Drei Dinge, die beim BVB gegen den 1. FC Heidenheim auffielen: Horror-Abend für Sébastien Haller

Borussia Dortmund setzt die Serie "Pleiten, Pech und Pannen" am 3. Spieltag der Bundesliga mit einem 2:2 gegen den 1. FC Heidenheim fort. Beim Debüt von Niclas Füllkrug gibt Sébastien Haller eine tragische Figur ab. Schiedsrichter Tobias Reichel steht ihm in Sachen Slapstick allerdings kaum nach. BVB-Trainer Edin Terzic spricht seinem Team derweil jetzt schon die Meisterreife ab. Was auffiel.

Sébastian Haller reißt Jan-Niklas Beste um - Elfmeter für Heidenheim

Fotocredit: Imago

Edin Terzic wirkte fast schon desillusioniert. "Das passiert Spitzenmannschaften nicht. Uns passiert das wiederholt", meinte der BVB-Trainer nach dem 2:2 (2:0) gegen Aufsteiger Heidenheim am 3. Spieltag der Bundesliga und stellte seiner Mannschaft damit ein richtig mieses Zeugnis aus.
Auch im dritten Spiel der jungen Saison gelang es dem Terzic-Team nicht zu überzeugen, verspielte sogar einen 2:0-Vorsprung. "Wir haben komplett die Struktur aufgegeben. Selbst als es zwölf Minuten Nachspielzeit gab, wollten wir mit jeder Aktion schnell, schnell, schnell vor das Tor kommen. Das sind Dinge, die uns nicht passieren dürfen, wenn wir die ganz großen Ambitionen haben wollen", so der 40-Jährige.
Ganz anders die Gemütslage bei den Gästen. "Nach 14 Minuten schon 0:2 hinten und dann noch in Dortmund einen Punkt mitnehmen - das ist mega", freute sich Heidenheim-Trainer Frank Schmidt nach der turbulenten Partie, die Heidenheim am Ende sogar gewinnen hätte können.
Während der FCH seinen ersten Bundesliga-Zähler holte, hat der BVB aus zwei Heimspielen gegen Köln (1:0) und Heidenheim (2:2) sowie einer Auswärtspartie in Bochum (1:1) nur fünf Punkte geholt - mindestens vier davon glücklich.
Drei Dinge, die auffielen.

1. Horror-Abend für Haller

Sébastien Haller wird nicht gerade erfreut darüber gewesen sein, dass der BVB am Donnerstag mal eben noch Niclas Füllkrug für den Angriff verpflichtete. Gegen Heidenheim stand der Ivorer dennoch in der Startelf, spielte aber seine wohl schlechteste Partie im Dortmunder Trikot.
Egal, was der BVB in und rund um den Strafraum veranstaltete - Haller strahlte dabei keinerlei Torgefahr aus. Die bemerkenswerteste Offensivszene des 29-Jährigen war noch, als er sich nach 50 Minuten selbst ins Gesicht bolzte. Man konnte fast Mitleid bekommen.
Als Füllkrug an der Seitenlinie schon mit den Hufen scharrte, unterlief Haller sogar ein noch schlimmeres Missgeschick: Als letzter Mann am eigenen Strafraum übersah er Jan-Niklas Beste und riss diesen zu Boden (76.).
Was folgte, war nicht minder abenteuerlich: Schiedsrichter Tobias Reichel zeigte zunächst auf den Punkt, entschied sich dann für Abseits, ließ den BVB wechseln (u.a. Füllkrug für Haller) und gab schließlich doch, nach Ansicht der Bilder, den Elfmeter - eine solche Abfolge hat es in der Bundesliga-Geschichte auch noch nicht gegeben.
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Heidenheim bejubelt ein 2:2 in Dortmund

Fotocredit: SID

Haller sah auf der Bank sogar noch nachträglich die Gelbe Karte - allerdings wäre auch Rot vertretbar gewesen. Dann wäre Reichel wegen der schon erfolgten Auswechslung aber ins Rudern gekommen. "Für die Schiedsrichter war es heute enorm schwer", hatte letztlich sogar Schmidt Verständnis für die Konzessionsentscheidung des Unparteiischen.
Hallers Arbeitsnachweis las sich auch so ernüchternd: nur 37 Ballaktionen, dabei 16-mal den Ball verloren, null Torschüsse.
Im Trubel der Schlussphase ging dann aber auch Füllkrugs Debüt komplett unter - der Ex-Bremer hatte gerade mal eine Ballaktion im gegnerischen Strafraum, war kein Faktor mehr.
"Der Empfang war grandios, meine Einwechslung ein ganz toller Moment", sagte er dennoch später. Und zu seinem Wechsel: "Es passt einfach. Ich glaube, dass ich hier helfen und der Verein mich auch auf die nächste Stufe bringen kann.
Spielt Haller weiter so schwach wie aktuell, bekommt Füllkrug schnell eine Chance von Beginn an.

2. Dreimal Hand, dreimal bitter für Heidenheim

Die wichtigsten Szenen der ersten Spielstunde sind schnell erzählt, dreimal war eine Hand im Spiel: Beim 1:0 von Julian Brandt legte Emre Can den Ball unabsichtlich mit dem Ellenbogen vor (7.), vor Cans Elfmeter zum 2:0 (15.) hielt Lennard Maloney den Arm strafbar in einen Lob-Versuch von Brandt und in der 52. Minute war Marvin Pieringer beim vermeintlichen 1:2 der Gäste mutmaßlich mit dem Oberarm am Ball.
Streitbar war vor allem letztere Szene: Schiedsrichter Reichel hatte aus der Spielsituation heraus nämlich auf Abseits entschieden, nicht auf Handspiel; dieses ließ sich durch die TV-Bilder aber nicht zweifelsfrei bestätigen. Reichel schaute sich die Szene auch nicht nochmal am Bildschirm an, sondern entschied einzig auf Anraten des VARs auf Freistoß für den BVB.
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Füllkrug trauert Chancen nach: "Es fehlen die drei Punkte"

Quelle: Perform

So gereichten unterm Strich alle drei Hand-Szenen Heidenheim zum Nachteil. Das war nicht zwingend skandalös, aber in Summe sehr unglücklich - einen (Schiedsrichter-)Bonus strich der Aufsteiger im Kräftemessen mit dem Beinahe-Meister des Vorjahres jedenfalls nicht ein.
Karma-technisch war es so eine glückliche Fügung, dass Reichel den Gästen dann doch noch den Strafstoß zum Ausgleich (Tim Kleindienst, 82.) gewährte. Und auch Schmidt war zufrieden: "Wenn es Hand ist, darf er das Tor nicht geben. Eigentlich ein Witz, dass das Tor nicht zählt. Aber es ist die Regel."

3. Dortmund kriegt die Tür nicht zu

Noch gar nicht viel verkehrt gemacht, trotzdem nach 15 Minuten 0:2 hinten - Heidenheims Albtraum-Viertelstunde vom Heimspiel gegen Hoffenheim, als aus einem 2:0 noch ein 2:3 wurde, fand in Dortmund seine schaurige Fortsetzung.
Von einem Meisterschaftskandidaten hätte man nun eigentlich erwartet, dass er dem gebeutelten Aufsteiger schnell den Garaus macht. "Wir liegen nach einer Viertelstunde 0:2 hinten. Da haben viele gedacht, es geht nur noch um die Höhe", sagte auch Schmidt.
Doch weder Sabitzer (19.) noch Malen (43./45.+1) brachten den Ball im Tor unter und hielten den FCH so am Leben. "Wenn wir eine der zwei, drei Großchancen machen, sprechen wir hier nicht darüber", meinte Brandt später.
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VAR-Ärger in Dortmund: "Momentaufnahmen fallen weg"

Quelle: Perform

Wie sich der BVB in der zweiten Halbzeit dann die Butter vom Brot nehmen ließ, war erschreckend. Heidenheim reichte eine disziplinierte, kämpferische Leistung, um Dortmund mehr und mehr ins Schwitzen zu bringen. Spätestens mit dem 1:2 durch Eren Dinkci (61.), bei dem Marius Wolf ohne Not einen Fehlpass spielte und Gregor Kobel in der kurzen Ecke überrascht wurde, lag die Sensation in der Luft. Mit dem Strafstoß zum 2:2 gab's für den BVB dann die Quittung (82.).
Beim 2:1 sei man eigentlich "sicher am Ball" gewesen, monierte Brandt sauer, das 2:2 sei dann einfach nur "dämlich" gewesen: "Solche Tore brechen uns das Genick."
Wer nach dem Ausgleich mit einer wütenden Antwort der Hausherren rechnete, wurde schwer enttäuscht. In der 15 Minuten dauernden Nachspielzeit war sogar Heidenheim dem Sieg näher als der BVB, wenngleich ein Schuss des eingewechselten Felix Nmecha noch die Latte küsste (90.+10).
Man müsse sich aus Dortmunder Sicht "fast an den Kopf fassen, dass es am Ende überhaupt noch 2:2 steht", meinte Brandt desillusioniert.
Mit Abpfiff lagen fast alle Spieler entkräftet auf dem Boden. Als Sieger konnten sich jedoch nur die Gäste fühlen - das signalisierte auch das gellende Pfeifkonzert des Heimpublikums.
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