Drei Dinge, die bei FC Bayern - Union Berlin auffielen: Thomas Müller antwortet auf die "Demütigung" in Gladbach

Der FC Bayern gab sich im Spitzenspiel keine Blöße und schickte Union Berlin mit einer deutlichen Niederlage zurück in die Hauptstadt. 3:0 hieß es am Ende aus Sicht des Rekordmeisters, der sich die Tabellenführung damit von Borussia Dortmund zurückholte. Thomas Müller lieferte dabei unmissverständliche Antworten auf die "Demütigung" der Vorwoche. Drei Dinge, die auffielen.

Thomas Müller vom FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

Pünktlich zum Anpfiff wurde die Allianz Arena von einem Schneesturm heimgesucht, das zuvor saftige Grün wich binnen weniger Minuten einem winterlichen Weiß. Beeindrucken ließen sich die Bayern von dem plötzlichen Flockeninferno aber keineswegs, von Beginn an übernahmen die Hausherren die Initiative.
Nachdem zunächst gute Chancen ausgelassen wurden, köpfte Eric Maxim Choupo-Moting den Rekordmeister gegen Union Berlin, die Mannschaft der Stunde, die in der vergangenen Woche erst punktetechnisch mit dem FCB gleichgezogen und dann Ajax Amsterdam aus der Europa League gekegelt hatte, verdientermaßen in Führung (31.).
Wer im Anschluss auf eine Reaktion der Eisernen gehofft hatte, sah sich enttäuscht. Stattdessen machten die Münchner weiter Dampf und kamen dank Kingsley Coman (40.) und Jamal Musiala (45.+1) zu weiteren Treffern. Schon vor der Pause war das Duell, das im Vorfeld aufgrund der Tabellenkonstellation berechtigterweise als Spitzenspiel deklariert wurde, entschieden.
Nach dem Seitenwechsel hätten die Bayern das Ergebnis noch deutlicher gestalten können, am Ende blieb es allerdings beim souveränen 3:0.
Drei Dinge, die bei FC Bayern - Union Berlin auffielen.

1.) Müllers Antwort auf die "Demütigung"

"Oh Gott im Himmel", sagte Thomas Müller, als er bei "DAZN" noch einmal mit seiner riesigen Torchance aus der 6. Minute konfrontiert wurde. Der Routinier hatten die frühe Führung nach einem Querpass von Choupo-Moting verpasst, weil er den Ball nicht richtig getroffen hatte.
Ein Ärgernis, aber rückblickend kein Problem. Müller erweckte keineswegs den Eindruck, als hinge ihm die Aktion lange nach. Weil es mit dem Toreschießen nicht klappte, legte er in seinem 340. Bundesligaspiel kurzerhand für seine Kollegen auf.
Vor dem 2:0 schickte er Coman mit einem sehenswerten Heber in Szene, Musialas Treffer resultierte aus einer mustergültigen Müller-Hereingabe. "Ich war aktiv, aber ich war auch in der Bringschuld. Wer so ein Ding liegen lässt, darf danach nicht den Sand in den Kopf stecken", erklärte er mit Blick auf seinen Fauxpas mit einem Augenzwinkern.
Aber es waren nicht nur die beiden Vorlagen, die Müllers Wichtigkeit unterstrichen. Der Weltmeister von 2014 riss Räume für die Mitspieler und gab den unermüdlichen Arbeiter. Die perfekte Reaktion auf das, was in der Vorwoche, beim 2:3 gegen Borussia Mönchengladbach, vom Boulevard als "Demütigung" bezeichnet wurde.
Trainer Julian Nagelsmann hatte Müller am vergangenen Samstag nach nur zehn Minuten vom Feld genommen, weil Dayot Upamecano zuvor die Rote Karte gesehen hatte und dementsprechend eine taktische Umstellung vonnöten war. "Das war eine beschissene Entscheidung", machte Naglesmann direkt nach der Niederlage deutlich. "Für Thomas tut es mir leid. Wir haben überlegt, was ist sinnvoll, was kann man machen. Es kann jeden treffen."
Es traf Müller, der im Pflichtspiel davor bereits gegen Paris Saint-Germain überraschend auf der Bank gesessen hatte. Von "DAZN" auf die frühe Auswechslung gegen Gladbach angesprochen, sagte Müller: "Dass es mir kein Spaß gemacht hat, ist klar - aber das macht keinem Spieler Spaß." Der Trainer habe die Entscheidung getroffen, das müsse man akzeptieren. Der Tenor: Niemand ist wichtiger als die Mannschaft, Müllers Schlachtruf: "Weiter geht’s". Gegen Union ging es weiter - und wie.

2.) Bayern im Spitzenspiel-Modus

In den vergangenen Jahren wurden die Bayern regelmäßig von verschiedenen Bundesliga-Mannschaften in "Spitzenspielen" gefordert, immer wieder zeigte der Branchenprimus, warum er der Branchenprimus ist - ob Freiburg, Leverkusen oder Dortmund - sie alle kamen gegen die Bayern unter die Räder.
Nun machten die in dieser Saison sensationell aufspielenden Berliner ihre ganz eigenen Erfahrungen mit dem Spitzenspiel-FCB. Die Nagelsmann-Mannschaft ließ vom Anstoß weg die Muskeln spielen und keinerlei Zweifel daran, dass an diesem Sonntag etwas für die Eisernen zu holen sein würde.
Lauffreudig (40 Sprints mehr als Union, d. Red.), passsicher, kreativ, die Münchner waren in allen Belangen deutlich überlegen. "Es war ein wichtiger Sieg. Vor allem die Art und Weise ist ein Gradmesser", sagte Nagelsmann. Er ergänzte: "Union lässt normalerweise nicht viele Torchancen zu, wir hatten aber heute zehn oder elf gute Torchancen. Das ist ein gutes Zeichen."
Choupo-Moting bezeichnete den deutlichen Sieg "gegen einen starken Gegner" als "Ausrufezeichen". Die Statistik spiegelte die Machtdemonstration perfekt wider: 20 Bayern-Torschüssen standen lediglich drei Union-Versuche gegenüber. Die Gastgeber gewannen 61 Prozent der Zweikämpfe und verbuchten 70 Prozent Ballbesitz.

3.) Müde Unioner schneien in München ein

Das Unioner Märchen scheint in dieser Saison kein Ende zu finden. Die Köpenicker spielen nicht nur in der Liga völlig überraschend um die Meisterschaft mit, sondern dürfen sich seit vergangenen Donnerstag, als kein Geringer als Ajax Amsterdam aus dem Weg geräumt wurde, offiziell Europa-League-Achtelfinalist nennen.
"Was man hier erlebt, unglaublich", schwärmte Rani Khedira nach dem Coup gegen die Niederländer. "Wir haben unser Herz komplett auf dem Platz gelassen und auch verdient gewonnen. Wir genießen den Moment. Es ist außergewöhnlich." Das Herz hatte das Team von Urs Fischer vor der Reise nach München wieder eingesammelt, allerdings war schnell offensichtlich, dass gegen Ajax noch andere essentielle Eigenschaften auf dem Rasen geblieben waren. Kurz gesagt: Union zahlte seinem Europa-League-Kraftakt in winterlichen Allianz Arena Tribut.
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FC Bayern - Union Berlin

Fotocredit: Getty Images

Die ausgeruhten Bayern dominierten den müden FCU nach Belieben. "Wir hatten zuletzt ein enormes Pensum, das darf man aber nicht als Ausrede nehmen", sagte Khedira bei "DAZN". Er schob nach: "Wenn du nach München fährst und etwas mitnehmen möchtest, musst du konsequenter auftreten. Das haben wir in der ersten Halbzeit nicht geschafft - und dann gehst du hier unter."
Robin Knoche pflichtete seinem Kapitän bei: "Wir mussten viel hinterherlaufen. Heute waren wir chancenlos, wenn wir ehrlich sind." Auch Trainer Urs Fischer gab zu, dass es sich um ein diesmal ungleiches Duell gehandelt hatte. "Es war ein deutliches Spiel. Es waren zwei, drei Klassen Unterschied. Das muss man sich dann auch eingestehen", sagte der Schweizer.
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Quelle: SNTV

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