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FC Bayern München: Lothar Matthäus übt nach Aufreger-Interview scharfe Kritik an Manuel Neuer
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Publiziert 06/02/2023 um 14:48 GMT+1 Uhr
Lothar Matthäus ist mit Manuel Neuer nach dessen Aufreger-Interview in der "Süddeutschen Zeitung" hart ins Gericht gegangen. In seiner Sky-Kolumne "So sehe ich das" zeigte Matthäus zwar Verständnis dafür, dass Neuer enttäuscht sei. Jedoch kreidete er ihm mangelnde Selbstkritik, übertriebene Wortwahl und fehlende Loyalität gegenüber seinem Verein an. Sogar ein Abschied vom FC Bayern stehe im Raum.
Lothar Matthäus
Fotocredit: SID
Deutschlands Rekordnationalspieler Lothar Matthäus ist schwer enttäuscht von Bayern Münchens Kapitän Manuel Neuer. Das bekräftigte er in seiner "Sky"-Kolumne. Das Tischtuch zwischen Neuer und dem FC Bayern sei "mehr als zerschnitten". Neuer habe sich mit seinen Aussagen "über den Verein gestellt". Zudem bezeichnete Matthäus das Verhalten des Bayern-Torwarts als "absolutes No-Go". Als Kapitän sei er nicht mehr tragbar, auch eine Trennung stehe nun im Raum.
Der 36-Jährige hatte in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" und "The Athletic" kein gutes Haar an den Verantwortlichen des FC Bayern gelassen. Seine Enttäuschung über die Entlassung des Torwart-Trainers und Neuer-Vertrauten Toni Tapalovic hatte er mit emotionalen Worten zum Ausdruck gebracht: Diese sei "das Krasseste, was ich in meiner Karriere erlebt habe". Es habe ihm "das Herz rausgerissen", als er davon erfahren habe.
Matthäus zeigte einerseits Verständnis für Neuers Enttäuschung und betonte, dass er sich durch seine Leistungen mehr Macht und Einfluss als die meisten Spieler erarbeitet habe ("außergewöhnlicher Spieler, außergewöhnliche Rechte"). Das gebe dem Kapitän allerdings nicht das Recht, derart gegen den Verein schießen.
"Er war nicht Ski-Wandern oder Brötchen holen"
Der Sky-Experte vermisste in dem Interview des Bayern-Torwarts jegliche Selbstkritik. Er wies darauf hin, dass der 36-Jährige dem FC Bayern mit seiner Verletzung beim Skifahren bereits sehr geschadet habe. "Er war nicht Ski-Wandern oder Brötchen holen, sondern ist eine Piste hinab gefahren und hat sich dabei leider extrem verletzt." Neuer würde dies laut Matthäus auch Wochen nach dem Unfall immer noch verharmlosen.
Bitter für den FC Bayern sei, dass er in letzter Zeit permanent öffentliche Streitigkeiten mit seinen Stars austragen müsse. Beispiele dafür seien die Differenzen um die Wechsel von Robert Lewandowski und Niklas Süle sowie die jüngsten "Zickereien" wegen des Paris-Ausflugs von Serge Gnabry.
Auch er selbst habe mit der "Greenkeeper-Attacke" von Uli Hoeneß die Wut des Vereins bereits abbekommen. Dies zeige, "dass der Klub Dinge nur sehr schwer, wenn nicht gar überhaupt nicht verzeiht, durch die sie verletzt oder attackiert wurden". Philipp Lahm habe vor einigen Jahren für harte öffentliche Kritik am Verein eine hohe Geldbuße zahlen müssen. Neuers Verhalten sei jedoch viel schlimmer gewesen.
Die früheren Bayern-Bosse Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge hätten Differenzen schneller geregelt. Er hoffe, dass Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic das auch gelinge. Allerdings sei es in diesem Fall mit einem Gespräch nicht getan, da das Tischtuch zwischen Neuer und den Bayern-Verantwortlichen "mehr als nur zerschnitten" sei.
Besonders gestört habe ihn auch die übertriebene Wortwahl des Kapitäns. "Bei allem Verständnis: Es ist niemand gestorben, es ist kein Kind schwer krank, es ist die Trennung eines Mitarbeiters, dem er sehr nahe stand." Matthäus erinnerte hierbei an seine freundschaftlichen Verhältnisse mit seinen Ex-Trainern Udo Lattek, Jupp Heynckes und Ottmar Hitzfeld, mit denen er auch gerne länger zusammengearbeitet hätte.
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Manuel Neuer und Julian Nagelsmann
Fotocredit: Imago
"Das geht leider in diesem Beruf nicht"
Der Rekordnationalspieler stellte die Loyalität des Nationaltorwarts deutlich infrage: Neuer habe sich "über den Verein gestellt und das geht leider in diesem Beruf nicht". Man verdiene darin "unglaublich viel Geld" und müsse als Teil des Ganzen Regeln einhalten. Man dürfe eine Portion Egoismus an den Tag legen und seine Meinung sagen dürfen. "Aber die Kombination aus riskantem Skifahren, Unfall und Attacke-Interview ist ein absolutes No-Go."
Gerade aufgrund von Lewandowskis Abgangs und Neuers Verletzung sei die Bundesliga wieder spannend geworden. Der 4:2-Sieg gegen Wolfsburg zeige zwar die Stärke des Vereins. Dennoch müsse der FC Bayern personell nachlegen. Bei allem Respekt vor Eric Maxim Choupo-Moting brauche der Rekordmeister dringend wieder einen Weltklasse-Stürmer. Als gute Kandidaten stellte er Harry Kane, der ohnehin bei den Bayern heiß diskutiert wird, und Frankfurts Randal Kolo Muani in den Raum.
Im Tor sieht Matthäus die Bayern mit Yann Sommer gut besetzt. Man könne ihm für die nächsten Jahre vertrauen oder Dortmunds Gregor Kobel verpflichten. Sollte Neuer "jemals wieder für Bayern spielen, dann wird die Chemie zwischen ihm und dem Verein sowie Julian Nagelsmann nie wieder so sein wie zuvor".
Bezüglich Neuer und dessen Torwarttrainer und Freund Tapalovic fragte sich Deutschlands Rekordnationalspieler, ob sie möglicherweise zur nächsten Saison zusammen bei einem anderen Klub arbeiten könnten. Trotz seines Alters und seiner Verletzungen habe Neuer einen "riesengroßen Namen". Zuletzt machte der 61-Jährige ein Gedankenspiel über eine "romantische" Rückkehr Neuers zum FC Schalke 04. "Wobei, denen hat er ja mit seinem Wechsel nach München so richtig das Herz herausgerissen..."
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