Fünf Spiele im Kader, fünf Spiele auf dem Platz - und das über die vollen 90 Minuten.
Unter Julian Nagelsmann gilt für Lucas Hernández in dieser Saison derselbe Grundsatz, den General Louis van Gaal einst bei Thomas Müller prägte: Hernández spielt immer.
Keine Selbstverständlichkeit, denn der Weltmeister von 2018, der im Sommer 2019 für 80 Millionen Euro von Atlético Madrid zum deutschen Rekordmeister wechselte, hatte deutliche Anpassungsschwierigkeiten in München.
Bundesliga
Anhörung schon am Montag: Hernandez "klammert sich an letzten Strohhalm"
18/10/2021 AM 13:43
Immer wieder wurde er von Verletzungen ausgebremst oder kam an den unter Hansi Flick gesetzten David Alaba und Jérôme Boateng nicht vorbei. In seiner Premierensaison schaffte es der 25-Jährige nur in zehn Bundesligaspielen in die Startelf, ein Jahr später waren es 18 Partien.
Ausgerechnet jetzt, wo er fit und unverzichtbar daher kommt, droht ihn eine Haftstrafe aus der Bahn zu werfen. Für den FC Bayern wäre das kompliziert.

Hernández würde nicht nur sechs Monate fehlen

Angenommen Hernández muss ab 28. Oktober für sechs Monate einsitzen, so wäre die Saison für den 25-Jährigen ziemlich sicher gelaufen. Erst am 28. April käme Hernández schließlich wieder frei und müsste sich dann erst einmal wieder fit werden.
Während seiner Abwesenheit würde sich die bajuwarische Innenverteidigung mehr oder weniger von selbst aufstellen. Dayot Upamecano und Niklas Süle hätten ihren Stammplatz in der Abwehrzentrale sicher.

Dayot Upamecano und Niklas Süle hatten Erling Haaland gut im Griff

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Einzige Backups wären Benjamin Pavard, der eigentlich auf der Rechtsverteidigerposition gebraucht wird, und Tanguy Nianzou, dessen Durchbruch noch auf sich warten lässt. Eine äußerst dünne Personaldecke für ein Team, das wie der FC Bayern traditionell bis weit in die Saison hinein auf drei Hochzeiten tanzt.

Bayern müsste reagieren - aber wie?

Ohne Hernández für den Rest der Spielzeit müsste der Rekordmeister personell nachbessern - doch das ginge erst ab dem 1. Januar. Dann nämlich öffnet das Wintertransferfenster, auf dem es traditionell schwierig ist, den Mix aus wirtschaftlicher Vernunft und sportlichem Anspruch zu finden. Spieler, die Vereinen wie dem FC Bayern sofort weiterhelfen (das müsste ein Hernández-Ersatz) sind per se teuer. Müssen sie während der Saison auch noch aus bestehenden Verträgen herausgekauft werden, sind sie womöglich nicht bezahlbar.
Ein Grund dafür, dass im Winter Hochkonjunktur bei Leihgeschäften herrscht. Viele erinnern sich an Serdar Tasci, der im Winter 2016 von Spartak Moskau für 2,5 Millionen Euro vom FC Bayern bis zum Saisonende ausgeliehen wurde. Damals reagierte man auf die verletzungsbedingten Ausfälle von Boateng und Javi Martínez.

Serdar Tasci spielt seit Januar 2016 für den FC Bayern München

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Tasci schaffte es in der Rückrunde drei Mal in die Startelf, kam auf 220 Einsatzminuten und ging zum 1. Juli zurück nach Russland. Mittlerweile ist der ehemalige deutsche Nationalspieler (14 Länderspiele) vereinslos, spielte zuletzt ein halbes Jahr bei Basaksehir in der Türkei (Januar 2019 - Juli 2019).

Lucas Hernández: Entscheidung über Berufung steht aus

Beim FC Bayern hofft man weiter darauf, dass Hernández und seine Anwälte die drohende Haftstrafe abwenden können und die Suche nach einer Notlösung im Winter damit obsolet wird. Ein Gerichtssprecher erklärte, dass nun die Entscheidung des Madrider Oberlandesgerichts zu abgewartet werden müsse, ob der Berufung stattgegeben wird.
Allerdings: Sollte diese Entscheidung am 28. Oktober um Mitternacht noch immer nicht vorliegen, werde Hernández die Haftstrafe in einem spanischen Gefängnis seiner Wahl antreten müssen.
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