Maximilian Mittelstädt sorgt im DFB-Team für EM-Euphorie - vom Absteiger zum Hoffnungsträger der Nationalmannschaft

Maximilian Mittelstädt könnte kurz vor der Heim-Europameisterschaft im kommenden Sommer die Lösung für die Problemposition der deutschen Nationalmannschaft auf der linken Abwehrseite sein. Die Chancen für die Kadernominierung stehen gut. Dabei hat der gebürtige Berliner eine unwirkliche Reise hinter sich – dass er noch in der Bundesliga spielt, hätte vor einem Jahr wohl niemand gedacht.

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Quelle: Perform

Anhänger von Hertha BSC reiben sich dieser Tage ungläubig die Augen. Ist das wirklich dieser Maximilian Mittelstädt, der plötzlich die Hoffnung der ganzen Nation auf eine erfolgreiche EM befeuert?
Seit Philipp Lahm haben sich viele an der Linksverteidiger-Position in der DFB-Elf probiert – kein David Raum, kein Robin Gosens und kein Benjamin Henrichs konnten sich langfristig durchsetzen. Und nun also Mittelstädt.
Der 27-Jährige spielt beim VfB Stuttgart eine überragende Saison und hat sich laut Bundestrainer Julian Nagelsmann zum "statistisch besten Linksverteidiger der Bundesliga" hochgespielt.
In seiner Heimatstadt Berlin, bei seinem Ex-Verein Hertha, konnte Mittelstädt sein Potenzial dabei nie wirklich ausschöpfen.
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Maximilian Mittelstädt

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Mittelstädt debütiert bei seiner "Jugendliebe"

"Eine sehr harte Saison ist zu Ende! Unter dem Strich steht der Abstieg, der für uns alle eine sehr große Enttäuschung ist. Auch für mich persönlich war diese Saison alles andere als leicht."
Mit diesen Worten kündigte Mittelstädt auf Instagram im Juni vergangenen Jahres seinen Abgang von der Alten Dame in Richtung Stuttgart an. Es war der Tiefpunkt der Liebesbeziehung zu seinem Herzensverein.
Dabei fing die Geschichte verheißungsvoll an. Als 15-Jähriger wechselte Mittelstädt im Sommer 2012 vom Ausbildungsverein Hertha 03 Zehlendorf zur "großen" Hertha nach Westend.
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Maximilian Mittelstädt in seiner ersten Profi-Saison bei Hertha BSC

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Zweieinhalb Jahre später gehörte er erstmals dem blau-weißen Profikader an, im März 2016 feierte der Linksverteidiger sein Bundesliga-Debüt im Spiel gegen Eintracht Frankfurt.

Mittelstädt und Hertha: Ein uneingelöstes Versprechen

Mittelstädt, der Junge aus der eigenen Jugend, war der Inbegriff des später ausgerufenen "Berliner Weg". Nur leider stagnierte die Entwicklung des 1,80-Meter-Manns im von Krisen und Chaos gebeutelten Klub.
So konnte sich Mittelstädt unter den häufig wechselnden Hertha-Trainern nie wirklich als absoluter Stammspieler etablieren. WM-Fahrer von 2018, Marvin Plattenhardt, hatte dann doch häufig die Nase auf seiner Position vorn.
Die Karriere des Jungen aus dem Berliner Randbezirk Staaken wirkte wie ein uneingelöstes Versprechen. Ironischerweise ist Plattenhardt nun seit dem Sommer vereinslos, während Mittelstädt ganz Deutschland aktuell in Euphorie versetzt.
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Maximilian Mittelstädt unmittelbar nach dem Abstieg von Hertha BSC

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Mittelstädt: Dank Hoeneß Nationalspieler

Mit dem Abstieg im Sommer 2023 ging auch Mittelstädts Zeit bei der Alten Dame zu Ende. Der VfB Stuttgart sicherte sich für gerade einmal 500 000 Euro die Dienste des Linksaußen und erhoffte sich einen adäquaten Ersatz für den abgewanderten Borna Sosa.
Unter Trainer Sebastian Hoeneß erlebte der Ex-Herthaner einen plötzlichen Aufschwung, den ihm wohl nur die wenigsten zugetraut hätten. Beim Überraschungsteam der Bundesliga blüht Mittelstädt derzeit sensationell auf, ist auf der linken Außenbahn gesetzt.
Das Vertrauen seines Coaches zahlt er regelmäßig mit starken Leistungen zurück. So stark, dass schließlich auch der Bundestrainer auf ihn aufmerksam wurde.
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Letztes Jahr noch Mannschaftskollegen bei Hertha BSC: Maximilian Mittelstädt und Lucas Tousart

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Schon nach seinem Debüt gegen Frankreich erhielt Mittelstädt Lob von oberster Stelle. "Wenn ich Maxi Mittelstädt sehe, wie abgeklärt der das gemacht hat in seinem ersten Länderspiel, das ist absolut hervorzuheben", erklärte Real-Madrid-Star Toni Kroos.

Mittelstädt zwischen Genie und Wahnsinn

Gegen die Niederlande erlebte der 27-Jährige dann einen Auftritt zwischen Genie und Wahnsinn. Erst verursachte er mit einem Horror-Pass das 0:1 durch Joey Veerman (4.), nur sieben Minuten später glich Mittelstädt mit einem Traumtor von der Strafraumkante zum 1:1 aus (11.) und sorgte im Einklang mit der Torhymne "Major Tom" für völlig losgelöste Stimmung.
Grund genug für den Bundestrainer, die Leistung seines Außenverteidigers im Anschluss noch einmal hervorzuheben.
"Am Ende ist die Aktion von Maxi Mittelstädt doch genau das, was ich sehen wollte", so Nagelsmann. "Alle haben gesagt: Der hat noch kein internationales Spiel, das ist vielleicht zu früh. Er macht einen Fehler, schießt ein Tor, macht danach wieder ein super Spiel."
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Überzeugte auch gegen Frankreich: Maxi Mittelstädt

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Dann schob der 36-Jährige noch hinterher: "Sehr guter Spieler, viel Ehrgeiz, viel Power und dazu noch ein top Typ, der tut uns gut."
Und Mittelstädt selbst? Der freut sich über das "sehr, sehr schöne Gefühl": "Als kleiner Junge träumt man von solchen Momenten. Ich habe hart dafür gearbeitet und musste mit vielen Rückschlägen umgehen - deswegen bin ich umso stolzer, dass ich diesen Weg gegangen bin."
Vom Absteiger zum Shootingstar - Mittelstädt könnte der entscheidende Faktor auf dem Weg zur Europameisterschaft sein. Eine Rolle, die ihm im Sommer wohl niemand zugetraut hätte.
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Nagelsmann-Ansage: "Werden keine fünf Spieler mehr austauschen"

Quelle: Perform

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