Drei Dinge, die bei Bayern gegen Hoffenheim auffielen: Das schlechteste Spiel unter Thomas Tuchel
VonThomas Gaber
Publiziert 15/04/2023 um 20:36 GMT+2 Uhr
0:3 bei Manchester City, 1:1 gegen Hoffenheim - der FC Bayern erlebt eine Woche zum Vergessen. Das fünfte Spiel unter Trainer Thomas Tuchel war das schlechteste seit dem Trainerwechsel, eine Weiterentwicklung ist nicht erkennbar. Die Offensive ist an Harmlosigkeit kaum zu überbieten. Einen Lichtblick gibt es ausgerechnet bei einem in der Kritik stehenden Neuzugang. Drei Dinge, die auffielen.
Der FC Bayern verteidigte die Tabellenführung in der Bundesliga
Fotocredit: Getty Images
Mal wieder einen Sonntagsschuss kassiert, mal wieder kein Stürmertor erzielt und mal wieder nicht gewonnen - der FC Bayern kommt unter Nagelsmann-Nachfolger Thomas Tuchel nicht in die Gänge.
Gegen die TSG 1899 Hoffenheim verspielten die Münchner nach dem Treffer von Benjamin Pavard (17.) zum fünften Mal im Jahr 2023 eine Führung, weil Torhüter Yann Sommer bei einem Freistoß von Andrej Kramaric nicht mehr richtig an den Ball kam (71.).
Tuchel war nach der Partie am "Sky"-Mikrofon bedient: "Verdienter Punkt für Hoffenheim, das sagt eigentlich bereits alles. Das war bei weitem nicht das, was wir uns vorstellen und was wir brauchen. Dieses Spiel ist erstmal schwer zu verdauen."
Drei Dinge, die uns in München auffielen.
1.) Das schlechteste Spiel der Tuchel-Bayern
Es fing alles so gut an mit dem 4:2-Sieg gegen Borussia Dortmund. Die Ernüchterung folgte prompt mit dem Aus im DFB-Pokal gegen Freiburg und dem So-gut-wie-Aus in der Champions League gegen Manchester City. Dazwischen war da noch die gelungene Revanche in der Liga gegen Freiburg.
Der FC Bayern durchlebt seit der Amtseinführung von Thomas Tuchel das volle Programm. Bislang ging der Coach öffentlich sehr wohlwollend mit seinen Spielern um. In Manchester habe er sich in seine Mannschaft "schockverliebt", gab Tuchel zu Protokoll.
Das hörte sich nach dem enttäuschenden 1:1 gegen Hoffenheim plötzlich ganz anders an. "Ich dachte, wir wären vorbereitet, würden mit Wut im Bauch spielen. Das war nicht der Fall, das war schlecht. Zu langsam, zu emotionslos. Uns fehlt der Sinn dafür, dass es brennt. Wir brauchen schnell einen anderen Spirit", sagte Tuchel und ging dabei erstmals auf Distanz zu seinen Spielern.
Diese hatten zuvor die mit Abstand schlechteste Leistung unter ihrem neuen Trainer abgeliefert. Die 95 Minuten lassen sich aus Bayern-Sicht schnell zusammenfassen: Kein Tempo, keine Kreativität, keine Gier. So lethargisch hat man den FC Bayern selbst in dieser holprigen Saison selten gesehen.
"Heute war alles nicht gut genug - ohne Intensität, ohne Energie, technische Fehler. Das Spiel in Manchester war physisch und mental schwierig für uns, aber das kann keine Ausrede sein", sagte Matthijs de Ligt. Joshua Kimmich sprach von "fehlender Konzentration und Leichtsinnigkeit".
"Sky"-Experte Dietmar Hamann sieht beim FC Bayern derzeit "keine Mannschaft, sondern elf Einzelspieler auf dem Platz, die alle mit sich selbst zu tun haben". Vier Tage vor dem Rückspiel gegen City (Mi., 20.30 Uhr im Liveticker) ist der FC Bayern am Tiefpunkt in dieser Saison angekommen.
2.) Die Bayern-Offensive leistet den Offenbarungseid
In den letzten vier Spielen erzielte der FC Bayern nur drei Tore. Die Torschützen? Dayot Upamecano, Matthijs de Ligt und Benjamin Pavard - drei Verteidiger. Zwei Tore fielen im Anschluss an eine Ecke und in Freiburg hämmerte de Ligt den Ball aus 28 Metern in den rechten Giebel.
Aus dem Spiel heraus gelingt den Münchnern seit Wochen quasi nichts. Gegen Hoffenheim gab es bis in die Nachspielzeit hinein nicht eine echte Torchance. Die Bayern sind derzeit sehr einfach auszurechnen. Bis zum Strafraum kann man sie gewähren lassen, denn was danach kommt, ist Schema F: Wirkungsloses Ballgeschiebe ohne Power, ohne Risiko, ohne Überraschungsmoment.
Was die Bayern auch anstellen - alles wirkt umständlich und anstrengend. Niemand will Verantwortung übernehmen, Querpass folgt auf Querpass. Die wenigen guten Chancen werden dann auch noch bisweilen kläglich vergeben.
Gegen Hoffenheim stand Serge Gnabry sinnbildlich für die harmlose Bayern-Offensive. Zweimal hatte der Choupo-Moting-Vertreter in der Schlussphase den Siegtreffer auf dem Fuß. Beim ersten Mal schaufelte er den Ball übers Tor, danach rutschte er weg.
Es fehlt jegliche Fantasie, wie der FC Bayern kommenden Mittwoch mindestens drei Tore gegen Manchester City erzielen will.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2023/04/15/3684940.jpg)
Serge Gnabry haderte auch gegen Hoffenheim mit der Chancenverwertung
Fotocredit: Getty Images
3.) Es gibt wenigstens einen Lichtblick
João Cancelo galt als Blockbuster-Wintertransfer. Nach einem guten Start fiel der Portugiese der Systemumstellung von Julian Nagelsmann zum Opfer und bekam von seinem Ex-Coach zu hören, dass er die Dreierkette nicht beherrsche.
Fortan war Cancelo mehr Bank- als Stammspieler. Das änderte sich unter Tuchel. In zwei der ersten drei Spiele stand der 28-Jährige in der Startelf, ehe er ausgerechnet gegen ManCity wieder draußen war.
Am Samstag bekam er dann wieder den Vorzug vor Alphonso Davies links in der Viererkette und betrieb Eigenwerbung. Cancelo hatte im statischen Angriffsspiel der Bayern als einziger ein paar Lösungsansätze parat. In der ersten Halbzeit schlug er zwei, drei chirurgisch genaue Diagonalbälle auf Leroy Sané und zog so den Hoffenheimer Abwehrverbund auseinander.
Ab der 60. Minute spielte er nach der Auswechslung von Leon Goretzka im zentralen Mittelfeld neben Kimmich, gab zwei gefährliche Torschüsse ab und kam auf 60 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Nur die beiden Verteidiger de Ligt (80 Prozent) und Pavard (62 Prozent) hatten eine bessere Quote.
Im Rückspiel gegen "seine" Skyblues führt für Tuchel kein Weg an Cancelo vorbei.
Das könnte Dich auch interessieren: Warum Sadio Mané mit Trainer Tuchel den richtigen Anwalt hat
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung