Anthony Modeste rettet Köln per Doppelpack einen Punkt gegen Union Berlin

Der 1. FC Köln und Union Berlin haben sich am 11. Bundesligaspieltag 2:2 (1:2) getrennt. Anthony Modeste hatte die Geißböcke in der 7. Minute in Führung gebracht, Julian Ryerson glich 124 Sekunden später aus (9.). Kurz vor dem Seitenwechsel sorgte Grischa Prömel gar für die Führung der Eisernen (45.+1). Für das Happy-End aus Kölner Sicht sorgte erneut Modeste, der den Doppelpack schnürte (86.).

Anthony Modeste traf gegen Union Berlin doppelt

Fotocredit: Getty Images

Bei den Kölner gab es nach der 0:2-Niederlage in Dortmund zwei Änderungen in der Startelf: Rafael Czichos und Florian Kainz ersetzten Luca Kilian und Jan Thielmann (beide Bank). Zudem setzte Steffen Baumgart auf ein 4-2-3-1 mit Anthony Modeste als einzige Spitze.
Union-Trainer Urs Fischer nahm nach der englischen Woche mit Europapokal einige personelle Wechsel vor und brachte Timo Baumgartl, Nico Gießelmann, Grischa Prömel, Julian Ryerson und Taiwo Awoniyi für Paul Jaeckel, Levin Öztunali, Kevin Behrens, Christopher Trimmel (alle Bank) und Tymoteusz Puchacz (nicht im Kader). Die Hauptstädter mussten zudem auf Max Kruse verzichten, der nun schon seit vier Pflichtspielen mit Fuß- und Oberschenkelproblemen ausfällt.
Von Anfang an sahen die Zuschauer im Rhein-Energie-Stadion eine sehr intensive Begegnung. Beide Teams gingen höchstes Tempo und schenkten sich in den Zweikämpfen nichts. So waren alle Beteiligten schnell auf Betriebstemperatur. Modeste traf nach einem tollen Schuss von Florian Kainz per Abpraller zum frühen 1:0 (7.), doch keine 120 Sekunden später sorgte Julian Ryerson mit einem überlegten Schuss in die rechte Ecke für den Stimmungskiller (9.).
Köln zwang Berlin mit hohem Pressing immer wieder zu langen Bällen. Beiden Teams war der Druck nach den zuletzt sieglosen Spielen anzumerken, so wurde Fußball die ganze Zeit gearbeitet. Angriffe resultierten meist aus Balleroberungen und schnellen Umschaltaktionen. Die Geißböcke hatten im ersten Durchgang wesentlich mehr Ballbesitz und waren die aktivere Mannschaft. Doch über die Außen kam der FC viel zu selten, sodass es kaum gefährlich für Unions Abwehr wurde. Lediglich Modestes Kopfball ging knapp am Kasten vorbei (38.), Ondrej Duda traf nur das Außennetz (40.).
So waren die Hausherren deutlich näher an der Führung, doch aus dem Nichts kam Eisern Union zur Führung: Köln lud in Person von Czichos die Berliner ein, Prömel traf zum 1:2 (45.+1). Ein Treffer, der Wirkung zeigte, denn wenige Sekunden später hätte Awoniyi sogar das 1:3 machen müssen.
Auch im zweiten Durchgang änderte sich am Spielverlauf nichts. Berlin fokussierte sich mit der Führung im Rücken weiterhin auf schnelle Umschaltaktionen und stand weiterhin kompakt, hätte aber die Konter besser zu Ende spielen müssen. Köln tat sich mit dem Aufbauspiel schwer. Eine Freistoßflanke des agilen Kainz‘ brachte die erste Chance in der zweiten Hälfte durch Jonas Hector, dessen Kopfball knapp vorbeiging (54.).
Köln kam in der Folgezeit immer weniger zu Flanken, Union agierte sehr abgezockt und brachte so die Stimmung vor Beginn der Karnevalszeit quasi auf den Nullpunkt. Trotz der großen Rotation von Urs Fischer war bei den Köpenickern kein Qualitätsverlust erkennbar. Mitte der zweiten Halbzeit kontrollierte Eisern Union sogar die Partie, Köln kam kaum noch gefährlich in die Nähe des Strafraums.
Dennoch konnte sich der FC einmal mehr auf Topstürmer Modeste verlassen, der nach einer Ecke per Kopf zur Stelle war und das 2:2 markierte (86.). Köln war nun wieder voll da und hatte durch den zuvor eingewechselten Sebastian Andersson sogar die große Chance auf das 3:2, doch der Stürmer vergab freistehend (88.). Aufgrund der Spielanteile geht dieses Unentschieden sicherlich in Ordnung, doch Berlin versäumte es, den Sack zuzumachen und hätte die Konter besser ausspielen müssen.

Die Stimmen zum Spiel

Steffen Baumgart (Trainer 1. FC Köln): "Ich habe mich insgesamt über die eine oder andere Sache geärgert und bin immer noch angepisst. Ich glaube, die Jungs machen einen sehr sehr guten Job. Natürlich machen wir den Fehler in der ersten Halbzeit, weil wir den Mut haben, hinten rauszuspielen. Aber ich frage mich dann schon, wenn ich das Dremherum sehe, warum die Jungs dann Sorgen haben müssen, hier einen Fehler zu machen. Wir sollten schon besser mit Fehlern umgehen. Die letzten vier Jahre ging es in Köln darum, dass kein guter Fußball gespielt wird. Jetzt spielen die Jungs guten Fußball und dann läuft es gegen Union Berlin und man liegt 1:2 zurück und dann hat man das Gefühl, das Stadion weiß nicht, ob es jubeln oder weinen soll. Wir haben gesagt, dass wir diesen Weg gehen und diesen müssen dann alle gehen. Wir müssen mutig sein und rausspielen. Wenn dann Fehler passieren, übernehme ich auch die Verantwortung. Das ist das, was mich geärgert hat."
Andreas Luthe (Union Berlin): "Es war hier schon möglich zu gewinnen. Köln hat ein sehr gutes Heimspiel gemacht, sie waren wirklich griffig und hatten einen guten Drang und haben uns das Leben wirklich schwer gemacht. Aber wir waren immer in der Lage Nadelstiche zu setzen und waren auch gefährlich vor dem Tor. Ich denke schon, dass wir hier etwas mitnehmen müssen. Dass es nur ein Punkt ist, ist wirklich schade. Solange man nur mit einem Tor führt, hast du das Risiko, dass du noch eines bekommst. Wir hätten sie mit dem Konter bestrafen müssen. Wir haben immer wieder tolle Kontersituationen, spielen sie aber nicht zu Ende, das ist natürlich schade."
Mark Uth (1. FC Köln): "Wir wollten zu Hause natürlich gewinnen, aber es war ein sehr schwieriges und intensives Spiel mit vielen Zweikämpfen und wenigen Chancen. Union hat das Spiel ganz gut zerstört, wir hatten keine Lösungen nach vorne. So können wir uns glücklich schätzen, dass wir noch das 2:2 machen. Wenn wir geflankt haben, waren wir gefährlich. Die Gegner stellen sich jetzt auf uns ein, das müssen wir aufarbeiten. Aber ein Punkt gegen Union Berlin nach diesem Spielverlauf ist in Ordnung."
Dejan Ljubicic (1. FC Köln): "Wir haben eine gute Partie gemacht, aber haben uns leider nicht mit drei Punkten belohnt. Union hat ein gutes Spiel gemacht, wir nutzten die Chancen nicht. Solche Fehler (1:1, Anm. d. Red.) passieren. Der Trainer hat es in der Halbzeit angesprochen, dass wir weitermachen sollen, dass wir es spielerisch lösen. Solche Fehler passieren auch dem FC Barcelona. Wir haben schon gewusst, dass sie defensiv robust und stark sind. Das ist aber ein Prozess und wir müssen schauen, dass wir gegen Mainz dann drei Punkte holen."

Das fiel auf: Köln fehlt Plan B

Steffen Baumgart krempelte den FC zu Beginn der Saison um, die Kölner spielten seitdem ein aktiveres Pressing und waren vor allem bei Umschaltaktionen brandgefährlich, da zielstrebig und schnörkellos. Doch was machen die Rheinländer, wenn sie das Spiel bestimmen müssen wie gegen Union? Die Kölner versuchten es immer wieder über die Außen mit Uth und vornehmlich Kainz. Doch die Köpenicker standen mit der Fünferkette sehr sicher und ließen wenig bis gar nichts zu. Der FC hatte im ersten Durchgang über 70 Prozent Ballbesitz, kam jedoch nur zu drei gefährlichen Abschlüssen. Ansonsten tat sich der FC sehr schwer gegen kompaktstehende Gäste. Dabei hat man mit Uth, Duda und Kainz drei technisch gute Spieler in der Offensive. Auch gegen Union brachte der FC trotz vieler Spielanteile lediglich fünf Schüsse aufs Tor. Einfach zu wenig Ertrag bei so viel Aufwand. Immerhin sorgte eine Standardsituation für das 2:2. Bei den spielerischen Lösungen muss Steffen Baumgart ansetzen, damit sich der FC gegen tiefstehende Gegner leichter tut.

Tweet zum Spiel

Sicherlich ein optisches Highlight in jeder Saison ist das Karneval-Trikot des 1. FC Köln. Am 11.11. startet offiziell die fünfte Jahreszeit, der FC stimmt seine Fans jährlich mit dem Sondertrikot darauf ein. In diesem Jahr haben sich die Designer wieder einiges einfallen lassen, so ziert Konfetti das Trikot.

Die Zahl: 6

Steffen Baumgart hat aus Anthony Modeste wieder die Lebensversicherung des 1. FC Köln gemacht. Der Franzose erzielte alle sechs letzten Pflichtspieltreffer des FC in den vergangenen vier Partien. Doppelpack gegen Leverkusen, Doppelpack im Pokal beim VfB und heute erneut zwei Treffer. Mit acht Ligatoren in elf Partien ist der 33-Jährige damit erfolgreicher als in beiden vergangenen Spielzeiten, in denen er wettbewerbsübergreifend auf lediglich fünf Tore kam.
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Quelle: Eurosport

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