Drei Dinge, die bei Union gegen Bayern auffielen: Pokal-Frust verpufft, aber eine Baustelle bleibt
Der FC Bayern betreibt nach der Pokal-Schmach in Mönchengladbach gegen Union Berlin erfolgreiche Frustbewältigung. Beim 5:2-Sieg in der Festung namens Alte Försterei zeigt die Mannschaft in Abwesenheit von Trainer Julian Nagelsmann über weite Strecken ihr altbekanntes Gesicht. Allerdings: Eine Baustelle bleibt. Drei Dinge, die beim Tor-Festival in der Hauptstadt auffielen.
Thomas Müller vom FC Bayern
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Nach dem historischen 0:5 im DFB-Pokal gegen Borussia Mönchengladbach war der FC Bayern München bei Union Berlin gefordert, mit Spannung wurde die Reaktion des Rekordmeisters erwartet.
Im Vorfeld gab Trainer Julian Nagelsmann, der nach wie vor aufgrund seiner Corona-Erkrankung auf der Bank fehlte, die Marschroute vor: "Wir haben den Anspruch, Champions zu sein, die wieder aufstehen."
Seine Mannschaft stand auf. Am Ende stand ein 5:2 aus Sicht der Bayern auf der Anzeigetafel, Doppelpacker Robert Lewandowski, Leroy Sané, Kingsley Coman und der überragende Thomas Müller besorgten die Tore für ihr Team, das im Vergleich zum Debakel am Niederrhein vornehmlich sein altbekanntes, dominantes Gesicht zeigte.
Während die Offensive zu Beginn vollumfänglich überzeugte und teils sehenswerte Angriffe fuhr, ließ auch die Defensivabteilung wenig anbrennen. Dies änderte sich jedoch nach rund 40 Minuten. Plötzlich verfiel Bayerns Hintermannschaft in alte Muster, die Hausherren dominierten zwischenzeitlich nach Belieben, ehe eiskalte Effektivität beim FCB zutage trat und die Eisernen erstmals seit 21 Heimspielen wieder als Verlierer vom Platz gehen mussten.
Drei Dinge, die bei Union Berlin gegen den FC Bayern München auffielen.
1. Chef zufrieden: Bayern zeigt bayerntypische Reaktion
Es gibt etliche Mannschaften, die nach einer derartigen Schmach in ein tiefes Loch fallen würden, ein langes, finsteres Tal durchschreiten. Was die Bayern von ebenjenen Mannschaften unterscheidet, ist der Umstand, dass sie meistens eben nicht mit negativen Reaktionen aufwarten, sondern in der Lage sind, den viel zitierten Schalter nur wenige Tage später wieder umzulegen - sodass eine 0:5-Pleite den Anstrich eines einmaligen Betriebsunfalls erhält.
Die Erfahrungen aus der Vergangenheit legten also nahe, dass Union es mit einem hoch motivierten, wild entschlossenen Gegner zu tun bekommen würde. Die Befürchtungen der Eisernen sollten sich bewahrheiten, Bayern war merklich um Wiedergutmachung bemüht, verlor sich dabei aber nicht in Aktionismus, sondern zog sein Spiel strukturiert auf.
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Union Berlin - FC Bayern München
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Hinten (zunächst) stabil, vorne mit ständigen Nadelstichen, die vor allem in der ersten 30 Minuten in mehr Tore hätten umgemünzt werden können. Drei Treffer sprangen dennoch heraus, bescherten den Gästen ein vermeintlich bequemes Polster, ehe Union noch einmal ins Spiel fand. Gerade in der größten Druckphase des FCU zeigte das Nagelsmann-Team, das abermals von dessen Vertreter Dino Toppmöller betreut wurde, eine Qualität, die noch in der Anfangsphase vermisst worden war: brutale Effektivität.
"Wir wollten uns mussten eine fußballerische Reaktion zeigen", sagte Thomas Müller nach Abpfiff bei "Sky" und führte aus: "Es war wichtig, dass wir die Zweikämpfe annehmen, wir wollten Spielfreude entwickeln. Das haben wir geschafft, besonders in der ersten halben Stunde." Dass es nach dem Gladbach-Spiel enormen medialen Gegenwind gegeben habe, verstand der Weltmeister von 2014: "Wenn der FC Bayern 0:5 ausscheidet und da der eine oder andere Spruch auftaucht, muss man etwas einstecken können. Wir sind ja nicht aus Zucker."
Toppmöller, der vorerst zum letzten Mal eine Presskonferenz in Nagelsmanns Absenz abhielt, zeigte sich, ob der Reaktion seiner Schützling, vor allem erleichtert: "Wir sind froh, dass wir eine Reaktion gezeigt haben – und wir unseren Chef zufriedenstellen konnten."
2. "Danke für die Blumen": Müller überragt als Führungsspieler
Freilich wusste die gesamte Offensivreihe um Lewandowski, Sane, Coman und Müller zu überzeugen, doch der Ur-Bayer unterstrich seine Führungsrolle ganz besonders. Drei Vorlagen und ein Tor standen letztlich für den 32-Jährigen zu Buche, sein Treffer bedeutete nicht nur das 5:2, sondern gab auch eine nette Randnotiz her: Erstmals überhaupt traf Müller gegen Union, damit hat er nun gegen jeden der aktuellen Bundesligisten mindestens einmal genetzt.
Nach der Partie widmete der offizielle Social-Media-Account der Bayern dem Mann des Spiels einen eigenen Beitrag. "Starkes Spiel, Thomas Müller", so die Gratulation, die Müller mit den Worten "danke für die Blumen" goutierte.
Tatsächlich ging er nicht nur in puncto Vorlagen und Tore voran, Müller war extrem umtriebig, verbuchte die meisten Ballaktionen aller Offensivspieler, setzte die meisten Tacklings (3), zudem gewann er 80 Prozent seiner direkten Duelle (8/10).
Eine beeindruckende Vorstellung, die auch von Toppmöller gelobt wurde. "Thomas ist für uns eine Führungsfigur mit viel Erfahrung. Er ist Weltmeister, Champions-League-Sieger, mehrfacher Meister", sagte der Bayern-Co., der normalerweise vermeidet, über einzelne Spieler zu sprechen. Toppmöller ergänzte: "Thomas hat eine tolle Leistung gebracht."
3. Union steckt nicht auf – und entbößt eine Bayern-Dauerbaustelle
0:3 gegen den FC Bayern hinten, aber von Aufstecken keine Spur. Angepeitscht von den eigenen Fans fingen sich die Hausherren nach rund 40 Minuten und nahmen plötzlich am Spiel teil. Niko Gießelmann verkürzte vor der Pause und löste damit eine mutmaßlich leidenschaftliche Halbzeit-Ansprache von Trainer Urs Fischer aus, in der die FCU-Eigenschaften Mut und Herzblut thematisiert wurden.
Vorausgegangen war dem Gießelmann-Tor ein Stellungsfehler des jungen Rechtsverteidigers Josip Stanisic, der für Benjamin Pavard ins Team gerückt war. Für Berlin ein Knotenlöser, für die Bayern kein unbekannter Lapsus. In Gladbach hatte sich immerhin Fehler an Fehler gereiht. "Wir haben sie vor der Halbzeit mit einem individuellen Fehler eingeladen. Dann war uns bewusst, dass noch einmal eine extreme Wucht kommt", sagte Toppmöller mit Blick auf die Anfangsphase des zweiten Durchgangs.
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Union Berlin - FC Bayern
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Die Wucht kam. Union dominierte in den ersten 15 Minuten nach dem Seitenwechsel, zwang Bayern zu Fehlern im Aufbau, kämpfte, erspielte sich verheißungsvolle Möglichkeiten. Selbst als Coman mitten in die Drangphase hineinstach, zeigte Union sich unbeeindruckt – und kam abermals zurück. Dabei entblößten die Köpenicker die Bayern-Dauerbaustelle Nummer eins: Die Defensive.
Der Mannschaftsteil, der schon unter Ex-Trainer Hansi Flick als Sorgenkind galt, von Nagelsmann schnell stabilisiert wurde, aber zuletzt zurück in alte Muster verfiel. Hochstehende Bayern liefen ein ums andere Mal hinterher, als Union seine Angriffe initiierte. Immer wieder sorgten Pässe hinter die Kette für Gefahr im Münchner Strafraum.
Sinnbildlich stand die Entstehung des 2:4, als der eingewechselte Kevin Behrens startete, Niklas Süle entwischte und in der Mitte den freistehenden Julian Ryerson bediente. "Wir haben uns gewünscht, dass wir gut loslegen", sagte Manuel Neuer nach der Begegnung. Er schob nach: "Am Anfang hat das gut funktioniert, ärgerlich für uns sind allerdings in der Defensive die Gegentore."
Toppmöller analysierte: "In der Anfangsphase der zweiten Halbzteit ist Union gut reingekommen. Wir hatten nicht mehr die Struktur im Ballbesitz, die Abstände waren zu groß. Wir hatten nicht mehr den Zugriff auf den Gegner." Für die Bayern zu verschmerzen, dennoch dürfte Nagelsmann nach seiner Rückkehr aus der Quarantäne im Defensivspiel den größten Handlungsbedarf haben.
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Quelle: Eurosport
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