FC Bayern München kassiert bittere Pleite in Augsburg: Rekordmeister seit vier Spielen sieglos

Nächster Ausrutscher in der Liga - und was für einer! Der FC Bayern München hat das Auswärtsspiel am 7. Bundesliga-Spieltag in Augsburg 0:1 (0:0) verloren. Die Fuggerstädter machten dem Rekordmeister von Beginn an das Leben schwer und belohnten sich nach der Pause in Person von Mërgim Berisha (59.). Damit sind die Münchner in der Liga seit nunmehr vier Spielen sieglos.

Sadio Mané vom FC Bayern München

Fotocredit: Getty Images

Nach dem immens wichtigen 1:0-Auswärtssieg bei Werder Bremen gab es für FCA-Trainer Enrico Maaßen keinen Grund, etwas an der Startelf zu ändern. Der Münchner 2:0-Sieg über den FC Barcelona war teuer erkauft: So zogen sich die drei französischen Verteidiger Benjamin Pavard, Dayot Upamecano und Lucas Hernández Blessuren zu. Während letzterer mehrere Wochen mit einem Muskelbündelriss ausfällt und durch Matthijs de Ligt ersetzt wurde, waren die anderen beiden wieder einsatzbereit. Dennoch saß Pavard auf der Bank, auf der sich auch Marcel Sabitzer wiederfand. Noussair Mazraoui und Leon Goretzka starteten.
Die Augsburger begannen sehr mutig, zweikampfbetont und suchten von Beginn an den Weg nach vorne. Die Bayern waren um Kontrolle bemüht, sodass es anfangs sehr hektisch zuging. Die Bayern wurden spielerisch stärker, doch die erste Chance gehörte Florian Niederlechner, der an Manuel Neuer scheiterte (12.). Im Gegenzug scheiterte Sadio Mané an Rafal Gikiewicz (13.). Wenig später fand auch Leroy Sané seinen Meister in Gikiewicz (17).
Nach kurzer Anlaufzeit waren die Bayern spielerisch natürlich überlegen, doch erneut betrieb der Rekordmeister Chancenwucher. Die Augsburger blieben ihrer Linie treu, attackierten sehr hoch, was die Bayern immer wieder zu schnellen Umschaltmomenten einladen sollte. Dennoch hatten hellwache Augsburger gegen zum Teil vogelwild verteidigende Bayern die nächsten Möglichkeiten: Erst prüfte Niederlechner Neuer (24.), dann vergaben Maximilian Bauer und Ermedin Demirovic eine Doppelchance (26.). Der Rekordmeister wurde zum Teil im eigenen Strafraum angelaufen, hatte selten Struktur und wirkte oft glücklos.
Auf der anderen Seite zeigten die Augsburger ihre bis dato beste Saisonleistung. Vorne im Sturm sehr agil, im Mittelfeld äußerst griffig und in der Abwehr hellwach. Die Bayern mussten alles in die Waagschale werfen. So sahen die Zuschauer in der WWK-Arena ein sehr kurzweiliges Derby – und beinahe das Augsburger 1:0: Nach einem kurz ausgeführten Freistoß tauchte Bauer völlig frei im Fünfmeterraum auf, köpfte jedoch über den Kasten (39.).
Die Bayern kamen weitaus besser aus der Pause, hatten mehr vom Spiel, konnten sich der Manndeckung des FCA aber nicht entziehen. Zudem wurden viele Angriffe dem Zufall überlassen. Erneut war dieser Auftritt nicht Bayern-like. Auf der anderen Seite glaubten die Augsburger an ihre Chance und gingen nicht unverdient durch Mergim Berisha in Führung – 1:0 für den Außenseiter (59.).
Bei den Bayern machten sich im weiteren Verlauf Wut und Frust breit. Nur selten kam der Rekordmeister wirklich gefährlich vor den Kasten von Gikiewicz. Doch der polnische Keeper erwischte wieder einen Sahnetag, parierte stark gegen Müller (61.) und Sané (72.).
Auch in der Schlussphase blieb der Sturmlauf der Bayern aus, zu ideenlos wirkte das Offensivspiel des Rekordmeisters. Augsburg verteidigte leidenschaftlich und brachte immer irgendwie einen Fuß dazwischen. Dramatisch wurde es in der Schlussminute: Der nach vorne geeilte Manuel Neuer kam zum Kopfball, doch Gikiewicz reagierte sensationell und kratzte das Spielgerät von der Linie. So blieb es beim nicht unverdienten 1:0-Sieg für die Fuggerstädter.
Für den FC Bayern bedeutete dies zugleich die erste Saisonniederlage und das vierte sieglose Ligaspiel in Folge. Die Liga-Krise spitzt sich weiter zu. Nach der Länderspielpause geht es für die Bayern mit einem Heimspiel am Freitagabend (30.09.) gegen Leverkusen weiter. Augsburg gastiert sonntags auf Schalke.

Stimmen zum Spiel:

Rafal Gikiewicz (FC Augsburg): "Wir mussten gegen den Ball viel laufen. Die Bayern hatten heute Probleme, einen Treffer zu erzielen. Wir sind sehr glücklich, es war eine gute Teamleistung. Wir haben viel Druck, aber ohne Druck kann man den FC Bayern nicht schlagen. Wir hatten nichts zu verlieren. Nur mit etwas Risiko kann man Bayern schlagen."
Stefan Reuter (Geschäftsführer Sport FC Augsburg): "Extrem wichtig. Ein großes Kompliment an meine Mannschaft, mit welcher Leidenschaft sie draufgegangen sind. Dass man gegen Bayern auch das nötige Quäntchen Glück braucht und man Phasen hat, in denen man tief steht, war klar. Aber wir hatten auch noch nie so viele Chancen gegen Bayern München wie heute. Schon in der ersten Halbzeit hätten wir 1:0 in Führung gehen können, das ist uns leider nicht gelungen. Du musst als Mannschaft leidenschaftlich kämpfen gegen Bayern München und das haben sie heute getan. Sie haben sich mit dem Sieg belohnt. Rafal Gikiewicz hält überragend. In Bremen hat er in der Nachspielzeit den Elfmeter gehalten und spielt eine überragende Saison."
Enrico Maaßen (Trainer FC Augsburg): "Er (Rafal Gikiewicz, Anm. d. Red.) hat eine überragende Phase. Was er Woche für Woche für Leistungen zeigt, ist sensationell. Was er heute für Bälle gehalten hat, ist unglaublich. Ich finde auch, dass er sich mit dem Fuß richtig weiterentwickelt hat. Er hat einen großen Anteil daran, dass wir das Spiel heute gewinnen konnten."
Thomas Müller (FC Bayern): "Nach vier Spielen ohne Sieg, da stehen wir etwas fassungslos und bedröppelt, das Wetter passt dazu. Es wurde immer dunkler, das ist gerade auch unsere Gefühlswelt. Ich kann Ihnen nicht viel Positives erzählen, wenn man 0:1 verliert. Natürlich haben wir sehr viele Chancen kreiert, aber wenn man die nicht rein macht, dann stehen wir hier tatsächlich mit null Punkten. Bezeichnend auch die letzte Aktion, als Manuel Neuer fast sein erstes Tor macht. Aber der Rafal Gikiewicz war heute auch gut drauf."
Hasan Salihamidzic (Sportvorstand FC Bayern): "Wir haben seit vier Spielen in der Bundesliga nicht mehr gewonnen, haben von zwölf möglichen Punkten nur drei geholt, daher bin ich schon etwas beunruhigt. Ich weiß schon, wie das heute wieder war, haben in Augsburg verloren, hatten natürlich unter der Woche Champions League, aber so wie wir heute gespielt haben, kann man in der Bundesliga nicht gewinnen. Wir haben die Situationen nicht konzentriert zu Ende gespielt, nicht mit einer gewissen Gier zu Ende gespielt und haben auch einige Chancen zugelassen und nicht zu Ende verteidigt. Und so können wir nicht in der Bundesliga gewinnen. Wir haben gegen Barcelona auch einige Möglichkeiten gegen uns gehabt. Wir haben brutale Probleme gegen Mannschaften, die körperlich gegen uns spielen, die uns sozusagen auf die Socken hauen. Wie schon gesagt, wenn wir diese gewisse Disziplin, Gier und Körperlichkeit nicht bringen, können wir in der Bundesliga nicht gewinnen. Jetzt gibt es keine Ausreden mehr, jetzt müssen Siege her."

Das fiel auf: Ist Bayerns-DNA entschlüsselt?

Was waren das doch furiose Spiele, die die Bayern zu Beginn der Saison ablieferten. Doch seit nun vier Wochen ist ordentlich Sand im Getriebe. Die Mannschaften wissen nun, wie sie gegen Bayern agieren müssen. Mit Mut zum Risiko, viel Leidenschaft und Kampfbereitschaft kann man diesen Münchnern das Leben richtig schwer machen. Während es bei den Bayern zumindest in der Königsklasse bisher läuft, blüht Julian Nagelsmann nun ein heißer Herbst. Die Bayern agieren in der Liga oft zu sorglos in der Abwehr, in der Offensive überlässt man vieles dem Zufall oder der zweifelsohne vorhandenen individuellen Klasse. Schon Borussia Mönchengladbach hat es vorgemacht, Union, Stuttgart und Augsburg machten es nach. Diese Bayern sind zu knacken!

Tweet zum Spiel:

Der FC Bayern kann wohl froh sein, dass sie nicht öfters gegen Mergim Berisha spielen. Zum dritten Mal kam Berisha nun gegen die Bayern zum Einsatz, zum dritten Mal konnte sich der Augsburger Neuzugang in die Torschützenliste eintragen. Schon 2020 traf der Stürmer, damals noch im Salzburger Trikot, in beiden Champions-League-Spielen jeweils einmal. Gingen diese Partien noch verloren (2:6, 1:3), konnte sich Berisha diesmal über drei Punkte freuen.

Die Zahl zum Spiel: 17

Eigentlich hätte man sich schon im Vorfeld denken können, dass dieses Derby nicht unentschieden endet. Der FC Augsburg kann das nämlich nicht. Bereits seit 17 Spielen "wartet" der FCA auf ein Remis. Das letzte Unentschieden datiert vom 27. Februar beim 1:1 gegen Borussia Dortmund. Seitdem gab es nur Siege und Niederlagen für die Fuggerstädter.
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Quelle: Perform

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