FC Bayern: Wohin mit Thomas Müller? Julian Nagelsmann könnte mit einer van-Gaal-Regel brechen
Thomas Müller ist normalerweise gesetzt beim FC Bayern München. In dieser Saison musste der 33-Jährige allerdings einige gesundheitliche und sportliche Rückschläge hinnehmen. Während seiner Abwesenheit spielten die Münchner sich ein - was unweigerlich die Frage aufwirft: Wohin mit dem Urgestein, das mittlerweile wieder fit ist? Trainer Julian Nagelsmann könnte eine alte Regel brechen.
Müller kämpft um Stammplatz: "Wenn ich dabei bin, funktioniert es hoffentlich auch"
Quelle: SID
Thomas Müller scheint die enttäuschende Weltmeisterschaft vor einigen Wochen in Katar mittlerweile aus den Kleidern geschüttelt zu haben.
Ließ er seine Zukunft im DFB-Team nach dem bitteren Vorrunden-Aus noch offen, stellte er mittlerweile im Rahmen des Bayern-Trainingslagers in Doha, also am Ort der WM-Schmach, klar, dass er auch weiterhin bereitstehe, sofern Bundestrainer Hansi Flick ihn denn nominiert.
"Ich bin absolut zur Stelle, wenn der Trainer mich braucht", sagte er. Müller verriet, dass er sich tatsächlich mit einem Rücktritt aus der Nationalmannschaft beschäftigt habe, es sei jedoch die Entscheidung gereift, dass er einen Schlussstrich noch "nicht fühle".
Ein Schritt, mit dem Rekordnationalspieler Lothar Matthäus nicht gerechnet hätte: "Für mich kommt die Entscheidung überraschend, weil ich gedacht habe, er fokussiert sich in den nächsten drei bis fünf Jahre nur auf den FC Bayern", erklärte Matthäus im Gespräch mit dem "Münchner Merkur".
Matthäus über Müller: "Hat nicht mehr so brilliert"
Aus seiner Sicht "war Thomas mit der Doppelbelastung, die er in den letzten anderthalb Jahren hatte, im Verein nicht mehr so präsent wie früher". Matthäus ergänzte: "Er hat auch aufgrund seiner Position in beiden Systemen - bei Bayern ohne Robert und bei der Nationalmannschaft - nicht mehr so brilliert."
Müllers mangelnde Brillanz und magere Billanz von lediglich 15 Pflichtspieleinsätzen in der laufenden Saison (drei Tore, sechs Vorlagen, d. Red.) hatte jedoch auch gesundheitliche Gründe. Anfang Oktober wurde er zunächst von einer Erkältung außer Gefecht gesetzt, im Anschluss fing er sich eine Magen-Darm-Grippe ein, danach laborierte er bis zur WM im November an einer Hüftverletzung.
Während des Turniers in der Wüste, bei dem er in allen Gruppenspielen in der Startelf stand, mutete der Routinier wie ein Fremdkörper an.
Müller: "Oktober war für mich kein toller Monat"
"Der Oktober war für mich persönlich kein toller Monat. Ich musste die ganze Zeit zuschauen", sagte er bei einer Presserunde am Montag im katarischen Fünf-Sterne-Ressort "Al Aziziyah Boutique". Müller schob nach: "Aber für den Verein und die Mannschaft war es eine super Phase. Wir haben alle Spiele gewonnen und super Fußball gespielt."
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Thomas Müller
Fotocredit: Getty Images
Eine bittere Erkenntnis, der Tenor: Es scheint auch ohne ihn zu laufen. Tatsächlich fuhr der deutsche Rekordmeister während Müllers Abwesenheit mit Ausnahme des 2:2 in Dortmund ausschließlich souveräne Siege ein. Anstelle des 33-Jährigen glänzten beispielsweise Serge Gnabry, Jamal Musiala oder Eric Maxim Choupo-Moting.
"Nachdem Robert Lewandowski den FC Bayern im Sommer verlassen hatte, wurde darüber diskutiert, wer den Weggang auffangen könnte", sagte Müller. "Wir haben mit Hoffnung davon gesprochen, dass es auf mehrere Schultern verteilt werden muss. Es ist dann das passiert, was wir uns erhofft haben. Wir haben eine fluide Offensive, viele verschiedene Torschützen und tolle Kombinationen gesehen. Anfang der Saison war ich da auch noch mit dabei", so der Weltmeister von 2014 weiter.
Musiala und Choupo-Moting keine Bankkandidaten
Jetzt, im zweiten Saisonabschnitt, ist er wieder dabei. Doch wo soll Müller spielen? Musiala (auf der Zehn) und Choupo-Moting (in der Spitze), qua Position die beiden "Hauptkonkurrenten", sind, sofern sie ihre Vor-WM-Form konservieren, eigentlich keine Bankkandidaten. Trainer Julian Nagelsmann plant Müller jedenfalls "auf einer der beiden Positionen vorne, Zehner oder Spitze, ein."
Das gab der 35-Jährige im Trainingslager zu verstehen. Nagelsmann führte aus: "Grundsätzlich kann Thomas mehrere Positionen spielen, aber die zentralen liegen ihm am besten. Da ist er sehr kreativ, was in Szene setzen von Spielern angeht. Eine der Positionen wird es werden."
Ob es mit Blick auf den Bundesligastart gegen RB Leipzig am 20. Januar "eine der Positionen" in der Startelf wird, vermochte der FCB-Coach auf entsprechende Nachfrage noch nicht zu sagen. "Thomas ist ein bedeutender Spieler für Bayern, ein bedeutender Spieler für mich", antwortete er.
Van Gaals Credo wackelt
Dass er sich nicht festlegen möchte, ist nachvollziehbar, die Unwägbarkeiten sind anderthalb Wochen vor dem Pflichtspiel-Auftakt zu groß. Louis van Gaal hätte seinerzeit womöglich trotzdem anders auf eine derartige Frage reagiert. Der Niederländer, der die Bayern zwischen 2009 und 2011 trainierte, rief einst das legendäre Credo "Müller spielt immer" aus.
Obwohl der spätere Übungsleiter Niko Kovac es wagte, Müller zeitweise auf die Bank zu verbannen - van Gaals Satz manifestierte sich in München als ungeschriebene Regel. Eine Regel, die Nagelsmann aufgrund der starken Darbietungen Musialas und Choupo-Motings ebenfalls brechen könnte.
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Thomas Müller
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"Ich bin drauf und dran, mich so fit wie möglich zu machen, um der Mannschaft zu helfen", sagte Müller. Das Bayern-Eigengewächs weiß: "Im vorderen Bereich haben wir für vier Positionen sieben, acht Spieler. Der Trainer hat immer die Qual der Wahl. Im Normalfall fällt durch die Belastung und Verletzungen auch immer jemand aus."
In der Hinrunde war überraschenderweise er derjenige, der eigentlich nie verletzt ist, betroffen. Müller abschließend mit einem Grinsen: "Es hat ohne mich funktioniert. Wenn ich wieder dabei bin, funktioniert es hoffentlich auch wieder."
Dass ein Müller in Top-Verfassung immer weiterhelfen kann, hat er in der Vergangenheit jedenfalls oft genug bewiesen.
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Quelle: Perform
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