FC Bayern und die Kontaktaufnahme mit Thomas Tuchel: "Wenn Du keinen Bock hast, leg auf"

Der FC Bayern stellte nach der überraschenden Freistellung von Trainer Julian Nagelsmann am Samstagmittag in der Allianz Arena Thomas Tuchel als neuen Übungsleiter vor. Der gebürtige Krumbacher hatte am Freitag einen Vertrag bis 2025 unterschrieben. Sportvorstand Hasan Salihamidzic verriet den anwesenden Journalisten, wie und wann er den früheren Dortmund-Coach kontaktierte.

FC Bayern: Thomas Tuchel bei seiner Vorstellung in der Allianz Arena

Fotocredit: Eurosport

Aus der Allianz Arena berichtet Dennis Melzer
Die Verantwortlichen des FC Bayern bezogen im Rahmen der Vorstellung des neuen Trainers Thomas Tuchel in der Allianz Arena zunächst Stellung zur Freistellung von dessen Vorgänger Julian Nagelsmann.
"Es ist die Pflicht und unsere Aufgabe, für den sportlichen Erfolg zu sorgen", erklärte Vorstandschef Oliver Kahn. Er ergänzte: "Wir haben unsere Ziele für diese und auch nächste Saison gefährdet gesehen."
Es habe sich bei der Entscheidung nicht um eine "Panikreaktion" gehandelt, vielmehr sei die Trennung von Nagelsmann "wohlüberlegt" gewesen. Auslöser seien laut Kahn und Sportvorstand Hasan Salihamidzic die schwankenden sportlichen Leistungen unter dem 35-Jährigen gewesen. Diese hätten die Führungsetage zum Handeln veranlasst.
Mit Blick auf die vielen kritischen Stimmen aus dem eigenen Fanlager und den überraschenden Zeitpunkt sagte Salihamidzic: "Ich weiß, es ist keine populäre Entscheidung." Aber, so "Brazzo" weiter, die "Konstellation zwischen Trainer und Mannschaft hat nicht mehr gepasst."
Kahn schob nach: "Wir haben einen der besten Kader in Europa. Und trotzdem ist die Leistungskontinuität der Mannschaft nicht wirklich besser geworden. Wir können in der Rückrunde mit den Resultaten und den häufig gezeigten Leistungen nicht zufrieden sein."
Der deutsche Rekordmeister gewann seit Januar lediglich fünf von zehn Bundesligaspielen, am vergangenen Wochenende setzte es bei Bayer Leverkusen (1:2) die dritte Saisonniederlage. "Das ist nicht unser Anspruch", sagte Kahn.

Kahn zum Nagelsmann-Aus: "Für uns alle schwierig"

Dennoch sei die Entscheidung, Nagelsmann zu schassen, keine einfache gewesen. "Die letzten Tage waren für uns alle schwierig. Es gab auch die eine oder andere Nacht, in der ich nicht gut geschlafen habe." Nagelsmann sei natürlich trotz allem "ein exzellenter Trainer."
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FC Bayern: Oliver Kahn (li.) mit Julian Nagelsmann (re.)

Fotocredit: Getty Images

Nachdem das Nagelsmann-Aus am Donnerstagabend bereits die mediale Runde gemacht hatte, wurde der 35-Jährigen am Freitagnachmittag in einem persönlichen Gespräch an der Säbener Straße von seiner Freistellung unterrichtet. Die erste Kontaktaufnahme mit dessen Nachfolger fand Salihamidzic zufolge drei Tage vorher statt.

"Wenn Du keinen Bock hast, leg auf"

"Dienstagabend habe ich mein Telefon genommen und ihn angerufen. Er hat gesagt: 'Was willst Du?' Da habe ich gesagt: 'Wenn Du keinen Bock hast, dann leg auf.' Dann haben wir uns am Dienstagabend noch getroffen und ein sehr gutes Gespräch gehabt. Er war von Anfang an sehr heiß", verriet Salihamidzic und führte aus: "Mittwoch und Donnerstag haben wir verhandelt. Thomas wollte unbedingt und wir auch."
Schließlich einigten sich die Münchner mit Tuchel auf einen Zweijahresvertrag. Der 49-Jährige gestand, dass ihn der Anruf enorm überrascht habe. "Der Zeitpunkt war auch für mich total überraschend. Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet, es gab vorher keinerlei Kontakt", sagte Tuchel. "Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass ich meine Karriere im Ausland fortsetzte. Einfach, weil ich damit nicht gerechnet hatte. Ich musste darüber nachdenken, aber die Größe der Aufgabe hat schnell überwogen."

Tuchel: "Man kann um jeden Titel spielen"

Tuchel machte deutlich, dass er große Ziele mit seinem neuen Arbeitgeber hat: "Es ist eine Ehre und Auszeichnung, vom FC Bayern angefragt zu werden. Die DNA des Klubs ist ganz klar definiert. Es geht ums Gewinnen, es geht auch um die Art des Gewinnens. Der Kader ist dementsprechend zusammengestellt. Es ist einer der talentiertesten und besten Kader in Europa. Man kann mit diesem Kader um jeden Titel spielen", sagte er.
Dies ist tatsächlich noch möglich, die Bayern stehen im Champions-League- und Pokal-Viertelfinale, in der Bundesliga trennt den Abonnement-Champion nur ein Punkt von Spitzenreiter Borussia Dortmund. Schon in seinem ersten Spiel hat Tuchel die Chance, die Machtverhältnisse in der deutschen Beletage geradezurücken. Am kommenden Samstag (18:30 Uhr im Liveticker) feiert er sein Debüt auf der FCB-Bank ausgerechnet gegen seinen ehemaligen Klub.
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