FC Bayern München gewinnt in Wolfsburg: Joshua Kimmich sieht Gelb-Rot – Zaubertor von Jamal Musiala

Der FC Bayern München hat seine Remis-Serie in der Bundesliga beendet und die Tabellenführung zurückerobert. Die Mannschaft von Trainer Julian Nagelsmann gewinnt 4:2 (3:1) beim VfL Wolfsburg. Die Bayerntore erzielen Kingsley Coman (9., 14.), Thomas Müller (19.) und Jamal Musiala (73.), für die Wölfe treffen Jakub Kaminski (44.) und Mattias Svanberg (81.). Joshua Kimmich fliegt vom Platz (54.).

Jamal

Fotocredit: Getty Images

Niko Kovac konnte im Spiel gegen seinen Ex-Klub aus dem Vollen schöpfen, tauschte nach der Pokal-Niederlage (1:2 bei Union Berlin) seine Startelf auf fünf Positionen: Koen Casteels (für Pavao Pervan) kehrte ins Tor zurück. Zudem starteten Sebastian Bornauw, Felix Nmecha, Patrick Wimmer und Jonas Wind für Joshau Guilavogui, Yannick Gerhardt, Omar Marmoush und Luca Waldschmidt.
Ganz anders die Lage beim FC Bayern. Nach dem Pokalerfolg in Mainz (4:0) kehrte beim Meister keine Ruhe ein. Erst sorgte das Interview von Manuel Neuer für eine äußerst gestörte Vorbereitung auf das Spiel, mit Eric Maxim Choupo-Moting und Dayot Upamecano fielen auch zwei Leistungsträger aus. So kehrten Leon Goretzka und Alphonso Davies in die Startelf zurück.
Die Hausherren begannen aggressiv und mutig gegen Münchner, die aufgrund der Ausfälle von der im Pokal erfolgreich praktizierten Abwehr-Dreierkette zum gewohnten 4-2-3-1 zurückkehrten.
Wolfsburg setzte auf dieselbe Taktik, die auch Leipzig und Köln schon erfolgreich umsetzten: Wimmer agierte als Bewacher von Kimmich und nahm so den Taktgeber des Rekordmeisters aus dem Spiel. So mussten die Bayern früh über die Flügel kommen - und hatten damit früh Erfolg: Eine Flanke von Kingsley Coman landete ungehindert in der rechten Ecke (9.). VfL-Keeper Casteels, von Müller und van de Ven leicht irritiert, gab dabei eine unglückliche Figur ab.
Die Antwort der Wölfe folgte beinahe prompt, doch Mattias Svanberg verfehlte eine Hereingabe aus kürzester Distanz (13.). Danach zeigten sich die Bayern brutal effektiv, überspielten die erste Linie des VfL sehr schnell und kreierten so immer wieder Möglichkeiten: Erst erhöhte Coman per Volleyschuss auf 2:0 (14.), dann stellte Thomas Müller in seinem 427. Bundesligaspiel für die Bayern (gemeinsamer Rekord mit Gerd Müller) per Kopfball auf 3:0 (19.).
Im weiteren Verlauf hatte ein dominanter Rekordmeister die Partie voll im Griff. Die Wölfe kamen nur zu Möglichkeiten, wenn sich die Bayern Unkonzentriertheiten in der Defensive leisteten. So sah sich Kovac nach einer halben Stunde zu einer ersten Umstellung gezwungen: Der Trainer brachte Jakub Kaminski (für Lacroix) und stellte auf Viererkette in der Abwehr um (30.). Dieser Wechsel sollte sich bezahlt machen, denn der Joker traf kurz vor dem Pausenpfiff zum 1:3-Anschlusstreffer (44.).
Auch im zweiten Durchgang blieben die Wölfe am Drücker, während die Gäste die nötige Schärfe vermissen ließen und immer wieder haarsträubende Fehlpässe einbauten. Nach der vermeintlich beruhigenden 3:0-Führung ließen es die Bayern zu gemütlich angehen. So hätten Mike van de Ven (50.) und erneut Svanberg (52.) auf 2:3 stellen können bzw. müssen.
Die Wolfsburger Hoffnung sollte neue Nahrung erhalten, nachdem Joshua Kimmich nach einem taktischen Foul an Maximilian Arnold mit Gelb-Rot vom Platz gestellt wurde (54.). Die Bayern standen von nun an tief und überließen dem VfL das Spielfeld. Die Wolfsburger hatten sich längst ein Übergewicht erspielt und hatten gute Möglichkeiten, ließen jedoch beste Chancen ungenutzt, wie Ridle Baku per Kopfball aus fünf Metern (61.).
Im weiteren Verlauf agierten die Bayern recht clever, verteidigten mal hoch, mal tief, während den Wölfen nicht mehr viele Ideen einfielen. So hatten die Gäste selbst die eine oder andere Kontermöglichkeit, ließen aber selbst Zielstrebigkeit vermissen. So blieb die Partie spannend - ehe Jamal Musiala zu seiner großen Solo-Show einlud. Der Youngster ließ gleich sieben (!) Wölfe stehen und traf trocken rechts unten - die Entscheidung zum 4:1 (73.).
Nach dem 2:4 durch Svanberg keimte noch einmal Hoffnung im Lager der Wölfe auf, doch Wolfsburg machte zu wenig aus der rund 40-minütigen Überzahl, ließ gute Gelegenheiten ungenutzt und war in der Defensive nicht immer auf der Höhe. Dennoch hätte es nochmal richtig spannend werden können, nachdem der kurz zuvor eingewechselte Gerhardt zum vermeintlichen 3:4 traf. Doch Schiedsrichter Harm Osmers entschied auf Stürmerfoul von Baku an Goretzka (84.).

Die Stimmen zum Spiel:

Thomas Müller (FC Bayern München): "Der Spielverlauf war schon so, dass es zur Arbeit wurde. Wir haben das 3:1 kassiert kurz vor der Pause. Da weiß man, mit jedem weiteren Gegentor wird es eng. In der zweiten Halbzeit hat uns die Gelb-Rote Karte nicht gerade Auftrieb gegeben. Das 4:1 war extrem wichtig. Am Ende haben wir es weggearbeitet. Es war viel drin. Man hat gesehen, dass wir diese Gier hatten, gewinnen zu wollen. Wir hatten einen perfekten Start, haben aber auch viel Optimierungspotenzial. Wir haben heute auch ein Spiel der Trainer gesehen. Wolfsburg hat nicht so gespielt, wie wir erwartet hatten. Dann haben wir umgestellt und Wolfsburg musste reagieren. In der zweiten Halbzeit waren wir etwas klarer, aber die Gelb-Rote Karte verändert natürlich einiges. Am Ende nehmen wir den Sieg mit. Ich denke, er war absolut verdient."
Joshua Kimmich (FC Bayern München): "Ich glaube, es wurde in den letzten Spielen immer mehr mit der Manndeckung. Dadurch musste ich mir mehr einfallen lassen, aber es ist schwer, ins Spiel zu kommen und das Spiel mit Blick nach vorne zu gestalten, wenn man ständig einen im Rücken hat. Beim ersten Foul lass ich mich dazu hinreißen und provozieren. Beim zweiten Foul weiß Maxi (Arnold, Anm. d. Red.) natürlich, dass ich schon Gelb habe. Wenn ich ihn ziehen würde, würde der Arm nach unten gehen. Aber überhaupt kein Vorwurf an Maxi. Wenn der Schiedsrichter auf Freistoß entscheidet, weiß ich auch nicht, ob er zwingend Gelb geben muss. Für mich war es sehr wenig. (...) Am Ende des Tages müssen wir uns auf Sportliche konzentrieren, das haben wir heute gemacht. Wenn wir die Spiele gewinnen, werden die Unruhen drumherum natürlich geringer."

Der Tweet zum Spiel:

Thomas Müller bestritt in Wolfsburg sein 427. Bundesligaspiel für den FC Bayern. Mit dieser Partie zieht der Ur-Bayer mit einem gewissen Gerd Müller gleich. Beide Müller sind nun Bayerns Bundesliga-Rekordspieler. Der Weltmeister von 2014 krönte diesen Rekordeinsatz mit seinem 140. Treffer in der Liga. Auch die Bilanz kann sich sehen lassen: 307 Siege, 73 Unentschieden und 47 Niederlagen.

Das fiel auf: Kimmich in Manndeckung - ein neuer Bundesliga-Trend?

Leipzig und Köln machten es in den letzten Wochen bereits vor, Wolfsburg zog nach: Joshua Kimmich wurde erst von Patrick Wimmer, nach der Wolfsburger Umstellung von Svanberg in Manndeckung genommen. So wurden die Kreise des Spielgestalters stark eingeschränkt. Ohne die Seitenverlagerungen und die gefürchteten Chipbälle hinter die Abwehr fehlte den Bayern eine große Stärke. Kimmich nahm quasi kaum am Spiel teil, hatte in der ersten Halbzeit die wenigsten Ballkontakte (27) aller Bayernspieler. Selbst Keeper Yann Sommer hatte mehr (29). Zum Vergleich: Im Schnitt kommt der Sechser auf 99,89 Ballkontakte pro Ligaspiel. Doch die Bayern hatten eine passende Antwort, überspielten schnell die erste Verteidigungslinie der Wolfsburger und kamen so mit viel Tempo in Richtung VfL-Gehäuse. Für Kimmich war es dennoch ein gebrauchter Tag, der Nationalspieler flog mit der Ampelkarte vom Platz.

Die Zahl zum Spiel: 30

Der VfL Wolfsburg ist so etwas wie der Lieblingsgegner der Bayern. Der Rekordmeister ist nun seit 19 Pflichtspielen (17 Siege, 2 Remis) gegen die Wölfe ungeschlagen. Der letzte Wolfsburg-Sieg datiert vom 30.01.2015 (4:1). In den letzten 30 Duellen trafen die Bayern stets das Tor. Gegen keine andere Mannschaft ist dem Rekordmeister jemals so eine Serie gelungen. Den Bundesliga-Rekord hält übrigens Bayer 04 Leverkusen mit 35 Spielen mit Torerfolg gegen einen Gegner: den VfL Wolfsburg!
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Quelle: Perform

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