Den ersten Titel der neuen Saison hat der FC Bayern im Sack. Beim 5:3-Sieg im Supercup gegen RB Leipzig fiel vor allem die Offensive positiv auf.
"In der ersten Halbzeit war ich sehr zufrieden, wir hatten mit und ohne Ball sehr gute Aktionen. Wir wollten ein Zeichen setzen, ein Zeichen für uns selbst. Jetzt gehen wir mit einem guten Gefühl in die neue Saison", analysierte Trainer Julian Nagelsmann.
Mit Sadio Mané, Ryan Gravenberch, Noussair Mazraoui, Mathijs de Ligt und Mathys Tel haben die Münchner bemerkenswerte Transfers getätigt. Aber nicht alle Neuzugänge konnten sich in der Vorbereitung empfehlen - das gilt auch für etablierte Bayern-Profis.
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Nagelsmann kann dafür aber auf Spieler zählen, die eigentlich auf der Verkaufsliste standen.

Die Gewinner von Bayerns Saisonvorbereitung:

Benjamin Pavard: Die Bayern-Bosse sind vom Franzosen nicht mehr überzeugt, ein Verkauf des Weltmeisters von 2018 ist noch immer nicht vom Tisch. Nagelsmann hält dagegen viel vom Abwehrspieler und legte bislang erfolgreich sein Veto ein. Pavard selbst stellte im Juni im Kreis der französischen Nationalmannschaft klar, dass er sich in München "sehr wohl fühlt" und seinen bis 2024 laufenden Vertrag auch erfüllen möchte. In der Vorbereitung entschied Pavard das Duell auf der Rechtsverteidigerposition gegen Neuzugang Mazraoui für sich, spielte sehr ordentlich und erzielte gegen Leipzig sogar ein Tor. Lässt Nagelsmann mit Viererkette spielen, ist Pavard vorerst gesetzt. Entscheidet er sich für drei Innenverteidiger, hat Pavard aktuell noch die Nase vor de Ligt, der nach einer sehr kurzen Vorbereitung vor allem körperlich erst noch zulegen muss.
Marcel Sabitzer: Der Österreicher hat eine sehr bescheidene ersten Saison beim FC Bayern gespielt und galt als sicherer Abgang im Sommer. Doch Sabitzer zeigte in der Vorbereitung und insbesondere im Testspiel gegen Manchester City (0:1) starke Leistungen. "Wenn man es so nennen möchte, kann man ihn als einen der Gewinner der Vorbereitung bezeichnen", fasste Nagelsmann passend zusammen. Der Trainer betonte auch in der letzten Saison immer wieder, dass er von Sabitzer nach wie vor überzeugt ist. Der 28-Jährige hat sehr gute Chancen, auch zum Bundesligastart in der Startelf zu stehen. Mittelfeld-Kollege Joshua Kimmich freut's: "Ich spiele gerne mit Sabi zusammen. Er gibt uns ein gewisses körperliches Spiel, ist ein intelligenter Spieler und torgefährlich."
Ryan Gravenberch: Der 20-Jährige deutete in den Testspielen der USA-Reise bereits an, dass er die 28 Millionen Euro Ablöse wert sein kann. Gravenberch lebt von seiner Physis, kann aber auch mit dem Ball hervorragend umzugehen. Ein dynamsicher, dribbelstarker Mittelfeldspieler hat dem FC Bayern im letzten Jahr gefehlt. Gravenberch füllt diese Rolle aus. "Er ist ein Bindeglied zwischen Offensive und Defensive", erklärte Nagelsmann die angedachte Rolle des Niederländers. Durch den Ausfall von Leon Goretzka hat er nun die Möglichkeit, weiter eifrig Spielminuten zu sammeln.

Ryan Gravenberch

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Jamal Musiala: Nagelsmann erhofft sich in der neuen Saison von Musiala vor allem eins: mehr defensive Verlässlichkeit. "Jamal hat hier und da Probleme mit dem Realisieren der Situation, gerade auf der ballfernen Seite", sagte der Trainer. Musiala hat seine Hausaufgaben offenbar vernünftig erledigt. "Das war heute schon super", frohlockte Nagelsmann nach dem Sieg gegen Leipzig. Mit Ball ist der 19-Jährige sowieso über jeden Zweifel erhaben. "Da ist er ohnehin Weltklasse", sagte Nagelsmann und stellte Musiala gleich einen Startelf-Einsatz gegen Frankfurt in Aussicht: "Wenn er so spielt, wird er beginnen." Auch der Bundestrainer kam während des Supercup-Spiels aus dem Staunen nicht heraus. "Ich saß neben Hansi Flick und wir haben uns mehrfach angeschaut: Was macht er denn jetzt wieder? Wie er das Spiel immer wieder nach vorne angetrieben hat, war herausragend", berichtete "Sky"-Experte Lothar Matthäus. Für den Moment hat Musiala in Bayerns Offensive Kingsley Coman und Leroy Sané den Rang abgelaufen.
Serge Gnabry: Nach Lewandowski lief der FC Bayern Gefahr, mit Gnabry in diesem Sommer einen zweiten Offensivspieler zu verlieren. Eine schwache Rückrunde und das Feilschen um einen neuen Vertrag ließen Gnabry in der Fan-Gunst nach unten rutschen. Doch am 16. Juli gab es großen Jubel in der Allianz Arena, als Gnabrys Vertragsverlängerung bis 2026 bekanntgegeben wurde. Dies und die Aussicht, nach dem Lewy-Abgang häufiger auch im Sturmzentrum zu spielen, schien den Nationalspieler zu beflügeln. Gegen City spielte Gnabry im 4-2-3-1 auf der Zehn, gegen Leipzig im 4-2-2-2 neben Mané im Sturm. Er zeigte in beiden Partien, dass er sich auf beiden Positionen wohlfühlt.

Gnabry in Form: Der Koch rührt schon wieder eifrig

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Die Verlierer von Bayerns Saisonvorbereitung:

Bouna Sarr: Der 30-Jährige spielte schon in der letzten Saison keine Rolle und war hinter Pavard und Josip Stanišić nur dritte Wahl auf der Rechtsverteidigerposition. Nach der Verpflichtung von Noussair Mazraoui hat sich Sarrs Situation weiter verschlechtert. Auf die USA-Reise wurde der Franzose gar nicht erst mitgenommen und musste individuell in München trainieren. Sarr dürfte kaum mal im Kader für ein Pflichtspiel auftauchen - sollte er über das Ende des Transferfensters Anfang September überhaupt noch in München sein.
Noussair Mazraoui: Vom ablösefreien Neuzugang aus Amsterdam versprechen sich die Bayern eine echte Verstärkung für rechts hinten. Mazraoui soll Pavard Dampf machen und nicht nur als Backup funktionieren. Doch der Marokkaner hat noch Anlaufschwierigkeiten. Er konnte auf der USA-Reise nicht beweisen, dass er wertvoller ist als Pavard. Sowohl im Test gegen Manchester City, als auch im Supercup gegen Leipzig bekam Pavard den Vorzug - und nutzte seine Chancen.
Leon Goretzka: Das Verletzungspech bleibt dem Nationalspieler auch in der Saison 2022/23 treu. Goretzka verpasste große Teile der Vorbereitung und wird auch noch einige Wochen pausieren müssen. Kurz nach der Team-Präsentation Mitte Juli wurde in Goretzkas linkem Knie eine Anomalie entdeckt, die eine Operation unumgänglich machte. In den letzten zwei Jahren war der 27-Jährige nach seinen Comebacks stets sofort ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft, weil er keine ernsthaften Konkurrenten auf seiner Position im zentralen Mittelfeld hatte. Das ist in dieser Saison anders. Gravenberch war ohnehin als echte Alternative zu Goretzka eingeplant, in der Vorbereitung erspielte sich zudem Sabitzer reichlich Kredit bei Nagelsmann. Vor September ist mit Goretzkas Rückkehr nicht zu rechnen. Er wird es voraussichtlich deutlich schwerer haben, seinen Platz in der ersten Elf behaupten.
Leroy Sané: Eine Szene aus der letzten Saison ist den Bayern-Fans noch immer ein Dorn im Auge. Kurz vor dem Anpfiff des Viertelfinal-Rückspiels in der Champions League gegen Villarreal lehnte Sané gelangweilt an der Wand im Kabinengang, während sich seine Kollegen gegenseitig heiß machten. So teilnahmslos spielte er dann auch. Der 26-Jährige treibt die Bayern regelmäßig zur Weißglut. Er ist so verdammt gut, zeigt das aber so verdammt selten. Seine Bude im Supercup gegen Leipzig - genial. Doch Sané konnte in den Testspielen seine Lethargie aus der letzten Saison nicht ablegen, er bleibt ein Rätsel. Im Offensiv-Ranking liegt er aktuell hinter Gnabry, Coman, Musiala, Müller und Mané.

Sané spielte bei seinem Tor gegen Leipzig mit Novoa und Gulacsi Katz und Maus

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Eric Maxime Choupo-Moting: Der Stürmer konnte wegen einer Adduktorenverletzung nicht mit in die USA reisen und sich so nicht für eine größere Rolle nach dem Abgang von Robert Lewandowski empfehlen. Mit 28,5-Millionen-Euro-Neuzugang Mathys Tel (17) bekommt Choupo-Moting zusätzlich Konkurrenz im Angriff. Mehr als Kurzeinsätze sind für den 33-Jährigen in absehbarer Zeit nicht drin.
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