Owen Hargreaves über empfindliche Bayern-Niederlagen: "Dann schaust du Hoeneß und Rummenigge ins Gesicht ..."
Beim FC Bayern steht nach dem 1:5 bei Eintracht Frankfurt in der Bundesliga die nächste schwere Aufgabe an. Geht das Top-Spiel gegen den VfB Stuttgart in die Hose, fallen die Münchner auf Platz drei und verlieren die Tabellenspitze aus den Augen. Ein Mentalitätsproblem haben die Bayern aber nicht, sagt Ex-Profi Owen Hargreaves. Die Pleite vom vergangenen Spieltag sei vielmehr eine "gute Warnung".
#SotipptderBoss: Bayern beendet die Herrlichkeit des VfB
Quelle: Eurosport
Owen Hargreaves hat nicht vergessen, wie das damals war, wenn er mit dem FC Bayern als Verlierer vom Platz ging. "Danach hast du in die Gesichter von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge gesehen und direkt Bescheid gewusst", sagt der 42-Jährige im Exklusiv-Gespräch mit Eurosport.de: "Niederlagen werden nicht akzeptiert."
Es ist genau dieses Selbstverständnis, dieses viel zitierte Mia san Mia, das den Klub abhebt von der Konkurrenz.
Nur: Während die Bayern in der Champions League voll auf Kurs sind und die Gruppenphase mit einem 1:0 bei Manchester United ungeschlagen abschlossen, ist diese Selbstsicherheit in den nationalen Wettbewerben etwas abhandengekommen.
Das 1:5 gegen Frankfurt erschütterte die Mannschaft, das peinliche Pokal-Aus gegen Drittligist Saarbrücken war die dritte Zweitrunden-Niederlage in den vergangenen vier Ausgaben des Pokal-Wettbewerbs.
Hargreaves: Tuchel wird die Probleme lösen
Muss man an der Säbener Straße fürchten, die eigene Erfolgs-DNA zu verlieren? "Nein, die wird nie sterben. Das zeichnet den Verein aus", sagt Hargreaves, der von 2000 bis 2007 im Profi-Kader der Bayern stand. Das Debakel gegen die Eintracht sei eine "gute Warnung an die Spieler". Es zeige, dass die Strafe auf dem Fuße folge, wenn nicht "das höchste Level und die volle Konzentration" abgerufen würden.
Hargreaves: "Es ist bei Bayern schon ein Problem, wenn man 0:1 verliert, es muss kein 1:4 oder 1:5 sein. Nur: Wenn es eine hohe Niederlage setzt, hat das auf alle Einfluss. Die Spieler, den Trainer, den Präsidenten. Für die großen Vereine ist es extrem wichtig, genau das zu vermeiden. Kommt es zu einem 1:5 wie in Frankfurt, haben alle Beteiligten ein Problem."
2002 kassierte der gebürtige Kanadier, der 42 Länderspiele für England bestritt, mit den Münchnern eine 1:5-Packung in der Bundesliga beim FC Schalke. 2004 war er dabei, als der Rekordmeister in der Liga 1:4 in Leverkusen baden ging.
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Thomas Tuchel vom FC Bayern München
Fotocredit: Getty Images
Trotz der aktuellen Unzulänglichkeiten attestiert Hargreaves den Bayern eine positive Gesamtsituation. "Harry Kane ist da und liefert ab, Manuel Neuer ist zurück. Es gibt natürlich noch Luft nach oben, so fehlt es an der richtigen Balance im Mittelfeld. Wenn der Gegner schnelle Spieler hat und zügig umschaltet, bekommt er auch seine Momente gegen den FCB. Dazu steht die Mannschaft mitunter zu offen in der Defensive. Aber: Thomas Tuchel ist ein großartiger Trainer und wird diese Schwachstellen beheben."
Die Zeit drängt indes, schließlich gastiert am Sonntag (19:30 Uhr im Liveticker) der Tabellendritte VfB Stuttgart in der Allianz Arena. Eine Niederlage verbietet sich von selbst. Das Momentum spricht für die Schwaben, die am vergangenen Spieltag eine starke Vorstellung beim 1:1 gegen Tabellenführer Bayer 04 Leverkusen boten.
Das Bayern-Gen hat es schwer(er)
Möglicherweise muss der Rekordmeister gar nicht glänzen, sondern an alte Qualitäten anknüpfen. "Früher wurde der FCB, wie die deutsche Nationalmannschaft, dafür bewundert, auch Partien zu gewinnen, wenn man das etwas schlechtere Team war", blickt Hargreaves zurück. Es sei inzwischen aber schwerer geworden, dieses Bayern-Gen freizulegen.
"Dadurch, dass der Klub in den vergangenen zehn Jahren in der Liga eine derartige Dominanz durch sein Ballbesitzspiel aufgebaut haben, ist vielleicht ein wenig der Kampfgeist zu kurz gekommen", sagt der Engländer. Gerade in schwierigen Phasen brauche es "mehr als Technik und Ballbesitz. Da ist Kampfgeist gefordert, der eine besondere Energie, einen speziellen Spirit entstehen lässt."
Er selbst habe das vom ersten Moment an aufgesogen in München. "Ich hatte das Glück, über die Bayern-Akademie in den Verein zu kommen. Da habe ich in jedem Training diese Aggressivität und Physis gespürt. Ich bin mit offenen Augen durch die Welt gegangen und konnte sehr schnell lernen, worauf es in diesem Klub ankommt", erinnert sich Hargreaves, der 1997 in der Jugendabteilung des FCB anfing.
Hargreaves: Dann hattest du den Respekt der Bayern-Legenden
"Du machst gute und weniger gute Spiele, aber es ging und geht darum, das Beste zu geben. Das war das Mindeste, was Ottmar Hitzfeld, Karl-Heinz Rummenigge, Franz Beckenbauer und Uli Hoeneß damals erwartet haben", sagt der heutige TV-Experte für TNT Sports in England: "Wenn ich nach einem Training oder Spiel in die Kabine ging und einen von ihnen gesehen habe, wurde mir bewusst: Die haben sich selbst auf Weltklasse-Niveau bewegt, also muss ich alles geben. Und wenn du das getan hast, dann hattest du deren Respekt."
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Ottmar Hitzfeld 2002 mit Owen Hargreaves
Fotocredit: Imago
Diese Atmosphäre habe immer geherrscht. "Es hat uns geholfen, die richtige Mentalität zu finden und Erfolg zu haben", erzählt Hargreaves, der allein 2001 drei große Titel (Meisterschaft, Champions League, Weltpokal) mit den Roten gewann.
Wollen die Bayern dieses Kunststück in dieser Saison unter Tuchel wiederholen, darf nicht mehr allzu viel schieflaufen.
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Quelle: Perform
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