FC Bayern - Nix mit Holding Six: Leon Goretzka hat Thomas Tuchels Wink verstanden und spielt sich in den Vordergrund

Leon Goretzka erlebt beim FC Bayern jüngst eine Achterbahn der Gefühle. Nach Wochen der Tristesse, in denen der Nationalspieler beim Rekordmeister abgeschrieben war, durfte der 28-Jährige beim Saisonauftakt gegen Bremen überraschend starten. Die Gelegenheit nutzte Goretzka sofort – und katapultierte sich trotz Thomas Tuchels Wunsch nach einer "Holding Six" zurück in den Fokus.

Tuchel zählt Goretzka an: Das ist "Luft nach oben"

Quelle: Perform

"Er ist einfach von seinem Status, von seinem Vertrag, von seinem Alter jemand, von dem wir viel erwarten: dass er Verantwortung trägt, dass er die Mannschaft trägt. Da ist Luft nach oben."
Mit diesen vielsagenden Worten in Richtung von Leon Goretzka ließ Trainer Thomas Tuchel gleich zu Beginn der Saisonvorbereitung aufhorchen.
Die folgenden Wochen bestätigten den wackeligen Status des ehemaligen Leistungsträgers. In der Vorbereitung saß der 28-Jährige meist auf der Bank und war in der Sechser-Hierarchie deutlich hinter Neuzugang Konrad Laimer zurückgefallen, der in der in allen Testspielen neben Joshua Kimmich auflief.
Schon in der Rückrunde der Vorsaison hatte Goretzka in einem Formtief gesteckt, die Vorbereitung setzte nahtlos daran an. Mit dem endgültig verlorenen Stammplatz wurde auch ein Wechsel plötzlich zum Thema - zumindest medial. Der Ex-Schalker gab jedoch stets zu Protokoll, keinerlei Abwanderungsgedanken zu hegen: "Ich liebe den Verein, ich liebe die Stadt, ich liebe die Fans", sagte der Nationalspieler bei der Saisoneröffnung. Er wolle "hier einfach weitermachen".

Goretzka setzt in Bremen Ausrufezeichen

Und so bekam Goretzka beim Saisonauftakt in Bremen plötzlich wieder die Chance, seinen sportlichen Wert neu zu beweisen. "Leon brauchen wir für die Größe heute. Werder ist eine sehr große Mannschaft und für Flanken, Standards und lange Bälle haben wir uns heute für mehr Größe entschieden im Vergleich zu Konrad Laimer", erklärte Tuchel noch vor Spielbeginn bei "DAZN" seine überraschende Entscheidung zugunsten des 28-Jährigen.
Der viel Kritisierte überzeugte. Mit einer überragenden Passquote von 97% (Top-Wert beim FCB), 79 Ballkontakten in ebenso vielen Spielminuten und einigen gefährlichen Distanzschüssen und Tiefenläufe arbeitete sich Goretzka aus dem eigenen Leistungstief heraus.
Gemeinsam mit Sechser-Partner Kimmich dirigierte die zuletzt knirschende Zentrale das Spielgeschehen mühelos, der Rekordmeister ließ sich so nur selten das Heft des Handelns aus der Hand nehmen.
Eben jener Kimmich war vom Auftritt seines Partners nicht überrascht: "Generell weiß ich, was ich an Leon habe, er weiß, was er an mir hat. Wir haben schon oft nebeneinander gespielt", erklärte der Kapitän nach der Partie in der Mixed Zone.

Wunsch nach "Holding six" - vergessen oder verworfen?

Aber ist Goretzka im Tuchel-System auch eine dauerhafte Lösung? In den Tagen zuvor hatte der Trainer aus seinem Wunsch nach einer "Holding Six" kein Geheimnis gemacht. Einen tiefen Sechser, der absichernd agiert und rein defensiv denkt, habe man in München nicht.
Ist die Problematik noch Thema? Nach der Partie und dem starken Auftritt von Goretzka hielt sich Tuchel mit seiner zuvor offensiv kommunizierten Wunschlösung plötzlich bedeckt: "Das kommentiere ich nicht. Der Kader genügt jedenfalls, um Spiele zu gewinnen."
Mit der Leistung der beiden Sechser zeigte sich Tuchel zufrieden: "Kimmich und Goretzka haben heute gut aufeinander aufgepasst. Wenn wir angreifen, dürfen wir nicht zu offensiv werden, sondern auch schauen, dass wir den Rest vom Feld gut besetzen."
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Überzeugten in Bremen als Doppel-Sechs: Leon Goretzka und Joshua Kimmich

Fotocredit: Getty Images

Matthäus über Goretzka: "Klare Antwort gegeben"

Laut Rekordnationalspieler Lothar Matthäus könnte hinter Tuchels Kader-Management in der Vorbereitung auch taktisches Kalkül gesteckt haben: "Goretzka hat er in der Vorbereitung nicht viel Einsatzzeit gegeben. Vielleicht will Tuchel die Spieler ein bisschen kitzeln, um sie in die Eigenverantwortung zu nehmen", vermutete der ehemalige Weltfußballer im exklusiven Interview mit Eurosport.de.
Der Leistungsaufschwung sei so direkt auf Tuchel zurückzuführen: "Das ist eben das Kitzeln vom Trainer bei Spielern, von denen er weiß, dass er mehr erwarten kann. Goretzka hat eine klare Antwort gegeben und ein klares Zeichen gesetzt."
Und so scheint es nach dieser sportlichen Antwort am wahrscheinlichsten, dass Goretzka und Kimmich auch in dieser Saison wieder die bayrische Doppel-Sechs bilden werden. Gegen Bremen bewiesen beide eine gute Harmonie.

Matthäus: "Kimmich ist sehr wohl eine Holding Six"

Eine Alternative auf dem Transfermarkt, die den Anforderungen der Münchner entspricht (und zudem einigermaßen preiswert zu haben ist), scheint es aktuell ohnehin nicht zu geben. Für Matthäus kein Beinbruch: "Ich glaube nicht, dass die Bayern noch einen Sechser kaufen und nochmal viel Geld in die Hand nehmen", so der Weltmeister von 1990 in seiner Kolumne bei "Sky". Er ergänzte: "Joshua Kimmich, Konrad Laimer, Goretzka und Ryan Gravenberch können dort agieren."
Nach Meinung von Matthäus mangelt es dem Rekordmeister so oder so nicht an einem tiefen Sechser: "Kimmich ist sehr wohl eine "Holding Six", wenn er das möchte. Er kann das, und zwar ziemlich gut, er hat dort Weltklasse verkörpert. Er hat nur eben den Offensiv-Trieb, den er manchmal unterdrücken muss. Und wenn er das mal nicht macht, dann muss Goretzka dort sein. In Bremen hat das sehr gut geklappt."
Vom Abgeschriebenen zur Stammkraft: Für Goretzka zeichnet sich eine positive Wende ab.
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Quelle: Perform

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