FC Bayern – Julian Nagelsmanns Vertrauensbeweis: Warum Niklas Süle für den FCB wieder wichtig ist
Um Niklas Süle rankten sich unlängst einige Transfergerüchte. Nun stellte Julian Nagelsmann klar: Der Innenverteidiger wird den Verein auf keinen Fall verlassen, Süle genießt unter dem neuen Coach offensichtlich enorme Wertschätzung. Ein wichtiges Signal für den Defensivspezialisten, der nach einem schwierigen Jahr mehr und mehr in die Spur zurückfindet - und plötzlich wieder wichtig ist.
Niklas Süle bleibt dem FC Bayern erhalten
Fotocredit: Imago
Obwohl bereits feststand, dass David Alaba und Jérôme Boateng, das unter Trainer Hansi Flick gesetzte Innenverteidiger-Tandem, dem FC Bayern München den Rücken kehren würde, rankten sich Gerüchte um einen möglichen Weggang Niklas Süles.
Ausgerechnet derjenige, der auf den ersten Blick am meisten vom Abschied seiner Konkurrenten profitieren würde, galt als Verkaufskandidat. Der Grund: Die Gespräche um eine mögliche Verlängerung des bis 2022 datierten Vertrages verliefen schleppend, der deutsche Rekordmeister schien einen ablösefreien Transfer im kommenden Jahr tunlichst vermeiden zu wollen. Entweder verlängern oder eben verkaufen, lautete die angebliche Marschroute, die medial die Runde machte.
Als möglicher Abnehmer wurde immer wieder der FC Chelsea gehandelt, tatsächlich fühlten die Blues zu Beginn des Jahres nach Eurosport-Informationen vorsichtig beim 25-Jährigen vor, konkret ausgelotet wurde ein Transfer jedoch nicht.
Süles verzwickte Vertragssituation war dabei selbstredend nicht der einzige Grund für die Abgangs-Spekulationen. Die vergangene Saison verlief für den Nationalspieler sehr mäßig. Zwischenzeitlich setzte Süle eine Corona-Infektion außer Gefecht, in der Folge hatte er immer wieder mit kleineren Verletzungen zu kämpfen – im April warf ihn zudem ein Muskelfaserriss zurück.
Rummenigge mit Kritik, Süle wehrt sich
Wenn Süle fit war, wurde ihm nur allzu häufig ein Platz auf der Bank zugeteilt, in der Bundesliga kam der ehemalige Hoffenheimer auf lediglich 20 Einsätze – und wurde für seine Darbietungen teilweise mit Kritik konfrontiert. Karl-Heinz Rummenigge, damals noch als Vorstandschef in Amt und Würden, warf Süle beispielsweise vor, beim 1:2 in Frankfurt im Vorfeld eines Gegentores fehlerhaft verteidigt zu haben. Aussagen, die der FCB-Defensivmann nicht auf sich sitzen lassen wollte.
"Manche Tore muss ich mir auch nicht ankreiden lassen – als Sündenbock dafür, dass wir da verlieren", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Er ergänzte: "Ich sehe es in diesem speziellen Fall einfach anders. Für so ein Tor angemahnt zu werden, egal von wem, das stört mich einfach." Monate zuvor meldete die "Bild-Zeitung", dass die Verantwortlichen mit Süles Fitnesszustand nicht zufrieden seien, er habe seinerzeit zu viele Kilo auf die Waage gebracht. Berichte, die ihm eigenen Angaben zufolge "scheißegal" waren.
Aus der Welt geräumt wurde die Fitness- und Übergewicht-Debatte vonseiten des Klubs damals nicht. Ebenso wenig wie ein Abgangs-Szenario. Bis zum Freitagnachmittag.
Nagelsmann schließt Süle-Weggang aus
Neu-Trainer Nagelsmann stellte auf einer Pressekonferenz klar, dass Süle den Verein in diesem Sommer keinesfalls verlassen werde. Auf die Zukunft seines Spielers angesprochen, sagte der 34-Jährige: "Ein Abgang ist ausgeschlossen, er hat eine sehr gute Entwicklung genommen." Es scheint, als habe Süle sich die Forderungen des Trainers, den er bereits aus Jugendtagen bei der TSG Hoffenheim kennt, zu Herzen genommen.
Nagelsmann hatte kurz nach seiner Ankunft hinsichtlich Süle deutlich gemacht: "Wenn er die Einsicht hat, an seinen Baustellen zu arbeiten und dazu jetzt noch einen Trainer bekommt, der ihn seit der U16 kennt, bin ich zuversichtlich, dass er seine PS wieder auf die Straße bringt."
In beiden Bundesliga-Partien der noch frischen Spielzeit sowie im prestigeträchtigen Supercup gegen Borussia Dortmund stand der Hüne über die volle Disanz auf dem Platz und wusste mit teils ansprechenden Leistungen neben Neuzugang Dayot Upamecano zu gefallen.
Beim 1:1 in Mönchengladbach zum Liga-Auftakt verbuchte er nach Leon Goretzka (80 Prozent) mit 72 Prozent gewonnener Duelle die zweitbeste Zweikampf-Quote und zudem die meisten Balleroberungen (8).
Alleine im Duell mit dem BVB brachte er es auf den Spitzenwert von vier klärenden Aktionen und hatte mit seiner Präsenz erheblichen Anteil daran, dass Superstar Erling Haaland nicht zur Entfaltung kam. Eine Darbietung, die bei Nagelsmann bleibenden Eindruck hinterließ. "Das Dortmund-Spiel ist der Maßstab", sagte er mit einem Augenzwinkern. Süle tut das Vertrauen seines einstigen Förderers aus Hoffenheim-Zeiten merklich gut.
Dreierkette mit Upamecano, Süle und Hernández denkbar?
Er hat seine Chance bislang genutzt, die – das gehört zur Wahrheit dazu – sich auch offenbarte, weil Lucas Hernández den Saisonstart aufgrund eines Meniskuseinrisses verpasste. Es dürfte interessant werden, sobald der Franzose, der mittlerweile wieder ins Teamtraining eingestiegen ist, aber für das kommende Aufeinandertreffen mit Hertha BSC noch noch nicht infrage kommt, wieder vollumfänglich einsetzbar ist.
Grundsätzlich müssen sich der Weltmeister von 2018 und Süle gar nicht ausschließen. Nagelsmann gilt als Verfechter der Dreierkette, dementsprechend wäre auch ein Aufstellungsmodell mit Upamecano, Süle und Hernández denkbar. Gegen den 1. FC Köln stellte Nagelsmann jüngst auf drei zentrale Verteidiger um, musste sich allerdings bereits in der Halbzeit wieder korrigieren.
Egal, wie aber das künftige System aussieht: Süle wird ein fester Bestandteil der Bayern-Mannschaft bleiben. Zumindest, wenn die von Nagelsmann angesprochene Entwicklung weiterhin "sehr gut" bleibt.
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Quelle: Perform
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