FC Bayern - Die Lehren der Asien-Reise: Leon Goretzka droht ein schwieriges Jahr, gute Ansätze bei Min-Jae Kim

Der FC Bayern kehrte am Donnerstag von seiner zehntägigen Vorbereitungstour aus Asien zurück. Im Gepäck hatte der deutsche Rekordmeister, der in Japan und Singapur insgesamt drei Testspiele absolvierte, etliche Erkenntnisse. Während Konrad Laimer zum Gewinner avancierte und Neuzugang Min-Jae Kim vielversprechende Ansätze zeigte, schaute ein bislang gesetzter FCB-Star in die Röhre.

Tuchel schwärmt von Krätzig: "Wusste nicht, wie gut er vorne ist"

Quelle: Perform

"Sag' beim Abschied leise Servus", sang Schlagersänger Peter Alexander und etablierte ungewollt einen geflügelten Satz.
Der Abschied des FC Bayern aus Asien fiel alles andere als leise aus, kurz vor dem Heimflug lieferten sich die Münchner mit dem FC Liverpool noch einmal ein echtes Spektakel.
4:3 hieß es am Ende aus Sicht des deutschen Rekordmeisters, der zwischenzeitlich 0:2 und 2:3 hintengelegen hatte. Serge Gnabry (33.) und Leroy Sané (42.) egalisierten zunächst den Rückstand, ehe Josip Stanisic (80.) und No-Name Frans Krätzig mit einem Traumtor (90.+1) die Partie zugunsten des FCB drehten.
"Dieses Spiel war der Beweis, dass wir auf dem richtigen Weg sind", sagte Trainer Thomas Tuchel im Anschluss an die Partie. Er mahnte jedoch: "Wir müssen weiter wachsen, wir müssen noch besser werden."
Bei diesem Prozess dürften die Erkenntnisse aus Fernost helfen.
Die Lehren der Bayern-Reise.

1.) Laimer sticht Goretzka aus

Sonderlich gut standen die Vorzeichen nicht, als Konrad Laimer in München aufschlug. Der Transfer des Österreichers von RB Leipzig war bereits vor Monaten vorangetrieben worden, Laimer war ein Wunschspieler von Julian Nagelsmann, Hasan Salihamidzic tütete den Deal ein. Beide sind bekanntlich nicht mehr im Amt, Laimers Umzug in die bayrische Landeshauptstadt war also ein Sprung ins Ungewisse.
Auch, weil Coach Tuchel bei der Vereinsführung intensiv um einen zusätzlichen defensiven Mittelfeldspieler warb. Doch die Transferbemühungen konzentrieren sich aktuell gänzlich auf die Verpflichtung eines neuen Stürmers. Alle Augen sind auf Harry Kane von Tottenham Hotspur gerichtet.
Laimer brachte sich indes in Stellung, fiel im Training als fleißiger Arbeiter auf - und beeindruckte seinen neuen Übungsleiter. "Dass Konni Laimer kommen würde, war schon lange bevor ich da war entschieden", gab Tuchel im Juli am Rande des Trainingslagers in Rottach-Egern zu. "Ich bin froh, dass er hier ist. Es ist eine große Konkurrenz im Mittelfeld."
Tuchel weiter: "Er ist extrem fleißig und laufstark. Er definiert sich über Ballgewinne, kann vielleicht nicht nur im Mittelfeld spielen." Laimer sei als Spieler "sehr interessant" und als Person "sehr positiv", der 26-Jährige passe "hervorragend ins Mannschaftsgefüge."
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Konrad Laimer (l.) und Leon Goretzka - FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

So hervorragend, dass der ehemalige BVB- und Chelsea-Trainer in Laimer deutlich mehr als eine Ergänzung sieht. Das machte Tuchel während der Asienreise deutlich. In allen drei Testspielen (Manchester City 1:2, Kawasaki Frontale 1:0, Liverpool 4:3) durfte der Neuzugang von Beginn an neben Joshua Kimmich ran. Dabei wusste er weitestgehend zu überzeugen.
"Wir haben nicht viele Spiele, um uns vorzubereiten. Wir wollen Abläufe in unser Spiel bekommen, einen Teamspirit", sagte Tuchel nach dem Sieg über Kawasaki. Er schob nach: "Grundsätzlich ist es schon so, dass ich so schnell wie möglich eine Elf finden will."
Sätze, die einem Bayern-Star besonders sauer aufstoßen dürften: Leon Goretzka. Der Nationalspieler ist der Leidtragende der guten Laimer-Leistungen und letztlich der große Verlierer der Asien-Reise. Goretzka stand während der Vorbereitung kein einziges Mal in der Startelf. Ein Wink mit dem Zaunpfahl. Dem gebürtigen Bochumer, der bereits in der vergangenen Spielzeit nicht vollumfänglich überzeugte, droht ein schwieriges Jahr.
"Leon hatte eine unbefriedigende letzte Phase der Saison", sagte Tuchel und forderte eine deutliche Steigerung. "Er ist von seinem Status, seinem Vertrag und Alter jemand, von dem wir viel erwarten. Er muss Verantwortung übernehmen. Da ist Luft nach oben."
Der Umstand, dass Goretzka offensichtlich nicht mehr gesetzt ist, sorgte in den vergangenen Wochen für reichlich Spekulationen. Mehrere Medien deklarierten den 28-Jährigen als Verkaufskandidaten. Angeblich sollen West Ham United und Manchester United die Situation des Mittelfeldmanns beobachten. Er selbst hegt aber keinerlei Abwanderungsgedanken. "Ich liebe den Verein, ich liebe die Stadt, ich liebe die Fans", sagte Goretzka vor zwei Wochen bei der Saisoneröffnung. Er wolle "hier einfach weitermachen".
So einfach dürfte das Weitermachen mit Blick auf seine aktuelle Situation allerdings nicht ausfallen.

2.) Monster Kim zeigt gute Ansätze

Kim wurde als Ersatz für den gen Paris abgewanderten Lucas Hernández verpflichtet, 50 Millionen Euro war der Südkoreaner den Münchnern wert.
Der Innenverteidiger, der vom italienischen Meister SSC Neapel an die Isar wechselte, feierte sein Debüt im zweiten Vorbereitungsspiel der Asienreise. Gegen Kawasaki spielte Kim 45 Minuten, dabei kam er auf eine Zweikampfquote von 100 Prozent, zudem fing er die meisten Bälle ab und verbuchte nach Joshua Kimmich (79) und Laimer (73) die drittmeisten Ballaktionen (70).
"Er hat ein gutes Spiel gemacht, nicht nur defensiv, auch nach vorne", lobte Tuchel im Nachgang: "Ich bin sehr zufrieden, es war sein erstes Spiel für uns. Er trainiert sehr hart und macht es sehr gut." Auch Teamkollege Matthijs de Ligt schwärmte von seinem neuen Nebenmann. "Jeder hat gesehen, welche Qualitäten er mitbringt. Er ist sehr schnell, aggressiv und stark im Zweikampf", meinte der Niederländer.
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Min-Jae Kim (r./FC Bayern) gegen Kawasaki Frontale

Fotocredit: Getty Images

De Ligt ergänzte: "Natürlich ist es immer schwierig, wenn man fünf oder sechs Wochen nicht gespielt hat - da geht es jedem Spieler gleich. Aber er hat es gut gemacht. Manchmal passt die Absprache mit den Mitspielern noch nicht so ganz, aber das ist doch ganz normal."
Auch gegen Liverpool zeigte Kim vielversprechende Ansätze, aber - und das liegt in der Natur der Sache - die von de Ligt angesprochenen Abstimmungsprobleme waren ebenfalls offensichtlich. Beim ersten Gegentor nach 105 Sekunden sah Kim nicht gut aus, das "Monster", wie er in seiner Heimat genannt wird, rückte beim Pass von Cody Gakpo auf Diogo Jota viel zu spät aus der Kette. Nur wenige Augenblicke später hob er eine Abseitsposition Mohamed Salahs auf und ermöglichte die nächste dicke Liverpool-Chance.
In den ersten 20 Minuten brachte er seine Mannschaftskameraden darüber hinaus regelmäßig mit ungenauen Abspielen in Verlegenheit. Doch Kim fing sich, wurde mit zunehmender Spieldauer deutlich klarer in seinen Aktionen. Sein herrlicher Pass auf Gnabry, der zum Anschlusstreffer führte, gab einen kleinen Vorgeschmack auf das beeindruckende Aufbauspiel des Defensivspezialisten.

3.) Krätzig macht Spaß

Frans Krätzig konnte selbst kaum glauben, was er da gerade getan hatte.
Völlig perplex über sein Traumtor gegen die Reds in der Nachspielzeit ließ er sich von seinen Teamkollegen feiern. "Ich hatte zwei Weltklasse-Verteidiger im Rücken", sagte er mit Blick auf seine beiden Gegenspieler Joe Gomez und Ibrahima Konaté, denen er entwischt war. "Mir blieb also nichts anderes übrig, als draufzuschießen. Entweder er fliegt da oben raus in den Himmel von Singapur oder er geht so ins Eck", fügte er an.
Der Ball fand den Weg ins Eck. Und Krätzig nach der Begegnung den Weg vor sämtliche Kameras. Er war der gefragte Mann. "Ich bin unglaublich froh und glücklich, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, mich hier zu zeigen. Gerade häufen sich auf meinem Handy die Glückwünsche", freute sich der Man of the Match.
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Frans Krätzig (l.) wurde zum "Man of the Match" gewählt

Fotocredit: Eurosport

Tuchel teilte die Freude des 20-Jährigen, der normalerweise in der zweiten Mannschaft der Bayern in der Regionalliga zum Einsatz kommt. "Er hat es sehr gut gemacht, vor allem als wir ihn auf die offensive Position gestellt haben", sagte er und drückte gleich auf die Euphoriebremse: "Wir pushen ihn weiter, aber man sollte nicht überschwänglich werden."
Krätzig, der nicht nur gegen Liverpool, sondern auch schon gegen ManCity als Linksverteidiger positive Eindrücke lieferte, zählt definitiv zu den Gewinnern der Vorbereitung. Raphael Guerreiro (kam von Borussia Dortmund, Anm. d. Red.), ebenfalls als Linksverteidiger einsetzbar, fällt mit einem Muskelbündelriss noch wochenlang aus. Davon könnte Krätzig profitieren, zumindest mal in den Profikader berufen werden.
Krätzig bleibt trotz der - aus seiner Sicht - erfreulichen Asientour bescheiden. "Ich konzentriere mich auf die Sachen, die ich bei den Amateuren mache. Wenn was passiert, passiert was. Aber wir versuchen erst einmal, mit den Amateuren eine gute Saison zu spielen."
Geduld ist eine Tugend, heißt es. Geht es nach Tuchel, darf Krätzig dennoch etwas nassforscher auftreten. "Er ist ein smarter, netter Typ, der geduldig, aber nicht zu geduldig sein darf."
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Tuchel spricht über emotionalen Mané-Abschied: "Lange umarmt"

Quelle: SID

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