Bei seiner Videoschalte aus London sah sich Hansi Flick erst doppelt und wurde dann von einem Feueralarm gestört.
Doch seine Botschaften brachte der Bundestrainer kristallklar herüber: Das Impfproblem um Joshua Kimmich und weitere Nationalspieler werde sich bald lösen - da wusste Flick freilich noch nichts vom positiven Test des Bayern-Profis.
Mit hörbarer Erleichterung hatte Flick am Mittwochnachmittag noch die Erwartung verkündet, dass Kimmich seinen landesweit heftig diskutierten Widerstand gegen eine Corona-Impfung mit einem mRNA-Vakzin aufgeben wird.
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"Ich denke, dass es bei Jo in die Richtung geht, dass er sich impfen lässt", sagte Flick: "Ich kann jetzt auf Zeit spielen. Bis zum nächsten Länderspiel im März wird sich vieles verändert haben."

Flick: "Falsch, Kimmich an den Pranger zu stellen"

Wenige Stunden später wurde dann Kimmichs positiver Test bekannt.
Als ungeimpfte Kontaktperson eines Corona-Infizierten hatte sich Kimmich zuletzt ohnehin in Quarantäne befunden. "Dem Mittelfeldspieler des FC Bayern geht es gut", schrieben die Münchner in einer Mitteilung über den 26 Jahre alten Nationalspieler.
Er habe mit Kimmich gesprochen, hatte Bundestrainer Flick, der in England eine Reihe von Premier-League- und Champions-League-Spielen besucht, noch kurz zuvor verraten. "Es war ein sehr gutes Gespräch, eine Tendenz habe ich gesehen. Ihn beschäftigt das sehr."

Flick bestätigt Booster-Impfung für genesenen Gnabry

Es sei falsch, Kimmich "an den Pranger zu stellen" - dies lenke davon ab, dass in Deutschland "vieles besser laufen müsste".
Medienberichten zufolge haben Kimmichs Vereins- und DFB-Kollegen Serge Gnabry, der nach einer Corona-Infektion genesen war, und Jamal Musiala inzwischen Impfungen erhalten.
Für Gnabry bestätigte Flick dies: "Serge hat eine Boosterimpfung bekommen." Diese würde nach der überstandenen Erkrankung ausreichen, bei Kimmich dürfte der Fall künftig ähnlich liegen. Musiala soll den vollen Impfschutz in der Winterpause aufbauen.

Flick sieht Deutschland nicht als Benchmark

Den Bundestrainer treiben vor dem Übergang ins WM-Jahr 2022 auch die sportlichen Themen um. "Wir sind aktuell keine Benchmark", sagte er in aller Deutlichkeit: "Wir wollen das Projekt Zukunft vorantreiben und mit aller Macht diesen Weg gehen. Jetzt ist es an der Zeit."
Abgesprochen hatte Flick dies mit Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff, der den Bundestrainer aus Frankfurt begrüßte. Auf dem "langen Weg" zurück an die Weltspitze sind die Etappenziele klar definiert. "Wir haben den Anspruch, bei jedem Männer- oder Frauen-Turnier unter die letzten Vier zu kommen. Alle zehn Jahre wollen wir einen Titel gewinnen, da nehmen wir auch die U21 mit rein", sagte Bierhoff.
Flick, nach der langen Ära Joachim Löw erfolgversprechend ins Amt gestartet, habe den 2018/19 ausgegebenen Zielsatz "Zurück an die Weltspitze" übernommen und spreche selbst von "Back on top". Das heiße "nicht banal, Weltmeister zu werden", schränkte Bierhoff ein, auch "weltmeisterwürdig" sei ein guter Begriff.

Nations League als Testphase

"In der Identifikation der Fans, bei Begeisterung und Einschaltquoten wollen wir ebenfalls an die Weltspitze. Wir wollen auch, dass unsere Spieler Vorbilder sind und sozial tätig werden", sagte Bierhoff. Dies wird angesichts des umstrittenen WM-Gastgebers Katar genauestens beobachtet werden.
Bierhoff warb beim Zusammenspiel vieler Faktoren um Geduld. "Wir warten nicht auf einen großen Knall, sondern haben einen Prozess gestartet", sagte er. Die Nations League werde 2022 eine erste Testphase sein "und ein Hinweis, wohin es geht".
Der Bundestrainer will bis dahin keine One-Man-Show bieten, er geht den Weg über die Vereine und deren Trainer. "Gemeinsam ist es immer am besten und einfachsten. Es gibt viele Dinge, die andere Nationen schon hinter sich haben", sagte er. In Sachen Strategie und Taktik sei die Mannschaft "auf einem guten Weg", der aber noch weit sei.
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