FC Bayern: Entlassungen von Salihamidzic und Kahn sorgt für beschämendes Saisonende - für Tuchel ändert sich alles

Nach der glücklich errungenen Meisterschaft in Köln machen sich die Bayern an die umfangreichen Aufräumarbeiten im eigenen Haus. Der Doppel-Rauswurf von Vorstandschef Oliver Kahn und Sportvorstand Hasan Salihamidzic hat tiefe Spuren hinterlassen - vor allem bei Trainer Thomas Tuchel, der nach zwei Monaten in München bereits mächtig ins Grübeln gekommen ist.

Thomas Tuchel - FC Bayern

Fotocredit: Imago

Ehe Thomas Tuchel das Kölner Stadion verließ, wurde er noch einmal besonders nachdenklich.
Mit der frisch gewonnenen Meisterschaft hatte der Cheftrainer der Bayern schon seit dem Abpfiff durch Schiedsrichter Sven Jablonski erkennbar gefremdelt - und nun war es Zeit für einen Blick nach vorne.
Aus müden Augen schaute Tuchel in die Runde und erklärte dann mit ernster Miene: "Es ist der Moment, wo ich bleibe, nicht wegfahre", betonte er.
Schließlich sei es gerade jetzt von zentraler Bedeutung, mit den Verantwortlichen im Klub abzuklären, wie es inhaltlich weitergehe.
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Tuchel: "Politisches Thema trübt extreme Meisterschaft"

Quelle: Perform

In Tuchel rumort es gewaltig

Mit dem Vorstandsvorsitzenden Oliver Kahn und Sportvorstand Hasan Salihamidzic waren zwei entscheidende Drahtzieher des FCB nur etwa eine Stunde nach dem Gewinn des 33. Meistertitels der Münchner offiziell entlassen worden. Ein unglaublicher Vorgang, der es in Tuchel gewaltig rumoren ließ.
Er selbst war über den Rauswurf der beiden Führungskräfte bereits am Freitagnachmittag informiert worden. Und nun erzählte er von seinem persönlichen Eintritt in das bajuwarische Hoheitsgebiet am 21. und 22. März, empfangen damals von Kahn und Salihamidzic.
"Dienstag nachts und am Mittwoch", erinnerte sich Tuchel, "haben die beiden darum gekämpft, mich zu überzeugen, mit auf die gemeinsame Reise zu gehen."
Zwei Tage später wurde Chefcoach Julian Nagelsmann entlassen - und dessen Nachfolger muss ab sofort ohne die beiden Herren auskommen, die ihm das Engagement beim deutschen Rekordmeister einst schmackhaft gemacht hatten. Was das für ihn verändere, wurde Tuchel in Köln gefragt. Und seine glasklar offene Antwort lautete: "Mehr oder weniger alles."
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Thomas Tuchel vom FC Bayern München

Fotocredit: Getty Images

Kahn leidet, Salihamidzic lobt

Oliver Kahn war auf Wunsch der Bayern-Spitze gar nicht erst mit in die Domstadt gereist und war auch nicht bei der späteren Meisterfeier in München erwünscht. "Das war der schlimmste Tag meines Lebens - es mir zu nehmen, mit den Jungs zu feiern", kommentierte der 53-Jährige die beschämenden Umstände seines Rauswurfs.
Während Hasan Salihamidzic beim titelbringenden Siegtreffer durch Jamal Musiala auf der Tribüne des Kölner Stadions erst wie ein Flummi ausgelassen auf und nieder hüpfte - und später mehrere Etagen tiefer erklärte: "Ich hätte gerne weitergemacht, weil ich mit dieser Mannschaft noch mal die Champions League gewinnen wollte. Diese Mannschaft ist richtig gut."
Deutlich weniger enthusiastisch äußerte sich Tuchel - nach zwei überaus bewegten Monaten an der Säbener Straße. Mit dem FC Chelsea war der gebürtige Krumbacher nach seinem Einstieg Ende Januar 2021 in der Premier League vom neunten auf den vierten Rang geklettert, hatte zudem im Finale gegen Manchester City die Champions League gewonnen.
Mit den Bayern schied er dagegen nun nacheinander aus dem DFB-Pokal und in der Königsklasse aus. Und den deutschen Meistertitel holte sein Team nicht dank der eigenen Stärke. Sondern weil den Dortmundern im entscheidenden Moment die Nerven versagten.
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Tuchels klare Worte nach Titel-Drama: "So nicht gewünscht"

Quelle: Perform

Happy End kann die Saison nicht schönfärben

"Die letzten zwei Monate habe ich mir absolut nicht so vorgestellt - und auch nicht gewünscht. Und obwohl es nun ein Happy End für uns hatte, kann uns das diese Saison nicht mehr schönfärben", betonte Tuchel, inhaltlich durchaus im Einklang mit Thomas Müller.
"Das war schon totales Chaos", hielt der Routinier aus der Münchner Offensive fest. Ehe er seinen zwölften Meistertitel cineastisch einordnete. "Wenn das ein Film gewesen wäre", meinte der 33-Jährige, "würden ihn auf jeden Fall viele Leute anschauen und dann sagen: Also langweilig war der nicht."
Wegen der unerfreulichen Begleitgeräusche bei den Kündigungen für Kahn und Salihamidzic werden bereits Stimmen laut, Tuchel könnte von sich aus darauf verzichten, bei der Fortsetzung des Films noch mit dabei zu sein. Feststeht, dass der scheidende Finanz-Vorstand Jan-Christian Dreesen den Posten von Kahn übernimmt.
Als Nachfolger von Salihamidzic soll Max Eberl, seit Dezember Sport-Geschäftsführer in Leipzig, ein Thema sein.
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Thomas Tuchel (FC Bayern) mit der Meisterschale

Fotocredit: Imago

Tuchel hofft auf ruhigeres Fahrwasser

"Durch die Meisterschaft wird es einfacher für alles Weitere", blickte Thomas Tuchel in Köln den anstehenden Aufräumarbeiten beim neuen alten Titelträger entgegen.
Vor allem aber seufzte der völlig erschöpfte Bayern-Coach: "Das ist keine Saison, nach der wir sagen: 'Ende gut, alles gut. Machen wir die Augen zu, das wird schon.'"
Denn vielmehr gelte: "Was zuletzt passiert ist, das ist viel, sehr viel. Das müssen alle Beteiligten erst mal verdauen. Und dann müssen wir im geschlossenen Kreis schauen, wieder in ruhigeres Fahrwasser zu kommen."
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