"Als Freund ist das eine absolut akzeptable Entscheidung, das soll jeder für sich selbst entscheiden", sagte Thomas Müller am Samstagabend bei "Sky": "Als Teamkollege und natürlich auch, wenn man ein bisschen auf das schaut, was für alle drumherum besser wäre, ist zumindest die wissenschaftliche und auch meine persönliche Meinung, dass das Impfen besser wäre."
Genauso müsse man "aber irgendwo auch versuchen, das zu respektieren". Einem Bericht der "Bild" zufolge ist Kimmich einer von fünf ungeimpften Profis beim FC Bayern.
Müller weiter: "Das ist ein schmaler Grat, auch eine ethische, eine moralische Diskussion. Ich bin Impf-Freund und hoffe, dass sich die Spieler, die noch nicht geimpft sind, es sich anders überlegen oder ein Herz fassen. Aber wenn sie das nicht machen, ist es auf menschlicher Ebene absolut nachvollziehbar."
Bundesliga
Ungeimpft: Kimmich erklärt sich
23/10/2021 AM 16:34

Neuer und Toppmöller geimpft

Kapitän Manuel Neuer sieht es ähnlich. Es sei "natürlich Privatsache", stellte der Bayern-Kapitän grundsätzlich fest. Er selbst habe sich allerdings impfen lassen weil er glaubt, "dass es für uns alle auch unabdingbar ist, dass wir hier heute so viele Zuschauer (60.000, Anm. d. Red.) in der Arena gehabt haben".
Auf die Frage, ob er Kimmich von der Impfung überzeugen wolle, antwortete Neuer ausweichend: "Wir haben Mediziner und Ärzte, denen vertrauen wir natürlich. Die leisten ihre Arbeit dafür."
Co-Trainer Dino Toppmöller, der derzeit den an Corona erkrankten Cheftrainer Julian Nagelsmann ersetzt, meinte derweil: "Ich habe mich impfen lassen. Ich bin der Überzeugung, dass es besser ist, das zu tun. Aber am Ende des Tages ist es eine Entscheidung von Joshua, die respektiere ich auch und das sollten wir alle tun."

Kimmich äußert Bedenken

Sport-Vorstand Hasan Salihamidzic hatte derweil schon vor dem Spiel bei "Sky" gesagt: "Der FC Bayern empfiehlt, sich impfen zu lassen. Aber in Deutschland haben wir keine Impfpflicht. Jeder Angestellte des FC Bayern kann das wie jeder Angestellte eines anderen Unternehmens selber entscheiden."
Kimmich hatte am Abend "ein paar Bedenken, was fehlende Langzeitstudien angeht" als Grund für seinen bisherigen Impfverzicht angegeben. Er halte sich "natürlich an alle Hygiene-Maßnahmen". Alle ungeimpften Spieler werden beim FC Bayern "alle zwei, drei Tage getestet", sagte Kimmich.
Der Bayern-Star stellte klar, dass für ihn jeder Mensch die Entscheidung für sich selbst treffen müsse, ob er geimpft werden will oder nicht.

Kimmich "kein Corona-Leugner oder Impfgegner"

"Ich bin nicht geimpft. Das heißt aber nicht, dass ich Corona-Leugner noch Impfgegner bin. Das finde ich schade an der Diskussion. Nicht Geimpfte sind schnell Corona-Leugner oder Impfgegner. Man sollte respektieren, wenn sich Menschen nicht impfen lassen, weil sie Bedenken haben. Vor allem dann, wenn sich diese Menschen an die Maßnahmen halten", erklärte Kimmich.
Dass der FC Bayern derzeit für die Tests seiner Spieler bezahle, nehme er dankbar an; er würde die Tests selbstverständlich aber auch selbst bezahlen, fügte der 26-Jährige an.
Kimmich will eine Impfung gegen Corona für sich grundsätzlich auch nicht ausschließen: "Ich habe noch ein paar Bedenken, aber es ist sehr gut möglich, dass ich mich in Zukunft impfen lasse." Das könne auch schon in naher Zukunft sein.

Glaubwürdigkeit des Fußballs auf dem Spiel?

Die "2G"-Regelung in manchen Bundesligastadien, die nicht Geimpften oder Genesenen den Zutritt verwehrt, kann Kimmich nachvollziehen, hat aber auch kein schlechtes Gewissen, ungeimpft auf dem Platz zu stehen. "Ich weiß nicht, wie es bei anderen Menschen ist, die ins Büro gehen. Hier sind wir auch noch an der frischen Luft, da sagt man auch, dass die Gefahr nicht so groß ist, dass man sich ansteckt", sagte er.
Genau in diesem Punkt sieht "Sky"-Experte Didi Hamann allerdings eine Gefahr für die "Glaubwürdigkeit des Fußballs".
"Es ist natürlich schwer den Leuten zu vermitteln, dass der ungeimpfte Fan mit der Dauerkarte seit 30 Jahren nicht ins Stadion darf und auf der anderen Seite haben wir Spieler auf dem Platz, die nicht geimpft sind", sagte der Ex-Nationalspieler und stellte die Frage: "Wie kannst du den Fans verkaufen, dass sie ungeimpft nicht ins Stadion gehen dürfen und theoretisch hast du auf dem Platz zehn, zwölf, fünfzehn ungeimpfte Spieler?"

Matthäus hat Verständnis

Generell müsse man Kimmichs Haltung allerdings "respektieren und akzeptieren". In der Impffrage sei auch gewiss "nicht alles schwarz oder weiß. Es ist heute so, dass Leute, die sich nicht oder noch nicht impfen lassen, in eine Ecke gestellt werden, wo sie nicht hingehören. Er hat das sehr gut erklärt."
Eine Problematik sieht Hamann nun allerdings auch auf die Bundesliga-Klubs zukommen, weil die Vereine Bedenken haben könnten, "dass ein Ungeimpfter eine höhere Viruslast trägt und damit in der Lage wäre, eine größere Anzahl Mitspieler anzustecken als es ein Geimpfter wäre".
Verständnis für Kimmich äußerte derweil Lothar Matthäus. "Jeder muss es für sich selbst entscheiden", sagte der Rekordnationalspieler bei "Sky": "Wenn du vom Kopf nicht überzeugt bist, etwas zu machen: Warum musst du es machen? Warum sollst du es machen? Kimmich hat gesagt, sie werden kontrolliert und er hält sich an alle Regeln." Damit sei alles gesagt.
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