So ganz verstanden fühlt sich Benjamin Pavard dieser Tage nicht.
"Meine Trainer wissen sehr gut, dass meine Position im Abwehrzentrum ist", hatte der französische Nationalspieler erst Anfang dieser Woche in einem Interview bei "Canal+" verlauten lassen und damit die anhaltende Kritik an seinen Auftritten als Rechtsverteidiger gewissermaßen rechtfertigen wollen.
Eine Aussage, die für einigen medialen Wirbel sorgte, denn sowohl beim FC Bayern als auch in der Équipe Tricolore wird der 25-Jährige vorwiegend als Rechtsverteidiger eingesetzt - und eben hin und wieder für seine zu defensive Interpretation dieser Position kritisiert.
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Nagelsmann, das klang auf der Pressekonferenz am Montag unmittelbar vor der Abreise des FC Bayern nach Lissabon durch, schien sich jedenfalls ein wenig an der Aussage seines Verteidigers gestört zu haben.
Es sei "grundsätzlich immer gut", wenn Spieler eine Meinung hätten und diese dürften sie "auch kundtun", startete der Trainer angesprochen auf Pavard: "Wichtig ist nur, dass man es auch an die richtige Adresse schickt. Das ist das alles Entscheidende."

Benjamin Pavard: In der Innenverteidigung kein Platz?

Ob Pavard vor der Öffentlichkeit auch seinen Trainer über seinen Wunsch auf Spielzeit in der Innenverteidigung informierte, ist nicht bekannt - und letztlich für Pavards Situation sicherlich auch nicht entscheidend.
Denn das eigentliche Problem, wenn man es denn so nennen mag, ist, dass in der Abwehrzentrale des FC Bayern derzeit kein Platz für den Franzosen ist. Niklas Süle, Lucas Hernández und Dayot Upamecano sind Nagelsmanns erste Wahl zur Bildung eines Innenverteidiger-Duos respektive einer Dreierkette - Pavard wird als Rechtsverteidiger gebraucht und dort, wie zuletzt, hin und wieder von Süle vertreten.

Bayern-Profis Hernández, Musiala, Süle (v.l.n.r.)

Fotocredit: Imago

"Wichtig ist, dass er spielt. Da ist es relativ egal auf welcher Position", sagt Nagelsmann auf die Situation des 25-Jährigen angesprochen und sieht aufgrund zuletzt "guter Trainingsleistungen" auch keinen Grund, warum er in naher Zukunft auf Pavard verzichten sollte.
Mehr oder weniger sprach er dem Franzosen gar eine Einsatzgarantie für das Auswärtsspiel in der Champions League bei Benfica (Mittwoch ab 21:00 Uhr im Liveticker) aus: "Ich bin sehr guter Dinge, dass er eine gute Leistung bringen wird, wenn er spielt - und davon gehe ich aus."

Pavard wehrt sich gegen Kritik an seiner Position

Doch ebensolche Leistungen sind den Kritikern im Fall Pavard oftmals nicht genug, vor allem die heimischen französischen Medien erwarten mehr Spektakel. Beobachter bemängeln, der Weltmeister von 2018 interpretiere seine Außenverteidigerrolle zu defensiv.
"Auf dem Papier ist ein Pavard vielleicht weniger sexy als ein Hakimi oder ein Alexander-Arnold", wehrte sich der Franzose bei "Canal+" und fügte an: "Aber ich denke, dass ich defensiv kompletter bin."

Benjamin Pavard im Gespräch mit Julian Nagelsmann

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Eine Ansage, der Pavard nun Taten folgen lassen muss, wenn er sein Image in seinem Heimatland verbessern will. In Deutschland werden zumindest wenige Journalisten widersprechen, wenn Pavard behauptet, defensiv kompletter zu sein als Achraf Hakimi oder Trent Alexander-Arnold, haben beide doch klar ihre Stärken im Offensivspiel.

FC Bayern: Pavard kann's auch offensiv

Dass auch der Münchner Qualitäten in der Offensive hat, konnte er in der Vergangenheit zudem schon unter Beweis stellen. In seiner Premierensaison beim Rekordmeister traf er in der Bundesliga vier Mal und legte fünf weitere Tore auf. Ein Jahr später jedoch blieb er in der Liga gänzlich ohne Torbeteiligung - das ist natürlich viel zu wenig.
Das Problem: In der laufenden Spielzeit konnte sich der Defensivallrounder noch nicht freispielen. Zu Saisonbeginn setzte ihn eine Sprunggelenksverletzung außer Gefecht, die vergangenen zwei Bundesligapartien verpasste er rotgesperrt, nachdem er beim Auswärtsspiel in Fürth nach einem harten Foul an Julian Green mit glatt Rot vom Platz flog.

Benjamin Pavard

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In Lissabon wird Pavard erneut hinten rechts zum Einsatz kommen. Ob in Zukunft auch Einsätze in der geliebten Abwehrzentrale hinzukommen, sei am Ende "immer ein bisschen abhängig davon, wie die restliche Struktur der Mannschaft ist", so Nagelsmann. Der Ansatz eines Bayern-Spielers müsse sowieso sein, auf mehreren Positionen einsetzbar zu sein.
Diese Qualität hat Pavard jedenfalls schon einmal. Jetzt gilt es, die Kritiker von selbiger zu überzeugen.
Und wo ginge das besser als auf der größtmöglichen Bühne, die der Vereinsfußball zu bieten hat?
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