Borussia Dortmund - Die neue Rolle von Marco Reus: Eine Entscheidung, die befreien könnte

Bei Borussia Dortmund endete in diesem Sommer eine Ära: Marco Reus, fünf Jahre lang Kapitän der Schwarz-Gelben, stellte die Binde für einen Nachfolger zur Verfügung. Für seine Entscheidung erhielt der 34-Jährige viel Zuspruch, vor allem Sebastian Kehl war voll des Lobes. Aus der Verantwortung nahm der Sportdirektor den Mittelfeldmann aber keineswegs – und das aus gutem Grund.

Marco Reus ist nicht länger Kapitän von Borussia Dortmund

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Schwarzes Polohemd, schwarz-gelber Hintergrund. Die ohnehin schon blonden Haare mithilfe von Wasserstoffperoxid aufgehellt. Marco Reus meets Eminem. The Real Slim Shady von Dortmund hatte etwas mitzuteilen.
"Hallo liebe BVB-Fans, es ist mir sehr, sehr wichtig, es Euch persönlich mitzuteilen", leitete er sein Video-Statement bedeutungsschwanger ein. Er habe im Urlaub viel Zeit zum Nachdenken gehabt und sei zu dem Entschluss gekommen, "die Kapitänsbinde weiterzugeben."
Reus weiter: "Ich durfte diese Kapitänsbinde fünf Jahre voller Stolz und mit großer Ehre tragen. Danke für die wunderschöne Unterstützung. Ich wünsche Sebastian (Kehl, d. Red.) und Edin (Terzic, d. Red.), dass sie einen guten Nachfolger finden. Aber da bin ich mir sehr, sehr sicher."
Reus, der seinen Vertrag erst vor wenigen Monaten um ein weiteres Jahr verlängert hatte, geht also in neuer Rolle in die kommende Saison. Eine Entscheidung, die sowohl für ihn als auch für die gesamte Mannschaft von Vorteil sein könnte.

Reus contra Mentalitätsfrage

Während seiner Zeit als Captain sah sich Reus regelmäßig mit Kritik konfrontiert, immer wieder wurde ihm fehlende Führungsstärke vorgeworfen. Wenn beim BVB mal wieder die beliebte Mentalitätsfrage gestellt wurde, war Reus der erste Ansprechpartner für die Medien. So häufig, dass ihm einst im Interview mit "Sky" der Kragen platzte: "Kommt mir jetzt nicht mit eurem Mentalitätsscheiß. Jeder Woche immer dieselbe Kacke", schimpfte er 2019 nach einem 2:2 gegen Eintracht Frankfurt.
Nicht wenige Fans und Experten sahen Reus aufgrund seines Amtes gehemmt, bisweilen in seiner Kreativität eingeschränkt. Ex-Profi und Dauer-Kritiker Dietmar Hamann gewann bereits vor zwei Jahren den Eindruck, dass die Kapitänsbinde für Reus "mehr Bürde als Inspiration" gewesen sei.
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BVB-Star Marco Reus

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Nun entledigte sich Reus der Bürde selbst. Eine Entscheidung, die ihm innerhalb des Vereins viel Zuspruch einbrachte. "Das zeugt von Größe. Es zeigt, dass er ein sehr großes Verantwortungsbewusstsein für diesen Klub hat", lobte Sportdirektor Sebastian Kehl.

Weidenfeller begrüßt Reus-Entscheidung

Ex-Reus-Kollege Roman Weidefeller schlug ganz ähnliche Töne an: "Er wird ein wichtiger Spieler bleiben", erklärte der frühere Dortmunder Torhüter im Gespräch mit "Sky". Auch aus seiner Sicht wird Reus eine gewisse Last genommen: "Der BVB kann die Verantwortung, die mit dem Kapitänsamt verbunden ist, auf andere Schultern verteilen. Das ist für den Verein zugleich eine gute Möglichkeit, um der nächsten Generation mehr Verantwortung zu übertragen."
Wer letztlich die Spielführerbinde von Reus übernimmt, ist derzeit noch offen. Torhüter Gregor Kobel, Emre Can und Innenverteidiger Niklas Süle werden medial unter anderem als Nachfolger gehandelt.
Binde adé, Verantwortung adé? Kehl besteht freilich darauf, dass Reus dennoch eine Führungsspielerrolle einnimmt. "Marco wird trotzdem weiter in der Verantwortung bleiben", sagte Kehl am vergangenen Freitag am Rande des ersten öffentlichen BVB-Trainings der Saisonvorbereitung. "Er ist ein unglaublich wichtiger Spieler für Borussia Dortmund. Er wird weiter vorangehen wollen und wir werden ihn auch in die Verantwortung nehmen."
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Marco Reus

Fotocredit: Getty Images

Wie häufig Reus künftig noch die ganz große Verantwortung übernehmen wird, ist offen. In der vergangenen Saison kam er auf 25 Bundesliga-Einsätze, "nur" 14 Mal stand er - auch aufgrund von Problemen im Sprunggelenk - in der Startelf (sechs Tore, sechs Vorlagen, d. Red.).
Dass er in der kommenden Spielzeit zum unangefochtenen Stammpersonal zählen wird, dürfte unwahrscheinlich sein. Aber: In dem Wissen, dass nun nicht mehr alle Augen auf ihn gerichtet, er nicht länger derjenige ist, der mit leidigen Mentalitätsfragen gelöchert wird, stellt sich potenziell eine gewisse Befreiung für den fußballerischen Schöngeist ein.

Kehl zieht Parallelen

Und genau das wäre ihm im Spätherbst seiner Dortmund-Zeit zu wünschen. Die nächste Saison könnte immerhin die letzte im BVB-Dress sein. "Ich habe das in meinem letzten Jahr auch gemacht", sagte Kehl mit Blick auf Reus' Verzicht auf die Kapitänsbinde und zog damit eine Parallele zu seiner eigenen Karriere. Eine kleine Tür ließ er aber offen. "Wie das bei Marco ist - ob er vielleicht auch noch länger bleibt - werden wir sehen."
Eine erste Duftmarke ohne Binde setzte Reus am Mittwochabend: Im Testspiel gegen Westfalia Rhynern (7:0) steuerte er zwei herrliche Tore bei. Nicht zu hoch zu werten, der Gegner kickt normalerweise in der fünften Liga. Ein kleines Lächeln ließ er sich trotzdem entlocken.
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Quelle: Perform

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