FC Bayern München - Thomas Tuchel begründet kurze Einsatzzeiten für Mathys Tel: "Das sind andere mehr gefragt"

Thomas Tuchel und der FC Bayern München haben im Bundesliga-Endspurt eine Schwachstelle in der Offensive: Es fehlt ein Neuner. Die Rolle füllt eigentlich Eric Maxim Choupo-Moting aus, doch der plagt sich mit Kniebeschwerden und fehlt gegen die Hertha aus Berlin. Kein Problem, der formstarke Mathys Tel kann ja in die Startelf rücken - sollte man meinen. Sieht Tuchel überraschenderweise aber anders.

Tuchel schützt Tel: Kein "Rucksack" für den Youngster

Quelle: Perform

Thomas Tuchel hörte sich die Frage konzentriert an, nickte kurz und ließ die Journalisten an der Säbener Straße wissen, dass es da "schon ein paar Sachen" gebe, die den hochtalentierten Mathys Tel von der Startelf trennen.
"Es ist nicht das Alter, denn das ist relativ uninteressant", widersprach Tuchel der naheliegendsten Erklärung, weshalb der 18-Jährige bei den Bayern trotz guter Form nur eine Nebenrolle spielt.
Eine "gewisse Unbekümmertheit" attestierte der Trainer dem Youngster immerhin, aber es sei "ja nicht so, dass er bei seinen Kurzeinsätzen jedes Mal sofort getroffen" hätte.
Das klang fast so, als ob Tuchel mit aller Gewalt nach einem Grund sucht, Tel nicht von Anfang an aufzubieten.

Tel mit starker Bilanz, Matthäus fordert mehr Einsatzzeit

Denn die Statistik spricht eine andere Sprache. In 351 Bundesliga-Minuten, was nicht ganz vier Partien entspricht, traf der Mittelstürmer viermal. Als die Bayern in den vergangenen Wochen von einer Verlegenheit in die nächste stolperten, war Tel bei seinen kurzen Auftritten einer der Lichtblicke.
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Tuchel erklärt Hoeneß-Besuch: "Dann kann es emotional werden"

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Der französische U19-Nationalspieler zeigte auch im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Manchester City in knapp 20 Minuten, dass er ein absolut belebendes Element für den Münchner Angriff sein kann. Tel traf sogar, allerdings stand Kollege Kingsley Coman kurz zuvor im Abseits.
Trotzdem dachte Tuchel vor ein paar Wochen öffentlich darüber nach, Tel möglicherweise zur kommenden Spielzeit zu verleihen. "Das ist noch nicht entschieden", sagte der Trainer und sorgte damit für einige Verwirrung.
Lothar Matthäus wiederum sprach vielen Bayern-Anhängern aus der Seele, als er in seiner "Sky"-Kolumne schrieb: "Wenn ich schon ein Sturm-Problem habe, wieso lasse ich den Jungen nicht viel mehr spielen?" Ja, wieso eigentlich nicht. Gerade daheim gegen Tabellenschlusslicht Hertha (Sonntag ab 15:30 Uhr im Ticker) wäre Tel doch die logische Besetzung.

Tuchel: Tel nicht der "Heilsbringer"

Nicht für Tuchel. "Das sind andere mehr gefragt, die mehr Erfahrung haben, die solche Situationen schon bewältigt haben", erläuterte der 49-Jährige. Nur gibt es im Kader keinen fitten Neuner, auf den diese Beschreibung zutrifft. Bedeutet: Der Trainer muss einen seiner Flügelangreifer um Leroy Sané, Sadio Mané oder Serge Gnabry in die Mitte ziehen - oder eben Thomas Müller, der sich auf der Position aber ebenso wenig zuhause fühlt.
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"Es ist nie zu spät": Tuchel schwört Bayern auf Endspurt ein

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Es ist anzunehmen, dass Tuchel den jungen Tel schützen will. "Die Frage ist, ob man ihm einen Gefallen tut, wenn man ihn da reinstellt und ihm den Rucksack des Heilbringers aufsetzt", so der Coach.
Es müsse einen "kontinuierlichen und nachvollziehbaren Weg geben, wie du in die Startelf kommst." Tel müsse sich als Joker über Torbeteiligungen und mehr Treffer empfehlen. "Aus den letzten Eindrücken direkt in die Startelf? Das ist ein Schritt zu weit", betonte Tuchel und sorgte damit zumindest für überraschte Blicke.

Gravenberch und Mazraoui stellen Forderungen

Während Tel also weiter auf seine Chance wartet, haben andere Bayern-Profis diese öffentlich für sich eingefordert. Die Rede ist von Ryan Gravenberch ("Ich möchte wirklich wieder wöchentlich spielen") und Noussair Mazraoui ("Vor der WM war ich in der Startelf, jetzt bin ich fit und bekomme keine Spielzeit").
"Sich was zu wünschen ist die eine Sache. Was zu erzwingen, eine andere", versetzte Tuchel. "Wenn du nur fünf Minuten kriegst, musst du in den fünf Minuten liefern." So sei das nun einmal beim FC Bayern. "Du musst immer, immer Topleistung bringen. Dann stellst du dich selber auf." Die Message an die Spieler ist klar: Wer nicht in der Startelf steht, ist aktuell nicht stark genug.
Ob das so auch für Tel gilt? Ein kleines Türchen für die Startelf ließ Tuchel dem 18-Jährigen für die Hertha-Partie offen. "Vielleicht widerlege ich mich ja selbst übermorgen ..."
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