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Der LIGAstheniker: Spannung und Leidenschaft pur - dieser Abstiegskampf ist die neue Meisterschaft
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Publiziert 04/04/2022 um 12:15 GMT+2 Uhr
Langeweile in der Liga? Einfach mal die Tabelle drehen: Der Abstiegskampf ist die neue Meisterschaft - spannend, leidenschaftlich, überraschend! Während an der Spitze der FC Bayern selbst mit einem Wechselfehler ungefährdet gen Titel zieht, ist im Bundesliga-Keller noch alles offen. Das Feuer, das die Teams dort haben, stünde dem BVB gut zu Gesicht. Ein Kommentar von Thilo Komma-Pöllath.
VfB Stuttgart - Arminia Bielefeld: Florian Krüger (r.) im Zweikampf
Fotocredit: Imago
Liebe FußballfreundInnen, der April ist immer die Crunchtime in den europäischen Fußballligen. Gut zwei Drittel der Saison sind gespielt, Meisterschaften, Qualifikations- und Abstiegsplätze werden jetzt verteilt, kein anderer Monat ist oft so interessant wie der April.
Die Bundesliga hat das in den letzten zehn Jahren kaum interessiert, der Meister stand immer schon fest, rechnerisch oder gefühlt, das ist in diesem Jahr nicht anders.
Vielleicht muss man den anfängerhaften Wechselfehler der Bayern in Freiburg ja als ironischen Sabotageakt werten, die Meisterschaftsfrage gegen ureigene Interessen noch ein wenig spannend zu halten, um ja nicht das Produkt insgesamt zu beschädigen. Der sportlich immer mal wieder dilettierende Tabellenzweite Borussia Dortmund ist dazu, wie im Heimspiel gegen Leipzig zu beobachten, nicht in der Lage.
Die Analyse wäre dann folgende: Die Bayern verletzen absichtlich das Regelwerk (auch weil sich niemand erklären kann, wie ihnen das wirklich passieren konnte), damit ihnen wenigstens am grünen Tisch Punkte abgezogen werden, damit die Liga bis in den Mai hinein noch nicht entschieden ist. Meister werden sie so oder so.
Diesen Abstiegskampf muss man sehen
Stellt man die Tabelle allerdings auf den Kopf, wird die Crunchtime dort ungemein vital ausgelebt: am Tabellenende. Durch die kommerzielle Verhackstückelung des Spieltags an diverse Rechteinhaber, kann man das gut beobachten. Dann werden - offenbar nicht unabsichtlich - nominell vermeintlich weniger attraktive Partien Samstagnachmittag im Paket zusammengeschnürt, die man erst widerwillig, dann staunend vergleichen kann. Wer schaut sich schon ein ganzes Spiel der Greuther Fürther an, wenn er nicht muss, könnte man fragen. Weit gefehlt!
Also rollt ein Eintracht-Angriff nach dem anderen auf das Tor von Andreas Linde zu und trotz rund 20 Schussgelegenheiten nimmt der Tabellenletzte noch einen Punkt mit. Nicht durch Zufall, sondern weil da weiterhin eine Mannschaft auf dem Feld steht, die ihre Mission erst nimmt.
Während man beim BVB sehen kann, dass er sich die Meisterschaft gar nicht zutraut, lässt der fighting spirit der Fürther eben nicht erkennen, dass sie quasi schon abgestiegen sind.
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Eintracht Frankfurt - Greuther Fürth
Fotocredit: Imago
Oder das sehenswerte Unentschieden der beiden Abstiegskandidaten Bielefeld und Stuttgart. Keine Stunde gespielt, Stuttgart führt 1:0, spielt sich Chance um Chance heraus, Marmoush, Kalajdzic, Tomas, aber statt drei oder vier zu null, steht es plötzlich 1:1, weil die Arminia eben auch wunderbar kombinieren kann - dank Schöpf, Serra, Krüger. Ein toller Schlagabtausch, wer ihn nicht gesehen hat, der hat was verpasst.
Spannung sehen? Tabelle drehen!
Warum ist es unten so spannend wie es oben schon lange nicht mehr war? Klar, oben geht es um ein paar Krönchen, unten um die blanke Existenz, das nötigt dem betroffenen Spieler, dem Klub einen gewissen Ernst, eine Robustheit ab. Insofern muss man für den BVB hoffen, dass er nie in Abstiegsnöte gerät, er wäre seiner labilen Verfasstheit wegen dafür völlig ungeeignet.
Warum also nicht die Robustesten von unten mit ganz viel Geld ganz nach oben hieven? Wie wäre es etwa mit dem VfL Bochum? Haben Sie Takuma Asanos ersten von zwei Treffern in Hoffenheim gesehen? Dieser Antritt, dieser Wille, dieser Knaller aus zwanzig Metern - irre gut!
Mitspieler Sebastian Polter meinte danach, ihr "Kniff" sei "Mentalität und Leidenschaft". Was da unten am Tabellenende an Mentalität und Leidenschaft derzeit zu sehen ist - letztes Beispiel: Die Augsburger Sonntagsdemontage des wohlstandsverwahrlosten VfL Wolfsburg - , da könnten die sich da oben mal einen Zacken aus dem Krönchen brechen.
Sechs Spieltage vor Schluss geht es nicht nur zwischen Hertha, Bielefeld, Stuttgart und Augsburg um Rettung oder Absturz, sondern auch die Wolfsburger sind nach ihrer Pleitenserie angesichts des Kampfgeistes der Konkurrenz in akuter Gefahr und auch in Gladbach und Bochum bleibt die (An)Spannung hoch.
Darum gilt, um mit einem kleinen Aphorismus des lieben Kollegen Tom Müller zu schließen: Willst du Spannung in der Liga sehen, musst du die Tabelle drehen!
In diesem Sinne, eine spannende Woche!
Zur Person Thilo Komma-Pöllath:
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog "Der LIGAstheniker" das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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Quelle: Perform
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