Kader-Unwucht beim FC Bayern München: Fatale Fehleinschätzung der Bosse Hasan Salihamidzic und Oliver Kahn

Sportvorstand Hasan Salihamidzic bekräfigt vor dem Bundesligaspiel gegen Hertha BSC (2:0) erneut, dem FC Bayern einen "Top-Kader" zusammengestellt zu haben. Die ungewöhnlich hohe Anzahl an schlechten Auftritten der Münchner in dieser Saison führen diese Einschätzung jedoch ad absurdum. Die Fehlplanungen werden vor allem in zwei Mannschaftsteilen deutlich. Es besteht dringend Nachholbedarf.

"Kann jederzeit platzen": Tuchel glaubt an Manés Explosion

Quelle: Perform

Hasan Salihamidzic erschien schon leicht genervt zum Interview mit "DAZN"-Moderatorin Laura Wontorra vor dem Spiel gegen Hertha BSC (2:0). Erst mit Verzögerung presste der Sportvorstand des FC Bayern ein missmutiges "Hallo" zur Begrüßung heraus.
Seine Laune wurde im Laufe des Gesprächs nicht besser. Mehrfach konterte Salihamidzic Wontorras teils kritische Fragen mit patzigen Gegenfragen, spielte die Bedeutung des Auftritts von Ehrenpräsident Uli Hoeneß auf dem Trainingsplatz an der Säbener Straße herunter und rechtfertigte sich erneut für die Kaderstrukturierung seit Sommer 2022.
"Wir haben die Erwartungen im DFB-Pokal und in der Champions League nicht erfüllt, aber Ich bin trotzdem der Meinung, dass wir einen Top-Kader haben. Wenn Sie sich erinnern, haben wir in der Hinrunde 72 Tore erzielt und sind in der Champions League durchmarschiert", rechnete Salihamidzic vor.
Damals heiß der Trainer übrigens noch Julian Nagelsmann, den Salihamidzic gemeinsam mit Vorstandsboss Oliver Kahn Ende März unsanft vor die Tür setzte.

Der Top-Kader spielt zu häufig nicht wie ein Top-Kader

Nach 2022 ist der FC Bayern auch in diesem Jahr in keinem Halbfinale der Pokalwettbewerbe vertreten. Zudem muss sich die Mannschaft gewaltig strecken, um wenigstens noch die Meisterschaft zu holen. Dass sie seit dem Wochenende wieder bessere Chancen auf die Schale hat, liegt mehr am Unvermögen von Borussia Dortmund denn an den Leistungen der Münchner (Tabelle).
Auch gegen den Tabellenletzten aus Berlin bot Bayern über 70 Minuten erstaunlich emotionslosen, dürftigen Fußball. "Nach den letzten Ergebnissen fehlt uns Leichtigkeit und Selbstvertrauen", sagte Trainer Thomas Tuchel nach dem Spiel.
Auch ein "Top-Kader" (Salihamidzic) bzw. sogar "einer der besten Kader Europas" (Kahn) kann nicht jede Woche die Sterne vom Himmel spielen - die Vielzahl der schlechten Auftritte in dieser Saison passt mit den Einschätzungen der Bosse jedoch keineswegs zusammen.

Keine Alternativen zu Kimmich und Goretzka

Exemplarisch für die Unwucht im Kader steht die Besetzung im zentralen Mittelfeld. Tuchel steht nibelungentreu zu Joshua Kimmich und Leon Goretzka, obwohl beide nicht erst seit seiner Amtsübernahme Ende März schwächeln.
Kimmich war Nagelsmanns wichtigster Spieler in allen Bereichen. Defensiv sollte er Wellen brechen, offensiv das Spiel mit seinen Chipbällen öffnen, jede Ecke und jeden Freistoß treten. Seine Omnipräsenz überfordert Kimmich, gegen Berlin konnte er nach langer Zeit mal wieder entscheidend eingreifen mit zwei genialen Torvorlagen.
Goretzka soll ihn eigentlich entlasten, hat aber mehr mit sich selbst zu tun. Er verleiht dem Team keine Stabilität, wählt falsche Laufwege und kommt in den Zweikämpfen öfter einen Schritt zu spät. Tuchel fordert von Goretzka mehr Präsenz im gegnerischen Strafraum, weil er prinzipiell in der Lage ist, Torgefahr auszustrahlen. Gesehen hat man davon in letzter Zeit aber wenig.
Goretzka spielt dennoch, weil Tuchel die Alternativen fehlen. Im Januar ließ Salihamidzic Marcel Sabitzer leihweise zu Manchester United ziehen. Der Österreicher blüht bei den "Red Devils" auf. Und mit Ryan Gravenberch konnte schon Tuchel-Vorgänger Nagelsmann wenig anfangen.
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Leon Goretzka und Joshua Kimmich bringen nicht die Leistung, die von ihnen erwartet wird.

Fotocredit: Getty Images

Medienbericht: Tuchel will "Mentalitätsmonster" Kovacic

Zur neuen Saison kommt Konrad Laimer aus Leipzig dazu, doch das zentrale Mittelfeld zu verstärken, wird eine der Hauptaufgaben von Salihamidzic in der nächsten Transferperiode sein - wenn er dann überhaupt noch zuständig ist. Die Zukunft des Sportvorstands beim FC Bayern ist nicht in Stein gemeißelt.
Laut "Sport Bild" macht sich Tuchel für die Verpflichtung von Mateo Kovacic (28) von seinem Ex-Klub FC Chelsea stark. Mit dem Kroaten gewann Tuchel 2021 die Champions League, er schätzt ihn als "Mentalitätsmonster".
Zudem gilt es für den FC Bayern, ein folgenschweres Versäumnis aus dem letzten Sommer zu korrigieren. Nach dem Abgang von Robert Lewandowski wurde kein adäquater Ersatz geholt. Eric Maxime Choupo-Moting machte 17 Tore in 29 Pflichtspielen - eine beachtliche Quote. Allerdings ist der Kameruner häufiger verletzt und mit 34 Jahren nicht die Zukunft des FC Bayern im Sturm.
Randal Kolo Muani, Victor Osimhen und auch immer noch Harry Kane werden als Bayerns neue Neun genannt, wobei die beiden Letztgenannten auch für die finanzkräftigen Bayern kaum erschwinglich sind.

Strunz attackiert Salihamidzic scharf

Für Ex-Bayern-Spieler Thomas Strunz haben die Bayern aber nicht nur im Mittelfeld und im Angriff Nachholbedarf, sondern in nahezu allen Mannschaftsteilen. "Ich sehe keine Achse, wie das früher der Fall war, die sich in kritischen Zeiten auch mal hinstellt und sagt: 'Wir sind der FC Bayern und es ist egal, wo wir spielen, weil wir überall gewinnen'", sagte Strunz der "Bild".
Die Arbeit von Salihamidzic beim FC Bayern sieht Strunz generell sehr kritisch. "Ich will nicht sagen, Brazzo ist überfordert. Sicherlich hat man es verpasst, einen gleichwertigen Ersatz für Lewandowski zu verpflichten. Es geht um einen Prozess, seitdem Salihamidzic da ist", sagte er. Dieser Prozess begann 2017.
"Wenn ich mir damals den Kader angeschaut habe und welche Spieler da im Kader standen, die das 'Mia-san-mia'-Gefühl getragen haben und auch das Gefühl auf dem Platz gezeigt haben. Heute haben wir eine talentierte Truppe, die aber dieses Gefühl nicht mehr ausstrahlt", so Strunz.
Ob Qualität oder Mentalität der Spieler - das Attribut "Top-Kader" gilt nicht im Frühjahr 2023 nicht für den des FC Bayern München.
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So denkt Tuchel über Müller und Gravenberch

Quelle: Perform

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