Timo Werner und seine romantische Rückkehr zu RB Leipzig - es ist komplizierter als es aussieht
Timo Werner ist wieder da. Nach zwei komplizierten Jahren beim FC Chelsea in der Premier League kehrt der Nationalspieler zurück in seine alte Heimat. In Leipzig reifte er in jungen Jahren zum besten deutschen Stürmer heran und verzückte ganz Europa. Doch Werners zweite Amtszeit bei RB ist kein Selbstläufer - im Gegenteil. Die Voraussetzungen haben sich grundlegend geändert.
"Dann wäre es mir schwer gefallen": Werner über Leipzig-Rückkehr
Quelle: Perform
Timo Werner und Thomas Tuchel - das hat einfach nicht gepasst. Zwei Jahre lang lief der gebürtige Stuttgarter in der Weltstadt London seiner Form hinterher. Zehn Treffer in 56 Premier-League-Spielen, dazu 13 Vorlagen - nicht das, was man sich an der Stamford Bridge 2020 vom 53-Millionen-Mann versprochen hatte. Nun flüchtet dieser, in gewisser Weise gescheitert, jedoch immerhin als Champions-League-Sieger zurück in seine ganz eigene Komfortzone.
Werner ist zurück in Leipzig. Ein großer Coup für RB, nicht nur wegen der vergleichsweise geringen Ablösesumme von rund 19 Millionen Euro, sondern auch, weil der Deal wohl in der jungen Geschichte des Vereins ein besonderer ist: Der verlorene Sohn kehrt zurück. Ein Stückchen Brause-Romantik.
Werner ist der kleine Schritt zurück in gewohnte Gefilde eine Menge wert: 16 Millionen Euro jährlich strich Werner bei den Blues ein, in Leipzig sind es dem Vernehmen nach gut sechs Millionen weniger. Bei einer Vertragsrestlaufzeit von drei Jahren verzichtet der Stürmer bis 2025 also auf rund 18 Millionen Euro.
Für dieses finanziellen "Eingeständnis" verspricht er sich die sportliche Rückkehr an sein Leistungsmaximum und einen damit verbundenen Stammplatz in der Nationalmannschaft. Im Winter findet in Katar bekanntlich die Weltmeisterschaft statt, bis dahin will Werner wieder ganz der Alte sein. Und der konnte sich durchaus sehen lassen.
Von 2016 bis 2020 erzielte Werner in Leipzig 90 Tore in 156 Pflichtspielen und stieß kometenhaft in die Elite des deutschen Fußballs vor. In dieser Zeit gab er unter Ex-Bundestrainer Joachim Löw auch sein Debüt in der DFB-Elf, für die er seit 2017 bislang 53 Länderspiele bestritt.
In der Saison vor seinem Wechsel zum FC Chelsea brachte er es wettbewerbsübergreifend auf 34 Treffer und 13 Assists in 45 Pflichtspielen. In der Bundesliga spielte er mit 28 Treffern seine erfolgreichste Saison und wurde hinter Robert Lewandowski (34 Tore) zweiter in der Torschützenliste.
Timo Werner: "Seine Schnelligkeit ist sein großer Trumpf"
Das Spiel der Sachsen war damals komplett auf Werner zugeschnitten. Der pfeilschnelle Angreifer lebt von Bällen in die Tiefe, davon, sein Tempo auszuspielen.
"Seine Schnelligkeit ist sein großer Trumpf und man braucht von einem Spieler immer das, was er besonders gut kann", bemerkte Ex-Bundesligatrainer Felix Magath am Sonntag bei "Sky". Doch Vorsicht: RB Leipzig 2022 hat nur noch wenig mit der Mannschaft zu tun, die Werner im Sommer 2020 verließ.
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Fotocredit: Imago
Domenico Tedesco pflegt einen anderen Ansatz als Julian Nagelsmann, setzt auf Spielkontrolle und Ballbesitz. Um Werner bestmöglich nutzen zu können, müsste Tedesco ein Stück weit von seiner aktuellen Philosophie abrücken. Bedingungsloses Anlaufen statt Ballkontrolle. Nicht gerade das, wofür der junge Trainer bei seinen bisherigen Stationen im Profifußball stand.
Klar ist: Je weniger statisch ein System, desto wirksamer ist Werner.
Werner muss sich anpassen
Doch die Frage ist nicht nur, ob Tedesco tiefgreifend am Spielsystem schraubt, sondern auch, ob Leistungsträger wie Dani Olmo, Dominik Szoboszlai oder Christopher Nkunku, die sich in der Abwesenheit Werners zu den Fixpunkten der Leipziger Offensive gemausert haben, bereit sind, die Herangehensweise zu Gunsten Werners zu verändern.
"Was schon mal da war, muss beim zweiten Mal nicht unbedingt funktionieren", warnt Magath deswegen und führt aus: "Alle haben immer das im Kopf, was vorher war und glauben, das geht wieder so. Wenn jetzt der Spielstil ein anderer ist, dann könnte es auch innerhalb der Mannschaft zu Problemen kommen."
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Christopher Nkunku bekennt sich zu RB Leipzig
Fotocredit: Getty Images
Tedescos Aufgabe wird es also sein, ein Spielsystem zu finden, das die Stärken all seiner Topstars vereint. Dass der Trainer wegen eines neuen Spielers seine Erfolgsformel aus der vergangenen Rückrunde, in der Leipzig die beste Mannschaft der Bundesliga war, ändert, ist eher unwahrscheinlich. Es dürfte also eher Werner sein, der sein Spiel anpassen muss.
Werner muss sich neu beweisen
In London ist ihm das in den vergangenen zwei Jahren nicht gelungen, auch, weil er nie das bedingungslose Vertrauen seines Trainers spürte. Auch in Leipzig muss er sich dieses Vertrauen erst wieder neu erspielen. Einfach wird das nicht, denn die Konkurrenz ist deutlich größer als noch vor zwei Jahren.
Damals war Werner der vielleicht einzige Superstar im Team. Heute ist er neben Nkunku, Olmo, André Silva und Co. einer von vielen. Und mit der Verpflichtung von "Mini-Haaland" Benjamin Sesko, den die Leipziger nur Stunden vor Werner für rund 24 Millionen Euro für die kommende Saison fix aus Salzburg holten, wird der Konkurrenzkampf perspektivisch noch weiter angeheizt.
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Werner läutet Kampf um Torjägerkanone ein: "Rennen offen wie nie"
Quelle: Perform
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