Drei Dinge, die bei FC Bayern - Hertha BSC auffielen: Kimmich findet (endlich) die Tiefe des Raumes
Publiziert 30/04/2023 um 20:29 GMT+2 Uhr
Nachdem Borussia Dortmund am Freitagabend in Bochum Punkte hatte liegen lassen, konnte der FC Bayern gegen Schlusslicht Hertha BSC beim 2:0-Erfolg die Tabellenführung zurückerobern. Lange Zeit taten sich die Münchner gegen sehr tief stehende Berliner allerdings schwer. Erst nach 70 Minuten brach Serge Gnabry mit seinem zehnten Saison-Treffer den Bann. Drei Dinge, die auffielen.
So denkt Tuchel über Müller und Gravenberch
Quelle: Perform
Es war alles angerichtet in der Allianz Arena: Der BVB hatte am Freitagabend in Bochum nur 1:1 gespielt und so dem FC Bayern unverhofft die Möglichkeit geboten, die Tabellenspitze zurückzuerlangen.
Gegen die Hauptstädter hatte der Rekordmeister dann allerdings vor allem in der ersten Halbzeit große Schwierigkeiten, Torgefahr zu kreieren. Während Pál Dárdai seine Mannschaft defensiv gut eingestellt hatte, ließen die Bayern Tempo und Kreativität vermissen.
Zwar wurde die Bayern-Hintermannschaft so gut wie gar nicht gefordert, trotz teilweise 80 Prozent Ballbesitz blieben Großchancen Mangelware bei der Mannschaft von Thomas Tuchel. Dementsprechend waren zur Halbzeitpause vereinzelt Pfiffe zu vernehmen.
Erst 20 Minuten vor Spielende brach Serge Gnabry mit seinem Treffer zum 1:0 den Bann (69.). Zehn Minuten später erhöhte Kingsley Coman auf 2:0.
Drei Dinge, die uns bei FC Bayern - Hertha BSC auffielen.
1.) Joshua Kimmich findet die Tiefe des Raumes
Nach dem Aus in der Champions League und vor allem nach der 1:3-Niederlage in Mainz stand ein Spieler besonders in der Kritik der Öffentlichkeit: Joshua Kimmich. Für die "Süddeutsche Zeitung" stellte der derzeitige Kapitän gemeinsam mit Mitspieler Leon Goretzka ein "Beispiel für Formschwäche" dar.
Auch gegen den Tabellen-18. war Kimmich lange Zeit nicht der "aggressive Leader", der emotionale Anführer. Er reihte sich ein in das behäbige Ballgeschiebe der Münchner.
Doch nach der Pause wurde er zum entscheidenden Faktor für den Bayern-Sieg. Gleich zweimal hob er den Ball mit den für ihn so typischen "Chip-Pässen" in die Tiefe. Unmittelbar vor dem 1:0 fand Kimmich auf diese Weise Gnabry, der im Rücken der Hertha-Deckung entwischt war und per Flugkopfball das erlösende 1:0 erzielte.
Auch dem zweiten Treffer ging ein genialer Pass von Kimmich voraus. Mit einem tiefen Diagonalball bediente er Kingsley Coman, der aus halbrechter Position nach innen zog und durch die Beine von Berlins Torhüter Oliver Christensen einschieben konnte.
"DAZN"-Experte Michael Ballack fand lobende Worte für die präzisen Zuspiele des Mittelfeld-Akteurs: "Kimmich hat mit zwei Superbällen dafür gesorgt, diesen Abwehrverbund zu durchbrechen."
2.) Die Automatismen im Bayern-Spiel greifen nach wie vor nicht
"Man merkt, die Bayern sind nicht gewohnt, dass es so eng ist - auch in der Meisterschaft. Man hat diese Verunsicherung eben gespürt", befand Ballack im Interview mit Thomas Tuchel nach der Partie.
Der neue Bayern-Coach konnte diesen Aussagen nur nickend zustimmen und fügte hinzu: "Wenn du als neuer Trainer reinkommst im April, dann läuft nicht alles rund, weil sonst gäbe es die Stelle gar nicht." Auch mental sieht Tuchel sein Team derzeit nicht auf der Höhe: "Unser Selbstvertrauen ist jetzt auch nicht gerade das Größte."
Dass beim deutschen Serienmeister derzeit vor allem in den Köpfen eine Blockade vorherrscht, wurde auch gegen die Hertha wieder deutlich sichtbar. Nach der peinlichen Pleite in Mainz fehlte trotz deutlicher Feldüberlegenheit beim Heimspiel gegen Berlin in den meisten Szenen das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten. Dabei stand der Gegner mit dem Rücken zur Wand und hatte vor allem mit eigenen Unzulänglichkeiten und mangelndem Selbstvertrauen zu kämpfen.
Viele Aktionen der Hausherren versandeten im letzten Drittel, auch weil sich keiner der Spieler den risikoreichen Pass oder tiefen Laufweg zutraute. Stattdessen blieb es trotz 91 Prozent Passquote, 26:2 Torschüssen und 18:1 Ecken bei den immer wiederkehrenden Halbfeldflanken und Querpässen rund um den Sechzehner der Gäste.
Eine Entwicklung der Mannschaft ist nach nun gut vier Wochen mit dem neuen Übungsleiter Tuchel noch nicht erkennbar - stattdessen verfiel der FCB gegen einen tiefstehenden Gegner in alte, unkreative Muster.
Dass die Mannschaft dabei sogar zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt eine volle Trainingswoche mit Tuchel absolvieren konnte, hat nicht dafür gesorgt, dass die Automatismen im Team greifen.
Tuchel und seinem Team bleiben nun noch vier Spiele, um den Kampf um die Meisterschaft für sich zu entscheiden - die Leistung gegen Hertha war dafür nicht unbedingt ein Booster für das Selbstvertrauen.
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Die Bayern, wie hier Serge Gnabry, taten sich lange Zeit schwer gegen die Hertha
Fotocredit: Getty Images
3.) Zwei Unzufriedene bekommen ihre Chance - genutzt hat sie nur einer
Durch den Ausfall von Dayot Upamecano und die Versetzung von Benjamin Pavard in die Innenverteidigung rückte Noussair Mazraoui in die Startelf der Münchner. Für den 25-Jährigen war es gar der erste Einsatz von Beginn an seit November 2022.
Kürzlich hatte der Marokkaner in einem Interview erklärt, dass er sich "vergessen" fühle und forderte mehr Einsatzzeiten in der Mannschaft.
Gegen Berlin bot sich Mazraoui nun also die Chance, sich durch Leistung dem Trainer aufzudrängen. Das ist ihm allerdings nicht gelungen. Auf seiner rechten Seite war er so gut wie kein Faktor im Spiel der Bayern, auch wenn er defensiv kaum gefordert wurde. Offensiv blieb der WM-Fahrer wirkungslos. "Er hat seine Chance heute nicht genutzt", stellte Michael Ballack klar.
Ein anderer Bayern-Akteur, der sich unter der Woche über seine aktuelle Situation beschwert hatte, wusste dagegen schon eher zu überzeugen. Ryan Gravenberch, der nach einer guten Stunde für Jamal Musiala eingewechselt wurde, wirkte deutlich aktiver.
In der Nachspielzeit hatte der Niederländer sogar selbst eine Abschlussmöglichkeit, scheiterte allerdings an Hertha-Keeper Christensen (90.+2). "Ryan hat nach seiner Einwechslung ein sehr gutes Spiel gemacht", lobte Tuchel auf der Pressekonferenz.
Gravenberch winkt daher in der kommenden Woche in Bremen ein Platz in der Startformation, zumal Leon Goretzka, der nach schwacher Leistung in der Halbzeit ausgewechselt wurde, wegen der fünften Gelben Karte gesperrt ist.
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Quelle: Perform
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