FC Bayern München - Geduldsspiel mit Mathys Tel und Thomas Tuchel: Wann hebt der Coach den Daumen?

Mit Mathys Tel steht beim FC Bayern München eines der größten Sturmtalente der Bundesliga unter Vertrag. Allerdings zögerte Trainer Thomas Tuchel in der vergangenen Saison noch, den 18-Jährigen trotz starker Leistungen über 90 Minuten einzusetzen - wofür er gute Argumente hat. Dennoch müssen sich der Klub und der Angreifer Gedanken machen, wie es weitergeht. Es ist auch eine Frage der Geduld.

Mathys Tel vom FC Bayern München

Fotocredit: Getty Images

Vor ein paar Tagen gab Mathys Tel auf der Bayern-Homepage ein bemerkenswertes Interview, sein erstes auf Deutsch, wie der Verein stolz verkündete. Der junge Franzose sprach über seine Familie, die Kollegen, die Stadt. Kurz vor Ende des Gesprächs fiel der sportlich entscheidende Satz: "Natürlich möchte ich hier mehr spielen."
Nun sind 28 Saison-Pflichtspiele für einen, der erst im April 18 Jahre alt wurde, stattlich. Allerdings: Über 90 Minuten dufte Tel nicht ran bei den Bayern, weder unter Julian Nagelsmann noch unter dessen Nachfolger Thomas Tuchel.
Bei seinen vielen Kurzeinsätzen, die Tel für immerhin fünf Bundesliga-Tore nutzte, machte er einen formidablen Eindruck. Gerade in der schwierigen und holprigen Rückrunde hätte es gute Gründe gegeben, ihn häufiger einzusetzen.
Einerseits. Andererseits stelle sich "die Frage, ob man ihm einen Gefallen tut, ihn reinzustellen, ihm den Rucksack zu geben, dass er der Heilsbringer sein soll", sagte Tuchel in der finalen Phase der Saison. Es gebe einfachere Situationen für einen erst 18-Jährigen. Ein nachvollziehbares Argument.

Tel und die Bayern an einem entscheidenden Punkt

Und doch scheint es so, als ob Tel und die Bayern schon in diesem Sommer an einem entscheidenden Punkt ihrer Zusammenarbeit stehen: Bekommt er in der kommenden Spielzeit die Chance, sich in der Startelf zu etablieren? Wie verträgt sich diese Variante mit dem Plan, einen neuen Weltklasse-Mittelstürmer mit Erfahrung zu verpflichten? Wäre eine Leihe oder ein weiteres Jahr als Reservist beim FCB sinnvoller für Tel?
Da ist zunächst die Rolle des Junioren-Nationalspielers. Bei den Bayern absolvierte er das Gros seiner Partien als zentraler Mittelstürmer, seiner Wunschposition. Erfolgreich verliefen auch die vier Flügelauftritte, zweimal auf links, zweimal auf rechts. Tel entwickelte von außen Tordrang, traf in diesen vier Pflichtspielen dreimal.
Mit Kingsley Coman, Serge Gnabry, Sadio Mané und Leroy Sané ist die Konkurrenz auf den Flügeln aber (fast) übermächtig - was für eine Zukunft als Neuner spricht. "Ich bin Stürmer, will viele Tore schießen. Darum bringe ich immer viel Energie auf den Platz", so Tel.

Bayern auf Stürmersuche, Choupo-Moting verlängert

Als Mittelstürmer spielt bislang Eric Maxim Choupo-Moting die erste Geige. Der 34-Jährige machte seine Sache gut, der Vertrag wurde um ein Jahr verlängert. Parallel dazu suchen die Bayern auf dem Transfermarkt einen zentralen Angreifer von Weltklasseformat.
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Bayern-Angreifer Eric Maxim Choupo-Moting (li.) und Mathys Tel (re.)

Fotocredit: Getty Images

Namen wie Victor Osimhen, Dusan Vlahovic oder Randal Kolo Muani und Ablösesummen von bis zu 100 Millionen Euro werden oder wurden kolportiert. Man muss kein Insider sein, um zu erahnen, was diese Gemengelage für die Zukunftsperspektive eines 18-jährigen Talents bedeutet.

Wechsel auf Leihbasis? Arp das warnende Beispiel

Der Schritt, auf Leihbasis zu wechseln, ist riskant. In jüngerer Vergangenheit zeigte sich dies bei Jann-Fiete Arp. Der Stürmer kam 2019 mit 19 Jahren vom HSV nach München, galt als extrem talentiert. Nachdem es in der ersten Mannschaft einzig zu einem 13-minütigen Einsatz im Pokal reichte, wurde Arp an den Zweitligisten Holstein Kiel ausgeliehen.
Dauerhaft durchsetzen konnte er sich dort nicht, sodass die Bayern den Offensivspieler zur Saison 2022/2023 an Kiel verkauften, wo ihm in der abgelaufenen Spielzeit in 27 Pflichtpartien nur ein Tor gelang.
Tel ist schon jetzt einige Schritte weiter als damals Arp, der im Unterschied zum Franzosen bei den Bayern nie Bundesliga-Luft schnupperte und folglich kaum Werbung in eigener Sache betreiben konnte.

Tel beeindruckt von Kimmich und Mané

Tuchel mag sich öffentlich bislang zurückhaltend über den Angreifer geäußert haben, dennoch gibt es mehr Argumente für einen Verbleib an der Säbener Straße als für eine Leihe. Sportliche wie private.
Er könne von den Teamkollegen eine Menge lernen, betonte Tel. Die "Professionalität und der Ehrgeiz" von Joshua Kimmich seien beeindruckend, die "Technik von Mané unglaublich". Darüber hinaus erlebe er München als "gute Stadt für mich und meine Familie".
An einer Charaktereigenschaft müsste er aber zeitnah arbeiten, wenn er weiter das rote Trikot tragen will - denn Tel gab zu: "Ich bin manchmal zu ungeduldig."
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Quelle: Perform

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