Drei Dinge, die bei Eintracht Frankfurt gegen Borussia Dortmund auffielen: Julian Brandt zwischen Wahnsinn und Genie
Borussia Dortmund hat bei Eintracht Frankfurt Moral gezeigt und nach langem Rückstand zumindest einen Punkt gerettet (3:3). Vor dem Topspiel in einer Woche gegen Bayern offenbarte sich aber eine Problemzone und auch der zuletzt starke Julian Brandt wandelte zwischen Wahnsinn und Genie. Frankfurt muss sich indes den Vorwurf gefallen lassen, den Sack nicht früher zugemacht zu haben. Was uns auffiel.
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Quelle: Perform
Hans-Joachim Watzke und Matthias Sammer zogen auf der Tribüne lange Gesichter und auch die Stimmung bei den Männern in Schwarz-Gelb auf dem Rasen war nicht wirklich besser.
Borussia Dortmund hat zwar am 9. Bundesliga-Spieltag die erste Saisonpleite dank einer Willensleistung abgewendet, beim 3:3 (1:2)-Remis bei Eintracht Frankfurt aber erstmals nach fünf Siegen in Serie wieder Punkte liegen gelassen.
Omar Marmoush brachte die zu Beginn wie entfesselt aufspielenden Hausherren per Doppelpack (8./HE, 24.) früh komfortabel in Front. Marcel Sabitzer unmittelbar vor (45.+1) sowie der eingewechselte Youssoufa Moukoko kurz nach dem Seitenwechsel (54.) brachten den BVB jedoch wieder zurück ins Spiel.
Mitten hinein in die besten Dortmunder Phase traf Fares Chaibi (68.) zur erneuten Frankfurter Führung, die der ebenfalls eingewechselte Julian Brandt egalisierte (83.).
Drei Dinge, die uns bei Eintracht Frankfurt gegen Borussia Dortmund auffielen.
1.) Dortmund hat ein riesiges Leck
Ramy Bensebaini ruderte verzweifelt mit den Armen und blickte dabei hilfesuchend in Richtung seiner Teamkollegen - aus gutem Grund.
Nahezu vom Anpfiff weg rollte eine Frankfurter Offensivwelle nach der anderen über die linke Abwehrseite des ehemaligen Gladbachers, der den angeschlagenen Julian Ryerson vertrat, und sorgte für höchste Alarmstufe im Dortmunder Strafraum. Bereits nach fünf Minuten brach Chaibi auf der rechten Außenbahn durch, woraus letztlich der Handelfmeter zur SGE-Führung durch Marmoush resultierte (8.).
Weitere Chancen durch die aktiven Buta und Tuta sowie der zweite Frankfurter Treffer abermals durch Marmoush (24.) ließen nicht lange auf sich warten und wurden allesamt über die anfällige linke Flanke des BVB eingeleitet. So liefen zeitweise 72 Prozent der Frankfurter Angriffe über jene Seite - zum Leidwesen des überforderten Bensebaini.
"Ich verlange von Bensebaini, dass er da ein besseres Gefühl dafür entwickelt, wann er presst und wann er sich fallen lässt. Er muss besser mit seinem Vordermann Reyna, der auch gefordert ist, kommunizieren. Da haben sie einfach geschlafen", brachte es Ex-Profi und "DAZN"-Experte Michael Ballack auf den Punkt.
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Omar Marmoush - Eintracht Frankfurt
Fotocredit: Imago
"Gegen den Ball haben wir keinen Zugriff bekommen. Sie haben das Spiel von der einen auf die andere Seite verlagert - da kamen wir nicht hin und da sind dann auch die Tore gefallen. Das müssen wir abstellen und besser machen", forderte Nico Schlotterbeck.
Erst in der zweiten Halbzeit bekamen die Schwarz-Gelben jene undichte Stelle in den Griff, auch weil Trainer Edin Terzic sowohl personelle (Karim Adeyemi für Reyna) als auch taktische Veränderungen vornahm. "Was uns nicht gefallen hat, war, dass wir nicht als gesamte Mannschaft ins Pressing gegangen sind. Einer hat immer nicht aufgepasst oder nicht mitgemacht", bemängelte der und ergänzte: "Wir haben in der Halbzeit das System umgestellt und wollten aggressiver sein."
Mit Erfolg - wenn auch mit etwas Verspätung.
2.) Brandt zwischen Wahnsinn und Genie
Mats Hummels gestikulierte wild mit Händen und Füßen in Richtung Mitspieler Brandt. Selbst als der Abwehrchef wenig später ausgewechselt wurde und schon auf der Bank Platz genommen hatte, konnte er sich nicht beruhigen, sondern schimpfte weiter wie ein Rohrspatz.
Doch was war passiert?
Es lief die 68. Minute im Deutsche Bank Park als, die Borussia beim Stand von 2:2 einen Angriff der Hausherren stoppte und ihrerseits zum Konter ansetze. Über Moukoko gelang der Ball im Aufbau zu Brandt, der den Ball aufreizend lässig mit der Hacke wieder zu seinem Offensivkollegen weiterleiten wollte.
Jenes Kunststück missglückte jedoch völlig und resultierte wenige Augenblicke später in der erneuten Frankfurter Führung durch Chaibi. Eine Szene, die selbst jedem Amateutrainer den Blutdruck in die Höhe schießen lässt.
"Dortmund hat in dieser Szene das Momentum, die Kontersituation, bei sich und dann macht Brandt mit der Hacke so einen leichtfertigen Fehler und bringt die Frankfurter sofort wieder ins Spiel. Das ist leichtfertig und ärgerlich", konstatierte Ballack.
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Julian Brandt - Borussia Dortmund
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Hummels' Wut war daher nur allzu verständlich, da der BVB zu diesem Zeitpunkt drauf und dran war, selbst die Partie auf ihre Seite zu ziehen. "Nach dem 2:2 hatten wir das Gefühl, dass wir näher dran waren und machen dann einen Fehler in der Vorwärtsbewegung und kassieren das 3:2", ärgerte sich auch Schlotterbeck.
Es zeichnet jedoch große Spieler aus, dass sie sich von solchen Fehlern nicht aus dem Konzept bringen lassen - so auch Brandt. Nur eine Viertelstunde verwertete er im Frankfurter Strafraum eine scharfe Hereingabe von Adeyemi (83.) zum Endstand und machte so seinen kapitalen Aussetzer wieder wett.
"Julian läuft gut ein und macht das dann technisch klasse. Da hat er gezeigt, was er kann", schwärmte Ballack vom deutschen Nationalspieler, der nun im achten Ligaspiel in Folge an einem Treffer beteiligt war. Letztmals war dies einem gewissen Erling Haaland im BVB-Trikot gelungen.
3.) Frankfurt lässt Dortmund am Leben
Nein, so wirklich freuen wollte sich auf Frankfurter Seite nach Abpfiff trotz des Punktgewinns niemand.
Die Adlerträger hatten dem Vizemeister speziell in der ersten Halbzeit komplett den Schneid abgekauft und mussten sich einzig den Vorwurf gefallen lassen, nicht deutlich höher in Führung gegangen zu sein.
Die Mannschaft von Dino Toppmöller machte auch mit dem 2:0 im Rücken weiter Alarm und hätte nach einem vermeintlichen Foul von BVB-Keeper Alexander Meyer, der für den angeschlagenen Stammtorhüter Gregor Kobel in die Partie kam, am starken Marmoush gar einen zweiten Elfmeter an diesem Nachmittag hätten zugesprochen bekommen können - vielleicht sogar müssen.
Schließlich traf der Schlussmann mit der Hand lediglich den Angreifer und nicht den Ball. Stattdessen ließ Sabitzer mit seinem Treffer unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff - auch weil Marmoush im direkten Gegenzug nur den Pfosten traf.
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William Pacho - Eintracht Frankfurt
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"Ich glaube, wir haben ein sehr starkes Spiel gemacht, gut gekontert und viele Chancen herausgespielt. Für uns ist es ärgerlich, dass wir den Sieg nicht nach Hause bringen. Wir können aber auf das Spiel aufbauen", analysierte der Ex-Borusse Ansgar Knauff.
Der herausragende Hugo Larsson pflichtete seinem Teamkollegen bei: "Es ist ein bisschen nervig und wir sind auch ein wenig enttäuscht. Wir haben ein gutes Spiel gemacht. Mit der Entwicklung sind wir sehr zufrieden, wir werden von Spiel zu Spiel stärker, aber wir hätten das Spiel natürlich gerne gewonnen."
Immerhin kann sich der Europa-League-Sieger aus dem Jahr 2021 damit trösten, in der Liga nun seit mittlerweile 12 Monaten vor heimischer Kulisse ungeschlagen zu sein. Letzter Eintracht-Bezwinger auf den Tag genau vor einem Jahr war übrigens der BVB (1:2).
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"Viel zu wild": Terzic wünscht sich mehr Kontrolle
Quelle: Perform
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