FC Bayern München: So will Julian Nagelsmann die Kimmich-Lücke gegen Borussia Dortmund schließen

Der FC Bayern München muss am Samstagabend im Bundesliga-Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund definitiv auf Joshua Kimmich verzichten. Die nackten Zahlen belegen, wie schwer der Corona-Ausfall des Mittelfeld-Strategen wiegt. Trainer Julian Nagelsmann muss sich also etwas einfallen lassen. Zwei Alternativ-Pläne sind für das richtungsweisende Duell mit den Schwarz-Gelben denkbar.

Joshua Kimmich fällt aufgrund einer Corona-Infektion aus

Fotocredit: Getty Images

"Mit Josh sind wir besser als ohne. Das steht außer Frage", sagte Julian Nagelsmann nach dem 1:0-Erfolg des FC Bayern über Arminia Bielefeld am vergangenen Wochenende im "ZDF Sportstudio". Seit Anfang November befindet sich der Mittelfeldstar quasi in Dauer-Quarantäne – zunächst noch als nicht-geimpfte Kontaktperson, später aufgrund einer eigenen Corona-Infizierung.
Wie viel besser die Münchner mit dem 26-Jährigen sind, spiegelt sich auch in den Zahlen wider. "Sport1" machte jüngst in Zusammenarbeit mit dem Datendienstleiter "deltatre" einen Faktencheck, arbeitete heraus, inwiefern sich Kimmichs Fehlen auf den Erfolg des deutschen Rekordmeisters auswirkt.
Demnach habe Bayern in den vergangenen acht Bundesligaspielen ohne Kimmich lediglich die Hälfte der Partien für sich entschieden, während 27 der letzten 35 Spiele erfolgreich gestaltet wurden, wenn Kimmich auf dem Platz stand (Siegquote von 77 Prozent).
Zudem verbuche Kimmich die meisten durchschnittlichen Ballaktionen aller Bundesligaspieler (101) sowie die meisten gelaufenen Kilometer aufseiten des FCB (133,8 Kilometer).

Kimmich ein echter BVB-Spezialist

Dass mit Kimmich ein echter BVB-Spezialist im richtungsweisenden Duell mit Borussia Dortmund am Samstagabend (18:30 Uhr im Liveticker) fehlt, wiegt schwer. 19 Mal kam Kimmich im Bayern-Dress gegen die Schwarz-Gelben zum Einsatz, 15 Mal ging Bayern als Sieger vom Platz.
In der Saison 2019/20 legte er am 28. Spieltag mit seinem sehenswerten Lupfer-Tor in Dortmund den Grundstein für die Münchner Meisterschaft, den anschließenden Supercup im August entschied er kurz vor Schluss ebenso (3:2, 82. Minute).
Wie ersetzt Nagelsmann den Unersetzlichen? Da in Marcel Sabitzer eine Alternative ebenfalls passen muss (Wadenverletzung) und Marc Roca die Rolle des Kimmich-Vertreters nicht zugetraut wird, bleiben dem Coach nur zwei realistische Optionen.

Kimmich-Vetreter: Tolisso als naheliegende Option

Die naheliegendste und konventionelle Alternative neben Leon Goretza wäre Corentin Tolisso. Der Franzose durfte sich bereits gegen Bielefeld beweisen, spielte erstmals in dieser Spielzeit über die volle Distanz. Am Ende standen 58 Prozent gewonnener Zweikämpfe sowie 115 Ballaktionen zu Buche, darüber hinaus setzte er die meisten erfolgreichen Tacklings aufseiten der Bayern (3).
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Bayerns Trainerteam um Julian Nagelsmann und Corentin Tolisso (v.)

Fotocredit: Imago

Ein mindestens ordentlicher Auftritt. "Im Einzelspielerbereich haben es Benjamin Pavard und Coco Tolisso heute gut gemacht", lobte Nagelsmann die beiden Weltmeister von 2018 nach der Partie. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus zeigte sich im Vorfeld des Bundesliga-Spitzenspiels nicht allzu angetan vom Tandem Tolisso-Goretzka.
Im Rahmen eines Pressetermins in Unterföhring erklärte Matthäus laut "Sportbuzzer": "Das Mittelfeld des FC Bayern funktioniert zurzeit nicht ohne Kimmich, das hat man zuletzt gesehen, als Leon Goretzka mit Corentin Tolisso gespielt hat."

Matthäus: Dann hat Dortmund "einen riesigen Vorteil"

Matthäus schob nach: "Wenn nun der angeschlagene Goretzka auch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte ist oder gar ausfallen sollte, hat Dortmund einen riesigen Vorteil. Für Bayern wäre das ein Schlag, denn im Zentrum spielt die Musik. Und die Alternativen mit Tolisso und Musiala wären nicht eingespielt."
Zum Hintergrund: Goretzka hatte am Mittwoch aufgrund von Hüftproblemen pausiert, tags darauf meldete sich der gebürtige Bochumer wieder zurück und nahm am Mannschaftstraining teil, ehe er eine halbe Stunde vor Ende der Einheit nach "Bild"-Informationen in die Kabine ging. Ob es sich dabei um eine Vorsichtsmaßnahme handelte oder tatsächlich ein Ausfall droht, ist derzeit offen.
Der von Matthäus angesprochene Musiala wäre aber auch eine Option, sollte Goretzka gegen Dortmund mitwirken können.

Musiala als mögliche Alternative?

Ähnlich wie Tolisso erhielt auch der Youngster nach dem Sieg über Bielefeld ein Extralob von Nagelsmann. Musiala habe nach seiner Einwechslung für Goretzka (56.) eine "gute Leistung" an den Tag gelegt. "Ich traue ihm das grundsätzlich zu", hatte Nagelsmann zuletzt noch geantwortet, als er gefragt wurde, ob er sich den 18-Jährigen auch als Sechser vorstellen könne.
Es ärgere ihn jedoch, dass er noch nicht die Möglichkeit hatte, Musiala im defensiven Mittelfeld zu testen. Entsprechend überraschend wäre die Entscheidung, gegen Dortmund auf das Top-Talent zu setzen.
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Julian Nagelsmann (l.) mit Jamal Musiala

Fotocredit: Imago

Musiala anstelle Tolissos würde eine deutlich offensivere Ausrichtung der Bayern zur Folge haben, normalerweise ist Musiala auf der Zehn oder auf der Außenbahn beheimatet, wo er sich in Thomas Müller, Serge Gnabry, Kingsley Coman und Leroy Sané mit qualitativ hochwertiger Konkurrenz konfrontiert sieht.

Musiala: Konkurrenz lässt derzeit wenig Spielzeit zu

Die Schwierigkeit, sich gegen derlei namhafte Profis durchzusetzen, wird auch in den Einsatzzahlen Musialas deutlich. 18 Mal kam er in der laufenden Saison wettbewerbsübergreifend zum Einsatz, dabei stehen 14 Einwechslungen vier Spielen von Beginn an gegenüber.
Tolisso als konservative Lösung oder Musiala als progressiver Überrumplungsversuch – derjenige, der Kimmich ersetzt, muss eine Lücke füllen, die kaum zu füllen ist.
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Quelle: Perform

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