Hertha BSC - Felix Magaths alte Schule für die Alte Dame: Erst Disziplin, dann Fußballspielen

Felix Magath wurde am Montagmittag als neuer Hertha-Trainer vorgestellt. Auf seiner Antritts-Pressekonferenz machte der 68-Jährige, der sich aufgrund seiner Methoden einen Namen als "Schleifer" und "Quälix" gemacht hat, klar, dass er die Berliner mit den klassischen Grundtugenden in der Liga halten will. Fußballerische Ansätze gab er nicht preis. Kann das gutgehen?

Magaths Ziel mit Hertha: "Mindestens zwei Plätze höher"

Quelle: Perform

Ehe er seine ersten Worte als Trainer von Hertha BSC sprach, goss Felix Magath sich bedeutungsschwanger ein Glas Wasser ein. Es gehe nicht um ihn oder Sportvorstand Fredi Bobic, sondern einzig und allein um den Verein. Der ganze Fokus von Spielern, Fans und auch der Stadt Berlin müsse darauf liegen, alles dafür zu tun, um die Hertha in der Bundesliga zu halten.
Der erste Hebel sei, alle Betroffenen für die missliche Lage zu sensibilisieren. Die Berliner rangieren nach dem 0:2 am vergangenen Samstag in Gladbach, das zum Aus von Trainer Tayfun Korkut gesorgt hat, auf Rang 17, die Abstiegsnot ist akut. Er habe schon häufig den viel zitierten "Feuerwehrmann" gespielt, stellte Magath klar. Die Aufgabe sei auf ihn zugeschnitten.
Dass Magath gewisse Qualitäten als Retter hat, ist unbestritten. Vor exakt elf Jahren fand er beim VfL Wolfsburg eine ganz ähnliche Situation vor: Die Wölfe waren acht Spieltage vor Schluss Vorletzter, am Ende führte Magath das Team dank eines starken Schlussspurts (drei Siege, drei Remis, zwei Niederlagen) noch ans rettende Ufer.
Hier liegt jedoch auch die Krux: Elf Jahre sind eine lange Zeit, im Fußball erst recht. Der Sport hat sich in der vergangenen Dekade erheblich weiterentwickelt, jüngere, häufig als Laptop-Trainer verschriene Übungsleiter à la Thomas Tuchel, Julian Nagelsmann oder Domenico Tedesco, die einen beinahe wissenschaftlichen Blick auf den Fußball richten, haben sich längst etabliert. Abkippende Sechser, Schienenspieler, asymetrischer Aufbau haben mittlerweile Einzug in den Sprachgebrauch erhalten.

Spielideen? Magath setzt auf andere Tugenden

Als Magath zwischen Mitte und Ende der Nullerjahre seine titelträchtigste Zeit mit drei deutschen Meisterschaften und zwei Pokalsiegen feierte, spielten derlei Begrifflichkeiten noch keine Rolle. Allein deshalb wirkt die Hertha-Verpflichtung aus der Zeit gefallen.
Magath, der sich aufgrund seiner harten Trainingsmethoden den liebevollen Beinamen "Quälix" verdiente, machte sich keine Mühe, die anwesenden Journalisten mit neumodischen Spielsystemen zu behelligen, sondern stellte schnell klar, in welchen Bereichen er vornehmlich ansetzen möchte: Körperliche Fitness und Disziplin, die ältesten Tugenden überhaupt.
Dementsprechend wolle er sich nach der PK das Gelände anschauen. Einen Hang oder eine Treppe werde es wohl schon geben, auf die er seine Spieler künftig heraufscheuchen könne. "Ich habe immer dazu gestanden, dass körperliche Fitness die Voraussetzung für Erfolg ist", sagte Magath. Auch bezüglich seiner Affinität zu größtmöglicher Disziplin gab er Auskunft: "Ich kann doch nicht ändern, dass Disziplin zum Sport dazugehört", so Magath.

Magath: Disziplin? "Hab ich doch nicht erfunden"

Das Trainer-Urgestein weiter: "Das hab ich doch nicht erfunden. Gerade wenn man einen Mannschaftssport betreibt, muss man auf den Mitspieler Rücksicht nehmen. Ich fordere von den Spielern Disziplin. Aber nicht, um mich zu befriedigen. Ich empfinde da kein Glücksgefühl, die Spieler müssen begreifen, dass es dazugehört." Wer diszipliniert mitarbeite, habe bei ihm "gute Karten." Alte Schule für die Alte Dame.
Sicherlich kommen Fußballer – bei aller Weiterentwicklung – nicht ohne besagte Eigenschaften aus, anders als früher bilden Physis und Disziplin aber eher die Rahmenbedingung für den Erfolg und sind nicht mehr der essentiellste Teil des Ganzen. Mit durchschnittlich 116,02 abgespulten Kilometern pro Spiel liegen die Berliner in der Bundesliga auf Platz neun.
Die Hertha der vergangenen Jahre machte eher den Eindruck, als hapere es vor allem an der spielerischen Klasse. Dass mit Magath nun der siebte Trainer in 29 Monaten übernimmt, dürfte Bände sprechen.

Autorität statt Wissenschaft: Herthas letzter Versuch

Bobics Entscheidung, Magath ins Boot zu holen, hat Symbolcharakter. Da weder junge Übungsleiter wie Ante Coric, Pal Dardai oder Korkut als auch der exzentrische Jürgen Klinsmann den Verein nachhaltig stabilisieren konnten, wird nun die letzte, die Schleifer-Karte gezogen. Nach dem klassischen Motto: Wer nicht hören will, muss eben fühlen. Das werden die Hertha-Profis nun. Erfolg durch Autorität - der letzte, verzweifelte Rettungsversuch.
"Ich habe immer polarisiert. Die einen haben gesagt: 'Der ist klasse. Die anderen haben gesagt: Was willst du mit diesem Trainer? Den kann man nicht gebrauchen.'", sagte Magath und ergänzte: "Ich werde alles daransetzen, dass diejenigen richtig liegen, dass ich der richtige Mann für die Position bin. Diejenigen, die das nicht glauben, sollen erstmal einen eigenen Vorschlag machen, wer in der Lage sein soll, diese schwierige Aufgabe zu lösen. Ich bitte gerne um Wortmeldungen."
Es gab natürlich keine. Wer mag dem Schleifer schon widersprechen?
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