FC Bayern - Julian Nagelsmann von Maulwurf genervt: "Nicht der gesündeste Teil des Business"
Der mysteriöse Maulwurf, der schon zu Zeiten des berüchtigten FC Hollywood sein Unwesen getrieben hatte, ist zurück an der Säbener Straße. Vereins-Interna werden durchgestochen, private Belange der Spieler zutage gefördert, es wird mal wieder Unruhe geschürt. Trainer Julian Nagelsmann wird also bereits früh mit einer alten Tradition bekanntgemacht – und ist davon merklich genervt.
Bayern-Trainer Julian Nagelsmann
Fotocredit: Imago
Vor einem Monat traf es Julian Nagelsmann. Der Trainer des FC Bayern hatte sich mit dem Coronavirus infiziert und musste sich dementsprechend in häusliche Isolation begeben. Ein Rückschlag für den Fahrrad- und Longboard-Aficionado. Nur auf der Couch liegen könne er nicht, das sei auch mit Blick auf eine mögliche Thrombose nicht gesund, teilte er damals in einer virtuellen Pressekonferenz mit.
Herumlaufen im Garten sollte Abwechslung in den tristen Quarantäne-Alltag bringen und einem Lagerkoller vorbeugen. Nagelsmann kündigte an: "Ich werde ein bisschen spazierengehen im Garten und gucken, was die Maulwürfe so machen." Ob die niedlichen Quälgeister den Nagelsmann’schen Rasen in eine Hügellandschaft verwandelten, ist nicht überliefert, Ärger mit Maulwürfen hat der 34-Jährige aber nach wie vor - nur eben nicht im heimischen Garten, sondern an seinem Arbeitsplatz.
Die Meldung über Joshua Kimmichs Nicht-Impfung, die "Demaskierung" der anderen ungeimpften Bayern-Profis Serge Gnabry, Jamal Musiala, Eric Maxim Choupo-Moting und Michael Cuisance, die wie Kimmich bereits zum zweiten Mal in Quarantäne mussten, sowie eine von der "Bild-Zeitung" veröffentlichte Klubentscheidung, wonach besagte Akteure während ihrer Quarantäne fortan auf Teile ihres Gehalts verzichten müssen.
Vereinsinterna, teilweise sogar private Angelegenheiten, dringen seit Wochen an die Öffentlichkeit. Nagelsmann, Bayern-Fan seit Kindheitstagen, weiß natürlich um die Maulwurf-Tradition und FC-Hollywood-Attitüde, hinnehmen möchte er sie aber nicht.
Nagelsmann verärgert über Interna-Verrat: "Nicht förderlich"
"Ich habe mehr Spaß, wenn es ruhig ist. Die Störgeräusche gehören beim FC Bayern ein Stück weit dazu, das gab es schon über Jahrzehnte", sagte der FCB-Coach auf der Pressekonferenz im Vorfeld des Champions-League-Spiels bei Dynamo Kiew (Dienstag, 18:45 Uhr im Liveticker).
Nagelsmann ergänzte: "Die Frage ist, inwieweit man das immer tolerieren muss und tolerieren soll. Natürlich finde ich es nicht glücklich, dass gewisse Interna, die auch intern bleiben sollten, ausgeplaudert werden - von wem auch immer. Das ist nicht förderlich."
Eine klare Kritik an den Gepflogenheiten, die bei seinem neuen Arbeitgeber im Gegensatz zu seinen vorherigen Stationen in Hoffenheim und Leipzig Usus sind. Zwar ließen die Informationen, die regelmäßig an die Presse gelangen, ihn "nicht aus allen Wolken fallen", aber es gehe dabei auch immer mal wieder um "private Dinge, die auf den Fußball projizieren." Insgesamt seien es einfach "zu viele Dinge, die nach außen getragen werden."
Auch wenn die Bayern darum bemüht sind, die Nebenkriegsschauplätze so klein wie möglich zu halten, immer wieder auf das rein Sportliche verweisen - die aktuelle Impfdebatte um Kimmich und Co. findet längst nicht mehr bloß am Rande des Spielfelds statt, sondern tangiert die Leistungsfähigkeit der Mannschaft.
Mindestens acht Spieler fehlen in Kiew
Sieben Spieler fallen derzeit wegen Corona-Erkrankung oder -Quarantäne aus, in Kiew wird auch Dayot Upamecano aufgrund einer Gelbsperre fehlen, zudem steht hinter den Einsätzen von Kingsley Coman und Marcel Sabitzer jeweils ein Fragezeichen.
Dies mag hinsichtlich des Duells in der ukrainischen Hauptstadt nicht unbedingt schwer wiegen, immerhin sind die Bayern schon fürs Achtelfinale der Königsklasse qualifiziert. In den kommenden Wochen stehen aber richtungsweisende Partien an, zum Beispiel, wenn es am 4. Dezember gegen Bundesliga-Verfolger Borussia Dortmund geht.
Die Quarantäne-Angst und die damit verbundenen Leaks wie das besagte Gehaltseinfrieren spielen an der Säbener Straße immer mit und können auf Dauer selbstredend zu Unruhe innerhalb des Teams führen.
Dass seine Mannschaft unter dem ständigen Trubel rund um die Geschäftsstelle zerbricht, glaubt Nagelsmann zwar nicht, vielmehr hofft er, dass seine Schützlinge an der "Situation wachsen und füreinander da sind", egal, wie unterschiedlich die Meinungen innerhalb der Gruppe auch sein mögen.
"Wäre schöner, wenn es ein bisschen verschlossener wäre"
Dennoch äußerte er bezüglich des Maulwurfs auch einen klaren Appell: "Die Frage ist, ob man sagt, dass es schon immer so war und wir einfach so weitermachen oder ob man versucht, der Sache Herr zu werden", so Nagelsmann, der ausführte: "Es wäre schöner, wenn es ein bisschen verschlossener wäre. Es ist zwar Teil des Business, aber sicherlich nicht der gesündeste Teil des Business."
Dass in naher Zukunft Ruhe in München einkehren wird und Nagelsmann sich wieder den echten Maulwürfen im Garten widmen kann, ist unwahrscheinlich. Am Montag machten Gerüchte die Runde, dass die Bayern-Verantwortlichen darüber nachdenken, die ungeimpften Spieler in einer eigenen Trainingsgruppe zu separieren. Das nächste Kapitel des Chaos-Tagebuchs wird offenbar schon geschrieben.
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"Nicht glücklich": Nagelsmann verägert über Bayern-Maulwurf
Quelle: Perform
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