Noch ist es nicht offiziell.
Wie die "Sport Bild" und die "Bild-Zeitung" berichten, soll Xabi Alonso bei Borussia Mönchengladbach Nachfolger als Trainer von Marco Rose werden.
Für einen Ex-Profi, der erst 2017 in Fußballrente gegangen ist, wäre der Sprung in die Bundesliga zu einem ambitionierten Verein im noch jungen Traineralter ein großer. Schließlich landete die Borussia seit der Spielzeit 2011/12 immer auf einem einstelligen Tabellenplatz und war in dieser Zeit sechsmal in einem europäischen Wettbewerb vertreten.
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Die Trainer-Vita von Alonso sieht dagegen bislang noch überschaubar aus. 2018 übernahm der ehemalige Mittelfeldspieler die U14 von seinem Ex-Klub Real Madrid, 2019 wechselte er zur zweiten Mannschaft von Real Sociedad - bei der er bis heute am Ruder sitzt. Das wars.

Alonso lernte von Guardiola und Mourinho

Allerdings galt der Ex-Bayern-Star schon zu aktiven Zeiten bei seinen Teams als der verlängerte Arm des Trainers. Und Alonso hat unter einer Reihe von Weltklassetrainern gespielt. Unter anderem bei Rafael Benítez (FC Liverpool), José Mourinho sowie Carlo Ancelotti (Real Madrid), Pep Guardiola (FC Bayern München) und Vicente del Bosque in der spanischen Nationalmannschaft. Viel besser geht es kaum.
Alonso konnte sich somit bereits frühzeitig von vielen Startrainern etwas abschauen und sein eigenes Coachingprofil schärfen. Zudem haben auch die ehemaligen Weltklassespieler Guardiola und Zinédine Zidane gezeigt, dass sie nach kurzer Zeit als Trainer bereit für die Aufgaben bei großen Vereinen waren.
Auch mit der Erwartungshaltung in Mönchengladbach sollte der 39-Jährige problemlos umgehen können. "Er war fünf Jahre lang Mittelfelddirigent bei Real Madrid und kennt das Gefühl, unter Druck zu stehen", erklärt Fußball-Experte Félix Martin von Eurosport Spanien.
In seiner Zeit beim FC Bayern (2014-2017) lernte Alonso fließend Deutsch zu sprechen. Daher wird er keine Eingewöhnungszeit brauchen, um Trainingseinheiten zu leiten, Einzelgespräche mit seinen Spielern zu führen oder Medientermine wahrzunehmen.
"Zudem spielte Alonso in München unter Pep Guardiola. Das heißt, er kennt nicht nur die Bundesliga, sondern dürfte wahrscheinlich auch taktisch noch mal dazu gelernt haben", so Martin weiter.

Arbeiteten gemeinsam zusammen beim FC Bayern: Xabi Alonso (links) und Trainer Pep Guardiola

Fotocredit: Getty Images

Alonso macht sich einen Namen bei Real Sociedad

Auf einer großen Bühne konnte der Weltmeister von 2010 seine Klasse an der Seitenlinie bislang noch nicht unter Beweis stellen. Doch in Spanien hat sich Alonso bereits in kurzer Zeit auch einen Namen als Coach gemacht. Mit Real Sociedad B führt er aktuell die Tabelle in der dritten Liga an. "Das spricht für seine Qualitäten als Trainer", findet Martin.
In der Segunda División präferiert Alonso ein 4-2-3-1-System, lässt abhängig vom Gegner aber auch im offensiveren 4-3-3 agieren. Ähnlich macht es Marco Rose derzeit in Gladbach.
Beim 2:1-Sieg am Wochenende im Spitzenspiel bei Athletic Bilbao B setzte Alonso auf Ballbesitzfußball, hohes Pressing sowie schnelles Umschalten nach Ballgewinn - dabei liefen die Angriffe von Real Sociedad vor allem über die Außenbahnen.
Mit Spielern wie Marcus Thuram und Alassane Pléa hätte Alonso bei der Borussia passendes Material, um seine Spielidee umzusetzen. Christoph Kramer oder Florian Neuhaus könnten in der Zentrale auf dem Platz der verlängerte Arm Alonsos sein.
Der Wechsel des zweimaligen Champions-League-Gewinners von der Segunda División B in die Bundesliga wäre dennoch ein überraschender. "Ich hätte erwartet, dass er als nächsten Schritt erst einmal in naher Zukunft Trainer der ersten Mannschaft von Real Sociedad wird, sich in La Liga beweist und dann irgendwann eine größere Herausforderung wagt", sagt Fußball-Experte Martin.

Xabi Alonso macht als Trainer bei Real Sociedad B eine gute Figur

Fotocredit: Imago

Borussia Mönchengladbach: Alonso wäre ablösefrei

Dass diese Möglichkeit nun doch bereits jetzt zu kommen scheint, liegt auch an der derzeitigen Situation der Fohlen. Nach der Bekanntgabe des Rose-Abschieds zum BVB und der zuletzt sportlichen Talfahrt herrscht Unruhe im Verein. Mit einer baldigen Entscheidung auf der Trainerposition könnte Sportdirektor Max Eberl für etwas mehr Ruhe am Niederrhein sorgen.
Bei der Wahl für Alonso würde die Borussia zudem keine Ablöse zahlen müssen, da der Vertrag des Europameisters von 2008 und 2012 in San Sebastián im Sommer ausläuft. Kein unwichtiger Fakt in finanziell schwierigen Zeiten aufgrund der Corona-Pandemie.
Die gestandenen Bundesligatrainer Oliver Glasner (VfL Wolfsburg), Adi Hütter (Eintracht Frankfurt) und Florian Kohfeldt (SV Werder Bremen), die ebenfalls mit einem Gladbach-Wechsel in Verbindung gebracht worden sind, sind noch bis 2022 respektive 2023 an ihre jeweiligen Vereine gebunden. Gleiches gilt für Jesse Marsch (RB Salzburg) und Gerardo Seoane (Young Boys Bern).
Eberl hatte bereits in der Vergangenheit mit Lucien Favre (2011-2015), Dieter Hecking (2016-2019) sowie Rose (seit 2019) ein gutes Händchen bei seinen Trainerentscheidungen bewiesen und war dadurch mit verantwortlich, dass der fünfmalige deutsche Meister wieder zu den Topteams der Bundesliga aufstieg.
Ein Titelgewinn fehlt Eberl mit der Borussia allerdings noch. Vielleicht kann Trophäensammler Alonso ab Sommer als neuer Fohlen-Trainer Mönchengladbach diesem Traum ein Stück näherbringen.
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