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FC Bayern - Kommentar vom LIGAstheniker | Nach der Nagelsmann-Entlassung: Die Märchenerzählungen des Oliver K.
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Publiziert 03/04/2023 um 15:24 GMT+2 Uhr
Die Umstände rund um die Entlassung von Julian Nagelsmann als Trainer des FC Bayern München hallen noch immer nach. So entbrannte unmittelbar vorm Klassiker zwischen dem Rekordmeister und Borussia Dortmund ein Streit zwischen Vorstandsboss Oliver Kahn und "Sky"-Experte Lothar Matthäus über Werteverlust und Grenzüberschreitungen. Wer recht hat? Ein Kommentar vom LIGAstheniker, Thilo Komma-Pöllath.
"Grenze überschritten": Hainer über Zoff zwischen Kahn und Matthäus
Quelle: MagentaTV
Liebe FußballfreundInnen,
zu Beginn eine Trigger-Warnung: Dieser Text enthält Anteile von Wahrheit, Märchen und Lüge, April-Scherze und Ironie, bitte entscheiden Sie selbst, ob das noch lustig ist oder schon weh tut. Danke für Ihre Aufmerksamkeit.
Sie haben das am Wochenende sicher mitbekommen. Da erklärte der, Achtung, den gibt es wirklich, Bezirksligist SG Denkershausen mit einem erdachten und recht hilflos ge-deep-fakeden Foto und Video, dass Julian Nagelsmann künftig die Damenmannschaft der niedersächsischen Denkerinnen übernehmen werde, und die Sport-Journaille von "BILD" bis "Sport 1" vermeldete den April-Scherz als glaubwürdige News.
Kein April-Scherz hingegen waren die zahlreichen Erklärungsversuche von Bayern-CEO Oliver Kahn zu den Details der Nagelsmann-Entlassung, die so zusammengeschustert und unstimmig klangen, dass selbst Grundschüler auf einen April-Scherz gewettet hätten – nur war das eben ernst gemeint. Und wäre Lothar Matthäus nicht gewesen, hätte Oliver Kahn seine Märchen auch noch unwidersprochen einem Millionenpublikum aufgetischt. "Kahns Märchen", sicher demnächst als veredeltes Hardcover im Bayern-Shop erhältlich.
Weltfußballer als Investigativ-Reporter
Dass einer der größten nationalen Fußballstars, Weltfußballer und Rekordnationalspieler im hiesigen Fußball-Journalismus den wichtigsten Investigativ-Reporter gibt, das hat es so in den großen europäischen Fußballligen noch nicht gegeben. Das schafft nicht mal Gary Lineker in England.
"Ich weiß, dass Oliver Kahn lügt" – so hat es Matthäus gesagt und auch wenn er die Umstände der Äußerung inzwischen relativiert hat, bleibt Matthäus dabei, dass die beiden Pole "Kahn" und "Wahrheit" sich in der Sache mit größter Heftigkeit abstoßen.
Wo bleibt die Unterlassungsklage, Herr Kahn?
Wer Oliver Kahn und sein Management kennt, weiß, dass keine zwölf Stunden später eine einstweilige Verfügung auf Unterlassung im Postfach von Loddar liegen müsste, doch dazu ist bis jetzt nichts bekannt.
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Oliver Kahn (Mitte) lässt im Gespräch mit Lothar Matthäus (re.) und Sebastian Hellmann (li.) Dampf ab
Fotocredit: Imago
"Kahn lügt" ist eine Tatsachenbehauptung, sie stimmt entweder oder sie stimmt nicht. Sollte Kahn also keine Unterlassung fordern, dann wohl deshalb, weil Matthäus, der seine Informanten nicht offenlegte, so wie es jeder gute Investigativ-Reporter tun würde, offenbar ziemlich richtig liegt. Das allerdings wäre dann doch die ein oder andere Nachfrage der großen Leitmedien beim immer noch recht frischen Bayern-Boss wert, der ja immerhin einem Gewerbe vorsteht, das sich Millionen zum Vorbild genommen haben.
Der CEO des größten deutschen Fußballklubs, der öffentlich die Unwahrheit sagt, ist das hinnehmbar?
Der Klub leckt - Oliver Kahn interessiert es nicht
Wie war es wirklich? Fakt ist, dass Nagelsmann zuerst aus der Öffentlichkeit von seiner Entlassung erfahren hat und nicht von den Bayern. Das bestreiten selbst die Bayern nicht. Nur wer die Nachricht durchgestochen hat, da habe man leider so gar keine Ahnung, man hatte "keinen Kontakt zu irgendwelchen Medien", sagt Kahn.
Das stimmt: Nicht "Medien", sondern ein italienischer Transferinfluencer hatte die Nagelsmann-News enthüllt, die genau zwei Menschen vor allem kannten: Oliver Kahn und sein "Sancho Pansa" Hasan Salihamidzic.
Wer also hätte die Nachricht durchstoßen können außer den beiden, die sie exklusiv kannten? So erklärt sich auch, dass die Bayern kein Interesse daran haben, herauszufinden, wer in ihren exklusivsten Reihen Interna nach draußen gibt – eigentlich ein Kündigungsgrund. Für Oliver Kahn macht die Suche nach dem Leck "wenig Sinn", sagt er.
Erstaunlich, oder?
Die ganze Stillosigkeit des FC Bayern
Fast noch abenteuerlicher wird es, wenn Oliver Kahn von seinen Versuchen erzählt, Nagelsmann von seiner Kündigung zu unterrichten. "Sie möchten doch nicht einem Trainer am Telefon sagen, dass sie sich von ihm trennen wollen. Das ist nicht mein Stil!", sagt Kahn.
Richtig, das will man natürlich nicht. Das wäre ja schäbig. Das hat Boris Becker mal gemacht, Schluss per SMS, mit seiner Lilly, um sie später dann doch noch zu ehelichen, Scheidungskrieg inklusive. Dann doch lieber über die Öffentlichkeit, das hat Stil! Wenn aber stimmt, dass Kahn Nagelsmann erst nach seiner Rückkehr aus dem Skiurlaub persönlich unterrichtet hat, zu einem Zeitpunkt, als Tuchel als Nachfolger längst genannt war, dann ist die einzig schlüssige Erklärung, dass man sich erst Tuchels Ja-Wort einholte um dann Nagelsmann loszuwerden.
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Oliver Kahn legt im Disput mit Lothar Matthäus nach
Fotocredit: Imago
Kahn dementiert, wie es wirklich war, sagt er nicht. Man stelle sich nur mal vor, Tuchel hätte nein gesagt, weil er ein derart skrupelbefreites Spiel aufgrund ähnlich gemachter Erfahrungen in Chelsea oder Paris ablehnt, Nagelsmann wäre heute noch Bayerntrainer. Irre, nicht? Alles zum "Kahn-Stil" übrigens in "Kahns Märchen", ab Ende April druckfrisch im Bayernshop als veredelte … Ach so, hatte ich schon ...
Kahns märchenhafte Erzählungen
Man kann von Lothar Matthäus halten was man will, aber dass er den offenen Widerspruch wagte gegen ein Schwergewicht wie Kahn, in einem Metier, das sich allzu gerne Schummeleien und Schlimmeres als Wahrheiten auftischen lässt, dafür möchte ich ihn heute gerne für den nächsten Grimme-Preis nominieren. Nicht zu verwechseln übrigens mit dem Grimm-Preis der gleichnamigen Gebrüder: den bekommt natürlich Märchenonkel Oliver Kahn.
Zur Person: Thilo Komma-Pöllath:
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog "Der LIGAstheniker" das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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Tuchel nach Traumstart erleichtert: "War sehr nervös"
Quelle: SID
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