FC Bayern München - Thomas Tuchel treibt Kaderplanung voran: Leon Goretzka und Sadio Mané auf der Kippe
VonThomas Gaber
Publiziert 15/07/2023 um 23:30 GMT+2 Uhr
Nach knapp sieben Wochen Pause hat der FC Bayern München im Trainingslager am Tegernsee mit der Vorbereitung auf die Saison 2023/24 begonnen. Coach Thomas Tuchel war in der Zwischenzeit als Kaderplaner gefragt und findet sich jetzt in einer ungewünschten Doppelfunktion wieder. Die aktuelle Mannschaft lässt einige Wünsche des Trainers offen. Es hakt noch an (fast) allen Ecken und Enden.
Tuchel verrät: Das brauchen Bayerns Neuzugänge
Quelle: Perform
Die Saisonvorbereitung beim FC Bayern begann gleich mit einer Unwahrheit. Pressesprecher Dieter Nickles begrüßte Thomas Tuchel mit den Worten: "Gut schaust' aus. Frisch! Gute Laune? Lust?"
"Gute Lüge zum Auftakt, Glückwunsch", erwiderte der Trainer. Lust und Laune verspürt Tuchel gewiss, sein Erscheinungsbild fand er dagegen nicht so prickelnd. Er habe sich halt frisch rasiert, extra "für die Medien". Während seine Spieler nach sieben Wochen Bayern-Pause gut erholt am Samstag auf den Trainingsplatz zurückkehrten, musste der Coach weitestgehend auf Urlaub verzichten.
Das Tohuwabohu am Ende der letzten Saison mit den Rauswürfen von Vorstandsboss Oliver Kahn und Sportvorstand Hasan Salihamidzic machte ein Durcharbeiten in der Sommerpause unausweichlich. Ganz oben auf der Agenda stand die Kaderplanung.
"Im Vordergrund stand eine sehr enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unserem Technischen Direktor Marco Neppe und unserem CEO Jan-Christian Dreesen auf fast täglicher Basis mit Nachrichten, Telefongesprächen und persönlichen Treffen. Wir haben uns regelmäßig auch in größerer Runde mit Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß und Herbert Hainer getroffen", berichtete Tuchel.
Tuchel verrät: "Arbeiten an einigen Dingen mit Hochdruck"
Nach einer kurzen Saisonanalyse habe man schnell Transferziele definiert und sei "da intensiv drangeblieben." In den kommenden Wochen muss Tuchel zweigleisig fahren. Einerseits die Mannschaft in die Spur bekommen bis zum ersten Pflichtspiel im Supercup gegen DFB-Pokalsieger RB Leipzig am 12. August, andererseits weiter malochen auf dem Transfermarkt.
Tuchel ist nicht zufrieden mit dem Kader, der ihm aktuell zur Verfügung steht. Das würde er so nie aussprechen, aber zwischen den Zeilen war es zu lesen. Unter seiner Regie wurde mit Raphael Guerreiro bislang nur ein Spieler neu dazugeholt, den Transfer von Konrad Laimer hatte Tuchels Vorgänger Julian Nagelsmann vorangetrieben.
Tuchel stellte am Samstag mehrfach klar, dass die Truppe dringend Auffrischung benötigt. "Der Kader wird sich höchstwahrscheinlich noch verändern. Wir arbeiten an einigen Dingen mit Hochdruck, aber das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht", sagte der Coach.
Bis zum Ende der Transferperiode am 31. August habe man noch genügend Zeit, brauche aber eben Geduld. Wunsch-Angreifer Harry Kane entwickelt sich zum Kaugummi-Transfer mit ungewissem Ausgang und auch auf den von der SSC Neapel verpflichteten Innenverteidiger Min-Jae Kim wartet Tuchel noch immer.
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Tuchel klärt auf: So ist der Stand bei Neuer und Kane
Quelle: Perform
Tuchel skizziert klares Anforderungsprofil an Neuzugänge
Ob Kane, Kim oder Kyle Walker - Tuchel vermied beharrlich, Namen zu nennen oder Wasserstandsmeldungen zu kommentieren. Dagegen beschrieb er detailliert das Anforderungsprofil an weitere potenzielle Neuzugänge.
"Uns hat in der letzten Saison Körperlichkeit und Robustheit gefehlt und auch psychische Stabilität. Das haben wir leider bewiesen. Wir brauchen auf jeden Fall Spieler mit physischer und psychischer Stabilität, damit wir als Mannschaft aggressiver, körperlicher und tougher spielen können", sagte er.
Von den 23 Feldspielern, die sich am Tegernsee versammelt haben, müssen einige um ihre Zukunft beim FC Bayern bangen: In erster Linie Sadio Mané, aber auch Leon Goretzka, dem Tuchel "viel Luft nach oben" bescheinigte.
Tuchel hat alle Hände voll zu tun. Das habe er so noch in keinem anderen Verein erlebt. "Das bringt die Konstellation mit sich. Ich bin in jede Transferaktivität eingebunden und bin permanent über den Stand der Dinge informiert", erklärte er.
Die Doppelbelastung aus Kaderplanung und Trainingsarbeit hat sich Tuchel auch ein Stück weit selbst zuzuschreiben. In seiner Antritts-Pressekonferenz Ende März hatte er den Bayern-Kader als "einen der talentiertesten und besten Kader in Europa" bezeichnet. "Es geht beim FC Bayern immer ums Gewinnen und auch um die Art und Weise des Gewinnens. Dementsprechend ist der Kader zusammengestellt. Man kann mit diesem Kader um jeden Titel spielen und wir sind konkurrenzfähig auf absolut höchstem Niveau", sagte er damals.
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Hat kaum Chancen bei Thomas Tuchel: Sadio Mané
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Ungewissheit bei Manuel Neuer
Das hat sich als Trugschluss erwiesen. Im Champions-League-Viertelfinale war man gegen Manchester City nur 65 Minuten lang konkurrenzfähig und in der Bundesliga gab es immer wieder unerklärliche Einbrüche wie in Mainz und gegen Leipzig, als die Bayern nach einer 1:0-Führung jeweils noch 1:3 verloren.
Tuchels Fehleinschätzung holt ihn jetzt ein. Ob Innen- oder Außenverteidigung, zentrales Mittelfeld oder Sturm - Tuchel sieht in jedem Mannschaftsteil Nachholbedarf. Er deutete an, nach der Absage von Declan Rice, der sich dem FC Arsenal anschloss, auch nach einem Sechser Ausschau zu halten.
"Einen Spieler wie Rice mit diesem Profil haben wir meiner Meinung nach so nicht im Kader. Es könnte eine interessante Ergänzung des Kaders sein, einen Spieler mit diesem Profil zu haben", sagte Tuchel, schränkte aber ein: "Wir brauchen natürlich eine gewisse Qualität und Persönlichkeit, deswegen gibt es nicht so viele Spieler."
Möglicherweise müssen die Bayern auch auf der Torhüterposition nachlegen. Das Comeback von Manuel Neuer ist aktuell noch nicht absehbar. Derzeit seien keine Aktivitäten im Tor geplant, "weil die Situation so unklar ist", sagte Tuchel. Nicht gerade ein beruhigender Grund, zumindest aktuell nichts unternehmen zu müssen.
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Tuchel zählt Goretzka an: Das ist "Luft nach oben"
Quelle: Perform
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