiff nahm Robert Lewandowski einen Pass von David Alaba im Strafraum artistisch mit der Brust an und markierte per Volley den 1:2-Anschlusstreffer (48.).
Bielefeld ließ sich aber nicht aus der Fassung bringen und stellte nur 55 Sekunden später den alten Vorsprung wieder her: Andreas Voglsammer spielte den Ball von der linken Seite quer, der eingewechselte Christian Gebauer hielt in der Mitte den Fuß rein - 3:1 für die Gäste (49.)!
Damit aber nicht genug: Wieder nur acht Minuten später zirkelte Leroy Sané eine Flanke von der rechten Seite an den Fünfer, wo Corentin Tolisso eingelaufen war und frei aus wenigen Metern zum erneuten Anschluss traf - Bayern war wieder dran (57.)!
Bielefeld stand während dieser Phase unter Dauerdruck und musste diesem letztendlich nachgeben. In der 69. spielte Leroy Sané erneut einen Ball von rechts ins Zentrum, ein Bielefelder touchierte die Hereingabe leicht, sodass diese im linken Rückraum landete. Der starke Alphonso Davies stand richtig und jagte die Kugel per Dropkick in die linke Ecke zum Ausgleich (69.).
Bielefeld spürte aber, dass noch etwas ging: Nach einem Konter über Klos, der von Sergio Córdova per Kopf geschickt wurde, traf der Passgeber selbst zum vermeintlichen 4:3, doch der Treffer wurde nach Überprüfung zurück genommen. Klos hatte knapp im Abseits gestanden (74.).
Lewandowski hatte zwei Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit noch das späte 4:3 auf dem Kopf, doch Fabian Klos klärte den Kopfball des Polen noch vor der Linie (88.) und sicherte dem Außenseiter einen verdienten Punkt in einem spektakulären Spiel, das ohnehin keinen Verlierer verdient gehabt hätte.

Die Stimmen:

Fabian Klos (Arminia Bielefeld): "Bayern ist eine unglaublich gute Mannschaft, die hinten raus die Partie umgebogen hat. Im ersten Durchgang kam uns der Schnee etwas entgegen. Als der nicht mehr da war, wurde es schwieriger für uns. In der zweiten Hälfte war es dann ein Ritt auf der Rasierklinge. Eigentlich hätten wir mehr Druck auf den Ball ausüben müssen, um die Chipbälle nach vorne zu verhindern, das haben wir leider nicht geschafft. Dadurch hatte Bayern dann die Räume. Ich bin stolz auf die Mannschaft. Wenn wir die heutige Leistung gegen andere Gegner wiederholen können, werden wir in den nächsten Wochen noch ein paar Punkte holen. Wir dürfen jetzt nur nicht nachlassen."
Hansi Flick (Trainer FC Bayern): "In der ersten Halbzeit kam einiges zusammen. Wir haben nicht gut verteidigt, Bielefeld hat es gut gespielt und aus zwei Chancen zwei Tore gemacht. Hinzu kam, dass der Platz in der ersten Hälfte nicht optimal für unser Spiel war. Das soll jedoch keine Entschuldigung sein. Wir hatten einige Spieler zu ersetzen, dennoch hat die Mannschaft heute eine tolle Mentalität gezeigt. Letztendlich müssen wir mit dem Punkt zufrieden sein."

FC Bayern - Arminia Bielefeld | Michel Vlap trifft zum 1:0

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Eric Maxim Choupo-Moting (FC Bayern): "Es war ein schweres Spiel. Abgesehen von den Wetterbedingungen waren die Bielefelder bissig. In der ersten Halbzeit war es schwierig, sich Chancen zu erspielen. Bielefeld war sehr effektiv. Wir haben aber einen guten Spirit gezeigt und sind zurückgekommen. Wir hatten noch die Reise in den Knochen, aber das 3:3 geht in Ordnung."
Uwe Neuhaus (Trainer Arminia Bielefeld): "Der Spielverlauf war verlockend, da hofft man auf mehr. Trotzdem sollten wir zufrieden sein. In der zweiten Halbzeit haben die Bayern einen Gang hochgeschaltet, da hatten wir deutlich mehr Probleme."

Der Tweet zum Spiel:

Die Bielefelder trauten zwischenzeitlich ihren Augen nicht und waren auf dem besten Weg, sich zum "Klubweltmeister-Besieger" zu küren. Letztendlich reichte es aber "nur" zu einem Zähler.

Das fiel auf: Zwei unterschiedliche Hälften in München

Winter-Neuzugang Vlap belebte die Bielelfelder Offensive und sammelte zwei Scorerpunkte. Doch nicht nur vorne war Bielefeld effektiv, auch Defensiv machte die Elf von Uwe Neuhaus einen guten Job, agierte konzentriert und ließ – vor allem im ersten Durchgang – durch perfekte Raumaufteilung keine Lücken zu. Im eigenen Ballbesitz zeigten sich die Gäste ruhig und ballsicher, auch die Körpersprache stimmte.
Im zweiten Spielabschnitt kamen die besseren Platzverhältnisse den technisch versierten Hausherren entgegen. Hernández übernahm immer wieder den Spielaufbau, auf den Flügeln starteten Coman und Sané immer wieder in die Tiefe und erzeugten gefährliche Eins-gegen-Eins-Situationen. Besonders Sané sorgte immer wieder mit Hereingaben für Gefahr und war an zwei Treffern beteiligt.

Die Statistik: 6

Insgesamt sechs Treffer fielen in der Allianz Arena, allerdings gab es "nur" einen Punkt für den Klubweltmeister. Letztlich ist die Punkteteilung aber leistungsgerecht.
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