FC Bayern: Grüße nach "Phantasialand" - Achse Müller, Kimmich, Neuer sendet Lebenszeichen
Der FC Bayern München schlägt den FC Schalke 04 am drittletzten Bundesliga-Spieltag 6:0 (2:0) und behält alle Meister-Chancen in der eigenen Hand. Trainer Thomas Tuchel liegt dabei mit einer mutigen Aufstellung richtig; die ursprünglichste Bayern-Achse im Kader sendet derweil starke Lebenszeichen. Ein Freibrief für die elfte Meisterschaft in Folge ist das jedoch noch lange nicht.
Tuchel lobt Müller: "Dann widerspricht der Trainer nicht ..."
Quelle: Perform
Thomas Müller spielt unter Thomas Tuchel und mal spielt er nicht - so war es in den letzten Wochen.
Eine bemerkenswerte Statistik dürfte jedoch auch dem neuen Bayern-Trainer nicht entgangen sein: 19 Tore hat der FC Bayern München seit Tuchels Amtsantritt Ende März erzielt, bei 18 davon stand Müller auf dem Platz (nur bei Gnabrys Führungstor in Bremen nicht). Bemerkenswert deshalb, weil Müller nur 64 Prozent der Spielzeit unter Tuchel absolvierte.
An der Säbener Straße hat das zuletzt durchaus für Verwunderung gesorgt - und für reichlich Rascheln im Blätterwald. Verlässt Müller die Bayern zum Saisonende etwa? Sucht er sich mit 33 Jahren noch mal einen neuen Verein?
Nein, erklärte das bayrische Urgestein am Samstag nach dem fulminanten 6:0 gegen den FC Schalke 04 entschieden. "Dieser ganze Käse, was ich angeblich denke und fühle und liebäugle - das hat sich jemand aus den Finger gesogen. Das muss ich ins Phantasialand schieben", sagte Müller. Und falls es jemand noch nicht verstanden hatte, dass er bleiben wird, schob er nach: "Ich habe noch ein Jahr Vertrag und mein Herz ist rot."
Müller wird für "unverzichtbar" erklärt
Zuvor hatte der Oberbayer ein klasse Spiel gezeigt (sieben Torschüsse - Top-Wert) und die Bayern mit dem 1:0 (20.) auf den richtigen Weg gebracht. "Es freut mich, den Dosenöffner erzielt zu haben. Es war ein tolles Gefühl. Die Arena ist explodiert, danach haben wir aber auch weitergemacht", sagte er.
Präsident Herbert Hainer erklärte Müller nach dem Spiel sogleich für "unverzichtbar".
Tuchel wollte seinem Vorgesetzten da "nicht widersprechen", erklärte aber auch, dass Müller zuletzt nicht nur aus spieltaktischen Gründen öfter mal pausiert habe. Vielmehr habe der Routinier ein paar "Wehwehchen" im Bereich des unteren Rückens und der Hüfte gehabt und deshalb ein paar Einheiten ausgesetzt.
Momentan habe Müller aber wieder "das, worauf es ankommt: die nötige Lockerheit, die Erfahrung, aber auch den absoluten Biss, sich die zwölfte Medaille umzuhängen. Die Mischung passt."
Badstuber kritisiert Bayern-Bosse
Elfmal war Müller schon Deutscher Meister. Entsprechend sei er auch "nicht ganz neu in dem Geschäft", bestätigte der 33-Jährige. Die Müller-Debatte der letzten Wochen sei "sicher übertrieben" gewesen. "Der Trainer stellt auf und wir haben zu funktionieren", äußerte er Verständnis für seinen Übungsleiter, bestätigte aber auch, dass es unter der Woche ein Gespräch mit Vereinsboss Oliver Kahn und Sport-Vorstand Hasan Salihamidzic in Kahns Büro gegeben habe.
Bei "Sky" kritisierte Ex-Spieler Holger Badstuber den Umgang der Bayern mit Müller. "In letzter Zeit wird meiner Meinung nach zu viel reagiert, anstatt agiert - gerade, wenn es um solche Themen geht", sagte der ehemalige Innenverteidiger.
Er forderte: "Hinter den Kulissen muss ganz klar kommuniziert werden. Thomas Müller ist Bayern München, Bayern München ist Thomas Müller. Er ist der Kommunikator. Er ist wichtig. Ich hoffe, dass die richtigen Schlüsse gezogen werden." Sonst könne es schon passieren, dass man Müller im Herbst seiner Karriere noch vergrault. Der Vertrag des Urgesteins läuft noch bis 2024.
Kimmich übernimmt Verantwortung
Wechselgerüchte gab es zuletzt auch über einen weiteren Bayern und das sogar ziemlich überraschend: Joshua Kimmich (Vertrag bis 2025). Der spielt unter Tuchel zwar stets, ist aber in den Fokus von Real Madrid geraten - und das ist immer eine Schlagzeile wert.
Gegen Schalke zeigte der Mittelfeldmann in leicht veränderter Rolle als "Staubsauger" im 4-1-4-1 eine gute Leistung, hielt den Laden zusammen. "Wir haben flüssiger kombiniert als zuletzt und nie die Grundordnung verloren, um uns auch gegen Konter abzusichern. Da waren wir sehr aufmerksam", lobte Tuchel, der mit seiner Aufstellung Mut bewiesen hatte. Mut, der sich auszahlte.
Kimmich übernahm derweil beim Elfmeter zum 2:0 (29.) Verantwortung. In seinem 232. Bundesligaspiel trat der 28-Jährige zum ersten Mal zu einem Strafstoß an und verwandelte sicher - ein weiteres Lebenszeichen der Bayern-Achse. Nach dem Spiel war Kimmich mit Müller der Einzige, der vor der Südkurve für die Fans ein kleines Tänzchen aufführte. Reden wollte er nach der Partie indes nicht.
Neuer schuftet fürs Comeback
Das galt auch für Manuel Neuer, der beim Duell zwischen seinem Ex-Klub Schalke und den Bayern in der Arena weilte. Unter der Woche hatte auch der Torwart positive Signale gesendet: Der 37-Jährige trainiert nach seinem Beinbruch wieder, wenn auch im reduzierten Maße.
"Er macht einen guten Eindruck, einen richtig guten Eindruck", freute sich Sport-Vorstand Salihamidzic am Abend dennoch. "Ich sehe ihn jeden Tag, wir besprechen uns jeden Tag. Ich freue mich natürlich, dass er auf einem guten Weg ist", ergänzte der Bosnier: "Es ist noch ein bisschen zu gehen, aber es wird jeden Tag besser und besser. Er ist auf dem Platz, er springt, macht seine Bewegungen - wir sind froh."
Neuer verfolgte die Gala gegen seinen Heimatverein auf der Haupttribüne. Auf seiner schwarzen Basecap stand "day off" - freier Tag. Die werden bis zum Trainingsauftakt der Bayern zur neuen Saison nun wieder weniger werden. Neuer will dann wieder vollkommen fit sein - und Yann Sommer wieder aus dem Bayern-Tor verdrängen.
Tuchel lobt Ausstrahlung der Bayern
Zuvor wollen die Bayern aber erst noch die elfte Meisterschaft in Folge klar machen. Voraussetzung dafür: zwei Siege gegen Leipzig (H) und Köln (A). Das Top-Spiel am kommenden Spieltag wirft jetzt schon seine Schatten voraus.
"Es besteht kein Grund, komplett euphorisch zu werden", meinte Tuchel bereits am Samstagabend. "Die Kunst ist, fokussiert zu bleiben. Es geht auch im nächsten Spiel wieder bei 0:0 los. Wir müssen nirgendwo anders hinschauen. Wir sind für uns selbst verantwortlich und das ist der Schlüssel."
Gegen Schalke habe man aber zumindest wieder "eine gute Energie, eine gute Ausstrahlung" an den Tag gelegt. Tuchel: "Ich bin froh, dass wir das mal über 90 Minuten gezeigt haben. Man sieht, dass Selbstvertrauen zurückkommt, dass ein bisschen verschüttet war."
Dieses müsse man nun aber auch gegen Leipzig zur Schau stellen. Denn: "Wir werden am Samstag wieder abgeprüft."
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