FC Bayern München: So wichtig ist Harry Kane für den FCB - darum ist Dietmar Hamann auf dem Holzweg
VonLuca Baier
Update 17/05/2024 um 15:14 GMT+2 Uhr
Vom Rekordtransfer zum Torschützenkönig - auf den ersten Blick hat Harry Kane die Erwartungen beim FC Bayern erfüllt. Dietmar Hamann äußerte sich zuletzt jedoch sehr kritsch über die Leistung des Engländers und stellte sogar einen Wiederverkauf in den Raum. Eurosport.de blickt im Taktik-Check auf die Daten, die über geschossene Tore hinausgehen und erklärt, welchen Einfluss Kane auf das Spiel hat.
Kane: "Nicht die Saison, die ich mir gewünscht habe"
Quelle: Perform
145 Schüsse, 72 davon auf den Kasten, 36 ins Tor: In seinem Kerngeschäft hat Harry Kane definitiv abgeliefert.
Kein Bundesligaspieler schlägt einen dieser Werte. Auch in der Champions League sehen acht Tore in zwölf Spielen mehr als ordentlich aus.
Dass Dietmar Hamann kürzlich in der Talkshow "Sky 90" einen möglichen Abgang Kanes angeregt hat, mag da auf den ersten Blick verwunderlich wirken.
Liefert der Rekordeinkauf denn mehr außer (viele) Tore?
Qualität statt Quantität: Kanes Einfluss auf Bayerns Spielweise
Kane ist im Vergleich zu anderen Stürmern nicht besonders oft am Ball - vor allem wenn man bedenkt, dass Bayern deutlich längere Ballbesitzphasen hat als die meisten Teams. Kane kommt durchschnittlich auf 30 Ballaktionen pro Spiel.
Von den 38 Mittelstürmern, die in der Bundesliga eingesetzt wurden, liegt er damit auf Platz 30. Zum Vergleich: Stuttgarts mitspielender Stürmer Deniz Undav führt das Ranking mit 40 Ballaktionen pro Spiel an - also ein Drittel mehr als Kane.
Doch Quantität ist eben nicht gleich Qualität: Laut Datenanbieter IMPECT überspielen nur sechs Mittelstürmer mehr gegnerische Verteidiger pro 90 Minuten als der Kapitän der englischen Nationalmannschaft.
Auch hier führt Undav die Rangliste an, hinter ihm reihen sich unter anderem Bremens Marvin Ducksch, Gladbach Alassane Plea und Unions Kevin Volland ein.
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Harry Kane vom FC Bayern München
Fotocredit: Getty Images
Kilometerfresser Kane
Dieser Wert kommt vor allem durch Kanes Zurückfallen zustande: Immer wieder verlässt er die Sturmspitze und zeigt sich im Mittelfeld - teilweise sogar im Sechserraum. Von dort spielt er sehr präzise Bälle hinter die Kette, egal ob per Schnittstellenpass oder langem Diagonalball.
Durch Kanes Ausflüge ins Mittelfeld, um am Spiel teilzunehmen, kommen viele Kilometer zustande. Mit 327 Kilometern Gesamtlaufleistung liegt er ligaweit auf dem 18. Platz. Betrachtet man nur die Mittelstürmer, überbietet einzig Heidenheims Tim Kleindienst Kanes Wert.
Trotz der vielen Wege ist Kane immer da, wenn es gefährlich wird. Ballkontakte innerhalb des Strafraums, Schüsse innerhalb des Strafraums und Chancenqualität im Strafraum: Kane ist in all diesen Kategorien in der Ligaspitze anzusiedeln.
Nicht nur die Daten drücken Kanes Weltklasse aus
Die Daten zeigen Kanes Wichtigkeit für das Spiel des Rekordmeisters. Doch wie sieht es qualitativ aus? Welche Aufgaben übernimmt der Mittelstürmer aus taktischer Sicht?
Kane hat ein extrem gutes Timing bei seinen Wegen ins Mittelfeld. Während andere Stürmer viel zu früh zurückfallen und dem Gegner genug Zeit für eine Übergabe ans Mittelfeld anbieten, sind Kanes Ausflüge immer aus der Bewegung heraus und dementsprechend schwer zu verfolgen.
Weil er sich während des Laufs schon sehr gut orientiert, braucht er nach der Ballannahme wenig Zeit und Kontakte, um das Spiel fortzusetzen.
Durch seine Beidfüßigkeit und Passtechnik kann er jeden Raum anspielen, sofern ein Laufweg des Mitspielers angeboten wird.
Kein Messi und kein Füllkrug: Kane spielt in seiner eigenen Liga
Kane stellt in dieser Hinsicht Weltklasse dar. Dass er aus diesen Zonen heraus noch im Tempo an mehreren Spielern vorbei dribbelt, einen Steckpass nach außen spielt und den Angriff im Zentrum selbst mit einem Tor veredelt, wäre zu viel verlangt - schließlich handelt es sich nicht um Lionel Messi.
Kane weiß genau, was er kann und was er nicht so gut kann: So sieht man ihn selten im direkten Infight mit einem Innenverteidiger. Er ist kein Stürmer, der aus dem Stand in den Gegner reinarbeitet wie zum Beispiel Niclas Füllkrug.
Auch hier lautet das Zauberwort Timing: Kane setzt sich oftmals einen Schritt zur Seite ab, bringt den Gegenspieler so in Bewegung und macht dann Schritte zum Ball. Durch seine Fähigkeiten im Direktspiel hat er in diesen Situationen fast nie Druck.
Die simplen Statistiken wie Tore, Torschüsse und Chancenverwertung sprechen für sich: Im Abschluss gibt es auf der Welt keinen Spieler, der eindeutig besser ist als Bayerns Rekordeinkauf.
Er schießt hart und präzise aus der Distanz, legt Bälle aus der Nahdistanz klar in die Ecken und behält im direkten Duell mit den Torhütern immer die Ruhe - nicht selten sieht man, wie er im letzten Moment hochschaut und den Ball nur ganz leicht über das blockende Bein des Keepers hebt. Diese Kombination aus mitspielendem Stürmer und nahezu perfektem Abschlussspieler gibt es im Weltfußball aktuell nicht.
Eurosport-Check: Harry Kanes Zahlen sprechen für sich: Er ist wie erwartet der eiskalte Torjäger, den Bayern benötigt hat und nach Robert Lewandowskis Abgang von sämtlichen Experten vehement gefordert worden ist. Doch sein Einfluss geht über das reine Toreschießen hinaus. Seine Qualitäten im Passspiel sind schlichtweg herausragend. Dass er nicht so oft an den Ball kommt wie andere Bundesligastürmer, liegt natürlich auch daran, dass Bayerns Gegner in der Regel eh schon tief stehen und es nicht nötig ist, als Stürmer ins Mittelfeld zurückzufallen. Meistens ist er dann doch in seinem Kerngeschäft gefragt - und dort ist er absolute Weltklasse.
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