Mahmoud Dahoud verlässt den BVB: Woran er scheiterte - wie es für ihn weitergeht
Mahmoud Dahoud und der BVB gehen am Saisonende getrennte Wege. Sechs Jahre versuchten der Deutsch-Syrer und Borussia Dortmund oft eher schlecht als recht miteinander warm zu werden. Als es dann schließlich funkte, war es jedoch fast schon wieder vorbei. Warum Dahoud in Dortmund unvollendet blieb und wie es jetzt für den einstigen Königstransfer weitergeht.
Mahmoud Dahoud
Fotocredit: Getty Images
Mahmoud Dahoud spricht nicht oft mit den Medien.
"Ich mag es nicht so gerne, in der Öffentlichkeit zu stehen. Ich will lieber auf dem Platz die richtigen Antworten geben, statt unnötig zu quatschen", hatte er im Mai 2021 in einem Interview mit "Sport1" erklärt und setzte ebenjenen Plan seitdem in die Tat um.
Nun allerdings kursieren neue Zitate des Deutsch-Syrers durch die hiesigen Zeitungen und Online-Portale. Der Grund: Dahoud wird seinen am 30. Juni 2023 auslaufenden Vertrag bei Borussia Dortmund nicht verlängern. Nicht, weil er sich weigern würde, sondern weil der Klub dem 27-Jährigen nach dann sechs gemeinsamen Jahren kein neues Arbeitspapier anbieten wird. Das kündigte Sportdirektor Sebastian Kehl kürzlich bei "Bild" an.
Böses Blut, so der erste Eindruck, gibt es deshalb aber nicht zwischen Spieler und Verein. "Die Zeit bei Dortmund war wunderschön und vor allem auch die Fans haben mich immer unterstützt. Es besteht daher eine besondere Verbindung. Dafür bin ich sehr dankbar", wird Dahoud bei "Sport1" zitiert. Er werde sich bis zum Ende "voll und ganz auf den BVB" konzentrieren, wenn das Team ihn brauche, sei er "zu hundert Prozent da".
Man trennt sich also im Guten - aber warum eigentlich?
Dahoud und der BVB: Das war harte Arbeit
Dahouds Geschichte in Dortmund ist kompliziert. Als er im Sommer 2017 von Borussia Mönchengladbach zum BVB wechselte, galt er als Königstransfer. Unter seinem alten Förderer Lucien Favre, der ihm im Alter von 19 Jahren zum Bundesligadebüt (gegen Borussia Dortmund) verhalf, sollte er in Schwarz-Gelb das Loch in der Mittelfeldzentrale stopfen, das Ilkay Gündogan mit seinem Wechsel zu Manchester City im Sommer zuvor hinterlassen hatte.
Eine Aufgabe, die für den damaligen U21-Nationalspieler eine Nummer zu groß war. In seiner ersten Saison stand er in elf Bundesligaspielen in der Startelf, insgesamt legte er vier Assists auf. Ein Jahr später schaffte es Dahoud nur 14 Mal überhaupt in den Kader (sieben Startelfeinsätze). Immerhin: Am ersten Spieltag erzielte er beim 4:1-Sieg gegen RB Leipzig sein erstes Tor für den BVB.
Im dritten Jahr enttäuschte er erneut, fand sich weitestgehend auf der Bank wieder. Zwölf Kaderplätze, sechs Mal Startelf und ein magerer Assist - eine äußerst dünne Ausbeute, die zuteilen auf immer wiederkehrende kleinere und mittelgroße Verletzungen und den dadurch fehlenden Rhythmus zurückzuführen ist.
Leistungsdaten von Mahmoud Dahoud beim BVB
| Saison | Kaderplätze | Startelf | Tore | Assists |
| 2017/2018 | 23 | 11 | - | 4 |
| 2018/2019 | 14 | 7 | 1 | - |
| 2019/2020 | 12 | 6 | - | 1 |
| 2020/2021 | 21 | 15 | 1 | 1 |
| 2021/2022 | 23 | 20 | 2 | 4 |
Mo Dahoud: Das Wunder von Sevilla
So ging Dahoud mit einem im Sommer 2021 auslaufenden Vertrag ohne Form und vermeintlich ohne Fürsprecher in sein vorerst letztes Vertragsjahr (2020/21) - und das versprach zunächst kaum Besserung. In der Hinrunde reichte es wieder nur zu fünf Bundesligaeinsätzen - der absolute Tiefpunkt.
Als der Ex-Gladbacher nach der Entlassung von Lucien Favre dann auch noch in den ersten Wochen vom neuen Chef aufgrund einer verbalen Auseinandersetzung im Training suspendiert wurde, schien er endgültig auf dem Abstellgleis. Die wundersame Wende führte dann jedoch das Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League beim FC Sevilla herbei.
Thomas Delaney musste wegen der Geburt seiner Tochter passen. Dahoud sprang ein und nutzte seine Chance. Sein wunderschöner Schlenzer ins Tor der Andalusier war nur das offensichtlichste Ausrufezeichen an diesem Abend, an dem Dahoud im Flutlicht des Estadio Ramón Sánchez Pizjuán dominierte.
"Er hat ein sehr gutes Spiel gemacht und ist ein total wichtiger Bestandteil unseres Kaders, auch wenn er zuletzt ein bisschen außen vor war. Durch das Tor sticht er heraus", schwärmte Terzic damals und stellte Dahoud vier Tage später im Deby gleich nochmal von Anfang an auf den Platz.
Ein echter Vertrauensbeweis, den Dahoud gebraucht hatte und ihn zu einem komplett anderen Spieler machte.
Der Anfang vom Ende: Ein folgenschwerer Zweikampf
Dahoud spielte sich neben Jude Bellingham fest und war plötzlich nicht mehr wegzudenken aus der Zentrale der Borussia. Nach einem herausragenden halben Jahr unter Terzic, das mit dem Gewinn des DFB-Pokals endete, verlängerte der damals 25-Jährige seinen auslaufenden Vertrag gar um zwei weitere Jahre.
Das unerwartete Hoch hielt auch unter Marco Rose, der zu Beginn der Saison 2021/22 für Terzic übernahm, und transportierte sich auch mit in die laufende Spielzeit, in der erneut Terzic das Sagen hat.
Die Glückssträhne riss am 20. August, im Heimspiel am dritten Spieltag gegen Werder Bremen (2:3). In einem Zweikampf mit Leonardo Bittencourt bekam Dahoud einen unabsichtlichen Schlag auf den Oberarm und kugelte sich dabei die rechte Schulter aus. Es folgte eine OP, die ihn den Rest des Kalenderjahres kostete. Der Anfang vom Ende.
"In dieser Zeit haben andere Spieler ihre Chance genutzt", begründet Kehl die Vereinsentscheidung, die Zusammenarbeit im Sommer zu beenden.
Für Dahoud beginnt in der kommenden Spielzeit ein neuer Abschnitt - die Suche nach dem neuen Arbeitgeber dürfte bereits begonnen haben.
Dahoud: Die Gerüchteküche brodelt
"Ich freue mich sehr auf eine neue Herausforderung. Ich möchte auf jeden Fall in einer der Top-Ligen auf hohem Niveau spielen", bringt sich der 27-Jährige bei "Sport1" in Stellung.
Interesse im In- und Ausland scheint jedenfalls vorhanden. Laut "Bild" sollen die Serie-A-Klubs AC Mailand und der SSC Neapel, die Andalusier vom FC Sevilla und Leicester City Interesse an einer Verpflichtung des zweimaligen deutschen Nationalspielers haben.
Doch es muss nicht unbedingt ins Ausland gehen. Auch eine Rückkehr zu Borussia Mönchengladbach soll laut des Onlineportals "90min.de" im Bereich des Möglichen liegen. Die Fohlen könnten mit Dahoud einen möglichen Abgang des umworbenen Manu Koné kompensieren.
Fest steht: Dahoud hat das fußballerische Rüstzeug, all diesen Mannschaften weiterzuhelfen. Fest steht aber auch: Seine Zeit in Dortmund, in der er 137 Spiele absolvierte und dabei fünf Tore sowie 16 Vorlagen beisteuerte, wird in der Retrospektive als unvollendet bewertet werden.
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Quelle: Perform
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