Das bewegte Jahr des VfB Stuttgart: Sebastian Hoeneß' Heldenreise zwischen Taumel und Triumph
Publiziert 29/03/2024 um 18:14 GMT+1 Uhr
Der VfB Stuttgart erlebt in der Bundesliga-Saison 2023/2024 einen märchenhaften Aufstieg. Nachdem die Schwaben in der vergangenen Saison noch gegen den Abstieg kämpften und in der Relegation gegen den Hamburger SV ranmussten, stehen sie mit Trainer Sebastian Hoeneß nicht mal ein Jahr später vor der Qualifikation für die Champions League. Dabei läuft auch beim VfB längst nicht alles rund.
Jubel beim VfB Stuttgart
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Wäre die Bundesliga eine Erzählung aus der griechischen Mythologie, man könnte Sebastian Hoeneß' vergangenes Jahr beinahe mit einer Heldenreise, einer Odysee, vergleichen.
Da gibt es einen Hauptcharakter, der sich auf eine Reise zu einem bestimmten Ziel begibt. Auf dem Weg dorthin muss er zahlreiche Hindernisse überwinden, nur um letztendlich über das Böse zu siegen.
Im Falle des VfB Stuttgarts ist dieser Held eben Trainer Hoeneß, der sich mit einem am Abgrund taumelnden Klub auf eine Reise ins Ungewisse begibt – und am Ende als großer Sieger hervorgeht.
Vor fast genau einem Jahr übernahm der 41-Jährige den kriselnden Verein. Damals lagen die Stuttgarter mit gerade einmal 20 Punkten auf dem letzten Tabellenplatz. Nun spielt man die beste Bundesliga-Saison der Klub-Geschichte und hat die Königsklasse im Visier. Aber Stuttgart wäre wohl nicht Stuttgart, wenn auch in den Hochphasen nicht Machtkämpfe die Schlagzeilen dominieren würden.
Hoeneß, der Heilsbringer
Am 1. April 2023 unterlag der VfB beim 1. FC Union Berlin mit 0:3. Anschließend musste in Bruno Labbadia bereits der dritte Trainer in dieser Spielzeit gehen. Zuvor hatten sich schon Pellegrino Matarazzo und Michael Wimmer ihr Glück mit der heillos überforderten jungen Mannschaft versucht.
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Sebastian Hoeneß - VfB Stuttgart
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Nun übernahm also Hoeneß – und die Vorzeichen standen schlecht. In der Bundesliga hatte der Neffe von Bayern-Legende Uli bislang nur zwei Jahre Erfahrung bei der TSG 1899 Hoffenheim vorzuweisen. Zuvor hatte er lediglich Jugend-Mannschaft beim FC Bayern und RB Leipzig trainiert.
Doch das Vabanquespiel der Stuttgarter Verantwortlichen ging auf. Hoeneß trat im Vergleich zum Disziplin-Fanatiker Labbadia wie der verständnisvolle große Bruder auf. So schaffte er schnell ein Vertrauensverhältnis zwischen sich und den verunsicherten Spielern.
Auch der spielerische Ansatz mit ballbesitzorientiertem Fußball entsprach den Fähigkeiten des Teams deutlich mehr als die auf eine stabile Defensive ausgerichtete Taktik von Ex-Trainer Labbadia. Am Ende rettete sich der VfB in die Relegation, wo man dem HSV in Hin- und Rückspiel keine Chance ließ (3:0 und 3:1).
VfB Stuttgart: Vom Absteiger zum Champions-League-Aspirant
Dennoch war der kometenhafte Aufstieg der Schwaben in der laufenden Saison kaum abzusehen. Zumal Leistungsträger wie Borna Sosa oder Konstantinos Mavropanos den Verein im Sommer verließen.
Doch preisgünstige Lösungen wie Maximilian Mittelstädt (kam für 500 000 Euro von Absteiger Hertha BSC) oder Leihspieler Deniz Undav (Brighton & Hove Albion) und Torhüter Alexander Nübel (FC Bayern München) funktionierten auf Anhieb.
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Maximilian Mittelstädt (VfB Stuttgart)
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Auch deshalb spielt der VfB die beste Bundesliga-Saison der Vereinsgeschichte. Nach 26 Spieltagen hat man 18 Siege und 56 Punkte eingefahren und liegt auf Rang drei, nur vier Zähler hinter dem großen FC Bayern. Hoeneß holte aus seinen ersten 34 Spielen auf der VfB-Bank 69 Punkte. Sein Punkteschnitt von 2,03 Zählern pro Partie ist der beste aller Stuttgart-Trainer in der Bundesliga-Historie.
Offensiv-Trio sorgt für Furore
Neben dem Trainer ist vor allem das Offensiv-Trio aus Undav, Serhou Guirassy und Chris Führich eng mit dem Erfolg verknüpft. Gemeinsam erzielten sie bereits 43 Tore – und erinnern an die Zeiten des "magischen Dreiecks" aus Fredi Bobic, Giovane Elber und Krassimir Balakov.
Gleich vier Stuttgarter nominierte Bundestrainer Julian Nagelsmann jüngst für die Länderspiele gegen Frankreich und die Niederlande. Vor allem Mittelstädt hat gute Aussichten auf einen Stammplatz bei der Heim-Europameisterschaft.
In der Liga hat der VfB ein anspruchsvolles Restprogramm. Es geht unter anderem noch gegen Borussia Dortmund (6. April), Bayer 04 Leverkusen (27. April) und den FC Bayern (4. Mai). Aber die Hoeneß-Mannschaft hat in dieser Saison bereits bewiesen, dass sie in der Lage ist, mit den Spitzenteams mitzuhalten.
Ein Einbruch im Endspurt ist nicht abzusehen. Und so hofft man in Stuttgart auf die erste Champions-League-Teilnahme seit 2009/10.
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Deniz Undav (l.) und Serhou Guirassy jubeln (VfB Stuttgart)
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Träume auf dem Platz – Ärger im Hintergrund
Dennoch stehen auch bei der Überraschungsmannschaft der Bundesliga nicht alle Zeichen auf Happy End. Während das Team die Fans in dieser Spielzeit begeistert, braut sich im Hintergrund ein Machtkampf zusammen, der die Schlagzeilen beim VfB dieser Tage bestimmt.
So wurde entgegen der anderslautender Versprechungen an die Mitglieder Vereinspräsident Claus Vogt kürzlich als Aufsichtsratsvorsitzender abgesetzt. Im Rahmen der Ausgliederung des Profi-Fußballs im Jahr 2017 wurde den Mitgliedern allerdings mündlich zugesichert, dass der Präsident des e.V. auch immer den Posten des Aufsichtsratschefs innehaben soll.
Maßgeblich dafür verantwortlich zeichnet Investor Porsche, der den Platz im Aufsichtsrat mit der CDU-Politikerin Tanja Gönner besetzte. Inzwischen fordern zahlreiche VfB-Fans ob der gebrochenen Versprechen den Rücktritt von Präsident Vogt.
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Als Aufsichtsrat abgewählt: Claus Vogt
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Es ist nicht das erste Mal, dass der Klub-Chef in der Öffentlichkeit in die Kritik gerät. Ex-Spieler Thomas Hitzlsperger, der mit dem VfB 2007 deutscher Meister wurde und anschließend als Funktionär zurückkehrte, kündigte im Dezember 2020 seine eigene Präsidentschaftskandidatur an. Zuvor hatte es Diskrepanzen mit Vogt und anderen Gremienmitgliedern gegeben. In der Folge verließ Hitzlsperger den Verein, offiziell "im Guten".
Die Querelen um die Verantwortlichen im Verein trüben den so positiven Eindruck, den die Mannschaft in den vergangenen Monaten in die Öffentlichkeit gesendet hat.
Und doch ist klar: Die Heldenreise von Hoeneß und seinem Team ist noch nicht vorbei. Immerhin wurde der Vertrag des Übungsleiters erst kürzlich bis 2027 verlängert. Vielleicht entsteht da ja gerade etwas Großes in Bad Cannstatt.
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VfB-Trainer Hoeneß: "Mit das Beste, was wir gezeigt haben"
Quelle: Perform
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