Liebe Fußballfreunde,
will man es im deutschen Profifußball zu etwas bringen, dann gehört die Fähigkeit "sich selbst ins Spiel zu bringen" unbedingt dazu.
Dabei handelt es sich um die PR-Technik, den eigenen Namen in Verbindung mit einem großen Klub aufzuladen, unabhängig davon, ob es überhaupt einen Kontakt oder gar ein Interesse des Klubs gibt, Hauptsache der eigene Name wird kolportiert.
Bundesliga
Kein Sinneswandel: Rangnick-Absage an Schalke endgültig
21/03/2021 AM 10:18
Um im Duktus des Fußballs zu bleiben: Es handelt sich dabei um einen Doppelpass mit sich selbst ohne Gegenspieler. Das Durchstechen an die Öffentlichkeit muss man natürlich nicht selbst erledigen, dafür hält man sich eine Schar von PR-Strategen und Handlangern, die das im eigenen Namen übernehmen.
Keiner kann das im deutschen Fußball so gut wie Ralf Rangnick. Es gibt kaum einen großen Namen im nationalen wie internationalen Profifußball, der in einer Schaffenskrise in den letzten Jahren nicht nach Rangnicks Expertise lechzte.

Alle wollen Rangnick - echt?

Vor einem Jahr wäre Rangnick fast Trainer des AC Mailand geworden oder Sportdirektor oder beides, so jedenfalls sickerte es aus dem Rangnick-Lager heraus. Geworden ist er nichts von alledem. Regelmäßig lehnte er angeblich Jobangebote von Arsenal, Chelsea, West Ham oder dem AS Rom ab, sogar die englische Fußball-Nationalmannschaft, die Three Lions wollten ihn, Wahnsinn, höher geht es nicht.

Ralf Rangnick steht angeblich vor einer Einigung mit dem AC Mailand

Fotocredit: Imago

Ob es die Angebote wirklich gab? Rangnick behauptete es einfach. Zuletzt sollte er der neue Bundestrainer werden, auch deshalb überraschte, dass er ausgerechnet dem künftigen Zweitligisten Schalke den Vorzug geben wollte.
Eine namhafte außerparlamentarische Unterstützergruppe hatte sich eingefunden, um Rangnick dem Aufsichtsrat schmackhaft zu machen. Noch bevor es zu einem ersten persönlichen Treffen kam, sagte er am Wochenende mit Verweis auf die "Unwägbarkeiten innerhalb des Vereins" ab. Das ist dann doch ziemlich komisch, denn wegen genau dieser Unwägbarkeiten (Platz 18, Abstieg, Zweite Liga, 240 Millionen Euro Schulden) sollte er ja in Gelsenkirchen anfangen.

Godfather und "Gscheithaferl"

Ralf Rangnick ist, das kann man ruhig so sagen, ein ziemliches "Gscheithaferl", wie man im Bayerischen sagt, ein notorischer Besserwisser. Hinzukommt, und das macht es so nervig, Rangnick sieht sich als verkanntes Genie. Er selbst ist davon überzeugt, dass er der Erfinder des modernen Pressing- und Umschaltspiels in Deutschlands ist.
Zugleich hält er sich für den Godfather einer ganzen Trainergeneration, Jürgen Klopp, Thomas Tuchel und Julian Nagelsmann seien ohne ihn gar nicht denkbar. Nur die öffentliche Würdigung dafür, die wird ihm einfach nicht zuteil, das lässt er immer wieder durchblicken.
Rangnick kann sich das einfach nicht erklären. Vielleicht muss er deshalb seinen Namen immer wieder ins Spiel bringen lassen, wenn es um die Neubesetzung eines Spitzenjobs geht, selbst wenn die, die den Job vergeben, gar nicht an ihn denken.

Rangnick biedert sich DFB und Schalke an

Wie das geht, das hat Rangnicks Berater Marc Kosicke vor einer Woche exemplarisch gezeigt. Den Kollegen von "sport1.de" gab Kosicke ein Interview zu der Frage, wer der neue Bundestrainer nach Jogi Löw werden könnte. Frage: "Wie ernst kann das werden mit Rangnick und dem DFB?" Antwort Kosicke: "Ralf hat ja selbst gesagt, dass er frei ist und Lust darauf hätte. Alles Weitere liegt jetzt beim DFB."
Etwas später hackt der investigative Kollege nach: "Das würde ihn schon sehr reizen, oder?" Antwort Rangnick-Sprachrohr Kosicke: "Absolut". Und: "Er ist Anfang 60 und topfit, das wäre die Krönung seiner Karriere." Sie erinnern sich: das ist "sich ins Spiel bringen" in Reinkultur.

3. Spieltag: 1. FSV Mainz 05 - FC Schalke 04 am Sonntag (21.08.2011) in der Coface Arena in Mainz. Der Schalker Trainer Ralf Rangnick gestikuliert im Spielgeschehen.

Fotocredit: dpa

Gut, jetzt könnte man sagen, das klingt wie auf dem Hamburger Fischmarkt, wenn "Makrelen-Sven" seine kleinen, faulen Fische nicht mehr loskriegt - im Profifußball ist derartige Anbiederei Usus.
Nur zwei Gedanken dazu: Erstens: Ich verwette meinen ganzen Schreiberlohn, dass man so niemals Bundestrainer wird. Und zweitens: Warum biedert sich Rangnick dem DFB an, wenn er sich Tage später bei Schalke ins Spiel bringen lässt? Will er Schalke und die DFB-Elf gleichzeitig übernehmen?
Gut, könnte man ja mal darüber nachdenken. Wenn es einer kann, dann der Godfather.

Vertrauen bei den Fans verspielt

Die Hoffnung auf Rettung, die die Schalke-Fans mit dem Namen von Ralf Rangnick verbanden, wird einer Enttäuschung weichen, die erstmal überwunden werden muss Auf einem Transparent war am Wochenende von "Pro Neuanfang, pro Rangnick" zu lesen, eine Online-Petition, die ihn als Trainer forderte, hatte schnell über 50.000 Unterschriften.
Alles umsonst! Dass man nicht leichtfertig mit den ehrlichen Gefühlen von Fußballanhängern spielt, das muss der Mann, der sich gerne als Hüter des reinen Spiels inszeniert, erst noch lernen. Der ehemalige Vertrauenslehrer aus Backnang hat viel Vertrauen verspielt.
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