Urs Fischer rang noch nach Worten, da wurde der Trainer von Union Berlin auch schon von lautem Gebrüll unterbrochen. Völlig euphorisiert stürmten seine Spieler die Pressekonferenz und verpassten ihrem Erfolgs-Coach eine saftige Bierdusche.
Triefend, aber sichtlich glücklich fand der 56-Jährige dann doch noch ein paar Begriffe für das nächste internationale Abenteuer: "Wahnsinn, unglaublich, fantastisch, außergewöhnlich."
Tabellenplatz fünf, der Einzug in die Europa League - und das alles in der dritten Saison in der Fußball-Bundesliga. "Hätte mir das jemand gesagt, als ich damals in der 2. Liga unterschrieben habe, den hätte ich für verrückt erklärt", sagte Grischa Prömel nach dem 3:2 (2:0) gegen den VfL Bochum bei "Sky".
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Doch das Europacup-Märchen der Köpenicker geht weiter und nach der Qualifikation für die Conference League in der vergangenen Saison setzten sie dieses Mal noch einen drauf.

Union-Fans lassen Profis hochleben

Da musste sich selbst Oliver Ruhnert erst einmal die Augen reiben. "Man muss sich kneifen, um es zu glauben", gab Unions Sportchef zu: "Kein Experte hatte es auf dem Schirm, und ich muss auch ehrlich sagen, dass ich das auch nicht hatte."
Die Krönung einer ohnehin schon erfolgreichen Saison wurde dann auch feuchtfröhlich gefeiert. Im Stadion hüpfte die Mannschaft ausgelassen vor der prall gefüllten Waldseite auf und ab, den vorherigen Platzsturm einiger Fans hatten die Ordnungskräfte schnell unter Kontrolle gebracht.
Die rot-weiße Party ging anschließend auf dem Stadion-Balkon weiter, wo die Anhänger ihre Europa-Helden begleitet von Rauchschwaden mit "Eisern Union"-Sprechchören hochleben ließen.
Die Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb hatten die Berliner bereits vor der Partie sicher gehabt, um einen Europa-League-Platz mussten sie im Fernduell mit dem 1. FC Köln dennoch lange zittern.

Awoniyi erlöst zitternde Union

Denn die Bochumer Simon Zoller (55.) und Eduard Löwen (79.) sorgten mit ihren Treffern noch einmal für ordentlich Spannung.
Zuvor hatten Prömel (5.), der sein letztes Spiel im Union-Trikot bestritt, und Taiwo Awoniyi (25., Handelfmeter) Union in Führung gebracht. Letzterer erzielte kurz vor Schluss das erlösende Tor (88.).
Die Saison auf dem fünften Platz zu beenden, sei "unfassbar für so einen Verein wie Union Berlin", sagte Prömel, dem es "unglaublich weh" tue, den Verein Richtung TSG Hoffenheim zu verlassen.

Union muss den Erfolg erst "verstehen"

In Köpenick wissen derweil selbst die Verantwortlichen nicht, wie ihnen geschieht. "Der ganze Verein ist aktuell dabei, sich allmählich damit abzufinden, dass das alles kein Traum ist", sagte Ruhnert.
Und Fischer war trotz aller Freude auch erst einmal froh, dass er nun im Urlaub erst einmal versuchen kann, "zu verstehen, was da geschehen ist". Ein wenig Zeit bleibt Union noch, um alles zu verarbeiten. Real wird es dann spätestens ab dem 8. September, wenn die Gruppenphase der Europa League startet.
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(SID)

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