Oliver Kahn spricht offen über Burnout-Erfahrung als Spieler des FC Bayern: "War einfach erschöpft"
VonThomas Gaber
Publiziert 20/10/2021 um 18:12 GMT+2 Uhr
Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Oliver Kahn feierte als langjähriger Spieler und Kapitän des FC Bayern München und der deutschen Nationalmannschaft große Erfolge, musste dafür aber auch einen hohen Preis bezahlen. In der neuen "Amazon"-Dokumentation "FC Bayern - Behind the Legend" spricht Kahn offen über einen sehr komplizierten Lebensabschnitt Ende der 1990er Jahre.
Oliver Kahn litt nach eigenen Angaben als Spieler unter Burnout
Fotocredit: Getty Images
"Weiter, immer weiter" - dieses Motto trieb Oliver Kahn als Profifußballer stets an. Mit viel Fleiß und noch mehr Disziplin erreichte der heutige Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München eine Menge in seiner Karriere.
Von Gegnern und Mitspielern wurde der "Titan" gleichermaßen verehrt und gefürchtet. "Der Oli war im positiven Sinne besessen, vom Erfolg, von Arbeit", sagt Bayerns Sportvorstand Hasan Salihamidžić und langjähriger Profi-Kollege Kahns in der neuen TV-Doku von "Amazon" "FC Bayern - Behind the Legend".
Doch das Geschäft hat auch seine Schattenseiten - selbst für einen nach außen so unerschütterlich wirkenden Profi wie Oliver Kahn. Bemerkenswert offen spricht der in der Dokumentation nun über eine sehr dunkle Zeit.
"Depressionen, Burnout, das sind ja auch alles Dinge, die irgendwo zusammenspielen. Ende der 1990er Jahre war ich einfach erschöpft. Ich glaube, wenn man zu Hause die eigene Treppe nicht mehr hochkommt, ohne dass man oben erschöpft umfällt - dann fängt man an, sich Gedanken zu machen", erzählte Kahn.
Genau in dieser Zeit avancierte Kahn zum besten Torhüter der Welt. Seine Meilensteine: Champions-League-Finale 1999, Champions-League-Titel 2001, Vize-Weltmeister 2002. Dazu kamen unzählige nationale Titel mit dem FC Bayern.
Oliver Kahn: "Es ist eben auch nicht alles machbar"
Doch der Weg nach ganz oben war steinig. "Da sieht man auch mal, wo das einen hinbringen kann. Immer höher, immer weiter. Und noch weiter. Und noch mal einen draufsetzen. Immer noch nicht zufrieden sein", sagte Kahn.
Wenn man es irgendwann jedoch nicht mehr schaffe, "diese Regelmäßigkeit zwischen An- und Entspannung hinzubekommen, dann ist das auch ein Signal vom Körper: hier ist Schluss, hier kann ich nicht mehr. Es ist eben auch nicht alles machbar", so der heute 52-Jährige.
Bereits 2017 hatte Kahn erzählt, wie er die Episode überwand. Seine Familie habe dabei eine große Rolle gespielt; speziell sein Vater Rolf, einst selbst Fußball-Profi, sei ihm eine große Hilfe gewesen. Er habe damals gemerkt: "So kannst du nicht weiter agieren."
Mithilfe von Ärzten und seiner Familie habe er später den richtigen Mittelweg gefunden. Kahn 2017: "Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass das Streben nach Erfolg, wenn es dauerhaft exzessiv und zwanghaft betrieben wird, krankmachen kann."
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