FC Bayern - ein Abend zum Vergessen: Das macht Leroy Sanés Situation so kompliziert

Pfiffe bei misslungenen Aktionen, hämischer Beifall, als Leroy Sané zur Halbzeit in der Kabine bleiben musste: Der Offensivmann vom FC Bayern erlebte beim Fan-Comeback in der Allianz Arena gegen den 1. FC Köln (3:2) einen Abend zum Vergessen. Das schonungslose Feedback von der Tribüne versinnbildlichte die komplizierte Situation, in der sich der Nationalspieler seit seiner Ankunft befindet.

Leroy Sané vom FC Bayern München

Fotocredit: Imago

Hängender Kopf, entschuldigende Gesten in Richtung der Mitspieler, nachdenklicher Blick: Leroy Sané fiel am Sonntagabend wahrlich nicht mit positiver Körpersprache auf, vermittelte gegen aggressive Kölner keine Jetzt-erst-recht-Mentalität, wenn ihm eine Aktion misslang. Während seine Leistung auf dem Platz mehr und mehr abnahm, stieg im Publikum das Frustrationslevel.
Pfiffe der eigenen Anhänger begleiteten den ehemaligen Schalker, nachdem Trainer Julian Nagelsmann ihn zur Halbzeit in der Kabine ließ, machte sich vereinzelt hämischer Beifall breit. Dass Sané, der in seiner ersten Spielzeit nicht gänzlich zu überzeugen vermochte, ausgerechnet einen gebrauchten Tag erwischte, als nach anderthalb Jahren Abstinenz wieder mehrere Tausend Fans dem Geschehen beiwohnen durften, stand sinnbildlich für seine bisherige Zeit in München – und verdeutlichte gleichzeitig, warum seine Situation sich derart kompliziert gestaltet.
Zum ersten Mal seit seinem Wechsel von ManCity erhielt der 25-Jährige nicht bloß medialen Gegenwind, den er gegebenenfalls ausblenden könnte, sondern wurde direkt mit Negativ-Feedback konfrontiert. Ein schwieriger Umstand für einen Spieler, der nach mäßiger Saison und enttäuschender EM nicht vor Selbstbewusstsein strotzt. Noch kniffliger, wenn es sich bei besagtem Spieler um Sané handelt, der traditionell eher introvertiert daherkommt, nicht unbedingt als Sprachrohr und Vorangeher in schwierigen Phasen gilt.
Mit der Unterschrift eines Bayern-Vertrags verpflichtet man sich nicht nur, für die kommenden Jahre pünktlich zur Arbeit zu erscheinen und sein Tagwerk so gut es geht zu verrichten, man signiert quasi eine Erfolgsverpflichtung. Droht der Triumph zu scheitern, degoutieren vereinzelte, erfolgsverwöhnte Fans das, was sich auf dem Rasen abspielt.

Sanés Bürde: Ablöse und Gehalt

Wenn der betroffene Akteur dann – wie in Sanés Fall – auch noch für sehr viel Geld geholt und fürstlich entlohnt wurde, fällt der Ärger automatisch umso größer aus. Gerade bei Sané ein kontraproduktives Verhalten, er benötigt Zuspruch, Vertrauen, eine Wohlfühl-Atmosphäre. Er ist mehr Künstler denn Malocher, ein graziler Schöngeist, kein Alphatier.
"Erstmal hat es mir nicht gefallen", sagte Ex-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge mit Blick auf die lautstarken Unmutsbekundgen der Zuschauer im "Bild"-Interview. "Ich habe Mitleid mit ihm. Er bemüht sich, hat aber kein Selbstvertrauen. Er hat keine gute EM gespielt. Mit seiner Ablöse und Gehalt kommt die Kritik der Fans langsam hoch."
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Julian Nagelsmann und Leroy Sané (r.)

Fotocredit: Getty Images

Weniger Mitleid, sondern vielmehr Unterstützung erfuhr Sané hingegen von den aktuellen Protagonisten des Rekordmeisters. Julian Nagelsmann erklärte im Anschluss an die Begegnung mit den Rheinländern: "Viele Leute, die auf der Tribüne sitzen haben in ihrer Arbeit auch schon mal Fehler gemacht – da kommt der Leroy auch nicht und pfeifft, wenn irgendetwas nicht passt." Es sei viel wichtiger, "dass die Fans eigene Spieler unterstützen", dies sei "der richtige Weg."

Kimmich wird deutlich: "Fand ich frech"

Auch seine Teamkollegen stärkten Sané den Rücken: "Das wollen wir nicht, das ist nicht schön. Da erwarte ich von den Fans mehr Unterstützung für uns Spieler", sagte beispielsweise Thomas Müller nach der Partie.
Joshua Kimmich, der im Rahmen seiner Vertragsverlängerung auf einer Pressekonferenz sprach, wurde noch deutlicher: "Was gestern passiert ist, fand ich echt frech und bitter. Dass im ersten Spiel nach langer Zeit vor Fans sowas passiert, ist ich nicht Ordnung. Das war nicht gerechtfertigt." Es liegt an Akteuren wie Kimmich und Müller, meinungsstarken Protagonisten mit Führungsqualitäten, Sané wieder aufzubauen.
Ebenjene Aufbauarbeit, die der Verein 2012 bei Arjen Robben bereits leistete, nachdem der Niederländer ausgebuht worden war, weil er sowohl im Rennen um die Meisterschaft als auch im "Finale Dahoam" jeweils einen Elfmeter verschossen hatte. Dementsprechend zog Rummenigge bei der "Bild" bezüglich Sané die Parallele zu damals.

Rummenigge zieht Robben-Vergleich: "Ans Jahr 2012 erinnert"

"Ich hab mich im Stadion an das Jahr 2012 erinnert", sagte Rummenigge. Er schob nach: "Arjen war fast so weit, um seine Freigabe zu bitten. Aber wir haben gesagt: 'Nein das machen wir nicht.' Er war ein wichtiger Spieler von Bayern München. Wir haben ihn unterstützt. Jupp Heynckes hat ihn als Trainer aufgebaut. Er war extrem ehrgeizig. Das Ergebnis: Gegen Dortmund war er ein Jahr später im Champions-League-Finale der Matchwinner."
Eine Entwicklung, die Sané Mut machen könnte. Sollte sein Weg in München auch nur in Ansätzen ähnlich verlaufen wie der von Robben, dürfte er über den August-Abend zum Vergessen eines Tages schmunzeln. Zunächst einmal gestaltet sich die Gesamtlage problematisch – neben seinem Arbeitgeber und seinen Mitspielern ist in erster Linie er selbst nun gefordert, die Talsohle zu durchschreiten - um in naher Zukunft endlich erhobenen Hauptes und mit merklicher Spielfreude aufzutrumpfen.
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Pfiffe der Bayern-Fans gegen Sané: Das sagt Nagelsmann

Quelle: Perform

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