FC Bayern München: Last-Minute-Titel mit Verdauungsbeschwerden - Thomas Tuchel feiert "unbeschreiblichen" Titel
Publiziert 27/05/2023 um 22:31 GMT+2 Uhr
Jamal Musiala sichert den Bayern mit seinem Treffer in der 89. Minute am Ende doch wieder die deutsche Meisterschaft. Dank des Dortmunder 2:2 gegen Mainz feiern die Münchner ihren elften Titel in Folge. Richtig genießen konnte Thomas Tuchel das glückliche Ende des atemberaubenden Saisonfinales allerdings nicht. Die Entlassungen von Oliver Kahn und Salihamidzic liegen ihm schwer im Magen.
Tuchel: "Politisches Thema trübt extreme Meisterschaft"
Quelle: Perform
Thomas Tuchel wusste nicht so recht, was er machen sollte.
Gerade war der Cheftrainer der Bayern von Thomas Müller gedrückt und übermütig in die Luft gehoben worden - und nun war er erst mal wieder allein mit sich. Mit der frisch gewonnenen Meisterschaft wusste Tuchel in dem Moment offenkundig noch nicht viel anzufangen.
Offensivkraft Müller war gerade zu seinen Teamkollegen in die nordöstliche Ecke des Kölner Stadions zu den Münchner Fans gestürmt, als Tuchel erst einmal verlegen sein weißes Käppi abnahm, sich das Haar glatt strich und seine Kopfbedeckung wieder aufsetzte.
Wenig später ging er ein paar Meter weiter, setzte sich auf eine Bande und sah seinen Spielern beim Feiern zu.
Tuchel applaudiert dem Gegner
Als erstes segelte dort das grüne Trikot von Ersatztorwart Sven Ulreich in hohem Bogen in den Pulk der entzückten Anhängerschaft. In dem Moment erhob sich Tuchel auf seinem 25 Meter entfernten Beobachtungsposten, machte zwei zögerliche Schritte hin zu den bajuwarischen Kickern und entschied sich dann doch für eine Kehrtwende Richtung Platzmitte.
Dorthin, wo die Kölner gerade Spalier standen, um ihre Klub-Ikonen Jonas Hector und Timo Horn zu verabschieden.
Keeper Horn, der im Januar 2022 seinen Stammplatz an Marvin Schwäbe verloren hatte, sieht sich nach 21 Jahren bei dem Geißbockklub nach einem anderen Arbeitgeber um. Kapitän Hector dagegen beendete seine Karriere an seinem 33. Geburtstag. Nach 13 Jahren beim FC, mit dem er als Nationalspieler 2018 sogar den Gang in die zweite Liga antrat. Und Thomas Tuchel applaudierte dazu.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2023/05/27/3713159.jpg)
Jonas Hector beendet seine Karriere
Fotocredit: Getty Images
Kabinenbesuch von Hainer und Salihamidzic
Mit Müller an der Spitze kamen kurz darauf auch die Bayern-Spieler angestürmt, um Hector und Horn angemessen zu verabschieden. Doch vor allem Übungsleiter Tuchel konnte den 2:1-Erfolg seiner Mannschaft, der den Bayern dank des Dortmunder 2:2 gegen Mainz in einem atemberaubenden Saisonfinale den 33. Meistertitel bescherte, nicht wirklich genießen.
Denn im Gegensatz zu den Münchner Profis wusste der 49-Jährige da längst, was die Kicker des frisch gebackenen Meisters wenig später in der Kabine von Präsident Herbert Hainer und Hasan Salihamidzic erfuhren.
Die Botschaft des Duos: Vorstandschef Oliver Kahn und Sportvorstand Salihamidzic selbst müssen ihre Schreibtische an der Säbener Straße räumen.
Der scheidende Finanz-Vorstand Jan-Christian Dreesen beerbt Kahn, der die Reise in die Domstadt gar nicht erst mit angetreten hatte. Via Twitter gratulierte der 53-Jährige dem Team zur Meisterschaft, grollte aber auch: "Ich würde gerne mit euch mitfeiern, aber leider kann ich heute nicht bei euch sein, weil es mir vom Club untersagt wurde."
Tuchel fordert mehr Ruhe und Dominanz
Das Bosse-Beben beim FCB wirft einen dunklen Schatten auf die Meisterschaft. "Unbeschreiblich", sagte Tuchel über das dramatische Saisonfinale in Köln, bei dem Einwechselkraft Jamal Musiala die Gäste mit seinem feinen Treffer in der 89. Minute zum Titel schoss - fügte aber im nächsten Atemzug hinzu: "Trotzdem haben wir hier auch ein politisches Thema, das trübt es ein bisschen ein."
Gefolgt von der Forderung: "Wir müssen ruhiger, zielgerichteter, dominanter werden. Im ganzen Klub, und auch in der Mannschaft."
/origin-imgresizer.eurosport.com/2023/05/27/3713068.jpg)
Jamal Musiala erzielte den entscheidenden Treffer
Fotocredit: Imago
Für den Konkurrenten aus Dortmund, der erst am vergangenen Wochenende im Tableau an den Münchnern vorbeigezogen war, um im Endklassement nun doch wieder auf den zweiten Platz abzurutschen, hatten die Bayern auch ein Wort des Trostes übrig.
"Ich entschuldige mich auf keinen Fall dafür, dass wir Meister geworden sind und dass wir uns darüber freuen. Aber wenn man an die anderen denkt und die Perspektive mal wechselt, tut es mir schon leid. Ich will mich da auch gar nicht unbedingt als großherzig oder sonst was hinstellen. Aber das ist schon hart", betonte Müller, ehe er sich dem frisch errungenen Meistertitel zuwandte.
Müller und seine "verrückteste Meisterschaft"
Zwölfmal durfte der Weltmeister von 2014 die berühmte Salatschüssel inzwischen in die Höhe recken, ist damit Rekordhalter in dieser Wertung.
"Die emotionalste Meisterschaft war vielleicht meine erste. Aber ich glaube, das hier war die verrückteste", präsentierte Müller seine persönlichen Vorlieben in Sachen Trophäensammlung und gab einen Einblick in sein aktuelles Befinden: "Ich weiß nicht, ob man das messen kann, was die Bauchspeicheldrüse da so ausschüttet."
Tief in seinen eigenen Gedanken versunken war dagegen Tuchel.
Der Bayern-Coach, der von der Entlassung von Kahn und Salihamidzic am Freitagnachmittag erfahren hatte, ließ in Köln-Müngersdorf noch einmal die letzten 24 Stunden Revue passieren und sagte nachdenklich: "Dieses Spiel hier, kulminiert mit der Rede vorhin in der Kabine - das ist viel. Und das muss die Mannschaft erst einmal verdauen."
Das könnte Dich auch interessieren: Hamann fassungslos wegen Kahn: "An Respektlosigkeit nicht zu überbieten"
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung