Als das dramatische Schauspiel ein geradezu unwirkliches Happy End genommen hatte, brachen beim VfB Stuttgart alle Dämme. Wataru Endo, der Retter in letzter Minute, versicherte, er habe ein "explodierendes Stadion" wahrgenommen. Der ungewohnt enthemmte Trainer Pellegrino Matarazzo bekannte inmitten des kollektiven Wahnsinns: "Ich habe nach diesem Geschrei und dem Jubel einen Schädel."
Matarazzos Kopf ging es am Morgen nach der "Ekstase", wie er den Allgemeinzustand der Mannschaft und ihrer Anhänger beschrieb, womöglich kaum besser. Der Rausch der Gefühle hielt nach dem 2:1 (1:0) gegen den 1. FC Köln bereits im Stadion eine halbe Ewigkeit an, irgendwann machten sich die glückseligen Stuttgarter auf ins elegante Restaurant Amici. "Wir werden es nicht übertreiben", behauptete Sportdirektor Sven Mislintat. Wer's glaubt.
Den Dammbruch in Stuttgart ausgelöst hatte zunächst ein Dortmunder: Youssoufa Moukoko erzielte in der 84. Minute das 2:1 von Borussia Dortmund gegen Hertha BSC - es war das Signal zur einer fulminanten Schlussoffensive des VfB, der nach den Treffern von Sasa Kalajdzic (12.) und Anthony Modeste (59.) für Köln nun noch ein Tor erzielen musste, um die Relegation zu vermeiden. Und tatsächlich: In der zweiten Minute der Nachspielzeit traf Endo.
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Die Stuttgarter wollten hernach gar nicht abstreiten, dass ihnen nach dem Punktgewinn eine Woche zuvor bei Bayern München (2:2) dieser Dortmunder Treffer noch einmal einen gewaltigen, den entscheidenden Schub gab: Allein schon "der Sound des Stadion" sei motivierend gewesen, sagte Mislintat. "Es war überragend", ergänzte Matarazzo. Es war ein absolutes Willenstor am Schluss. Das freut mich für die Jungs."

Glaube "immer da" gewesen

Ob nun Dortmunder Hilfe, Berliner Unfähigkeit beim Verwandeln von drei Matchbällen oder unbeugsamer Wille der Stuttgarter - trotz vier Punkten Rückstand vor den ausstehenden beiden Spieltagen gelang dem VfB noch der Sprung auf den rettenden Rang 15. "Ein geiles Comeback", sagte Mislintat, der zugleich behauptete: "Der Glaube" an die Rettung sei "immer da" gewesen. Und das, obwohl der VfB gefühlt schon "zweimal abgestiegen war".
Dem erstaunlich nüchtern analysierenden Mislintat war auch anzumerken, wie groß seine Erleichterung war, nicht in die Relegation zu müssen. "Ich bin froh, dass wir mit Rang 15 rausgehen", sagte er. Schließlich könne in diesen zwei "Play-off-Spielen" alles passieren. So aber hat der VfB, betonte Mislintat, "unser Ziel erreicht" und könne "unser Projekt" fortsetzen. Auf Torjäger Kalajdzic wird Stuttgart aber künftig wohl verzichten müssen.
Sein Ziel wohl eher überfüllt hat der 1. FC Köln, auch wenn Trainer Steffen Baumgart ein wenig betrübt anmerkte: "Die letzten beiden Ergebnisse waren enttäuschend." Vier statt null Punkte hätten sicher für die Teilnahme an der Europa League gereicht - so bleibt freilich immer noch die Conference League und Baumgarts Fazit: "Wir wollen diesen Weg, den wir eingeschlagen haben, weitergehen."
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