FC Bayern - Pavard muss bleiben, Stanisic wechselt nach Leverkusen: Münchner Transferpolitik gibt Rätsel auf

Benjamin Pavard möchte den FC Bayern verlassen. Der Franzose ist sich dem Vernehmen nach mit Inter einig. Doch die Münchner schieben dem Transfer derzeit einen Riegel vor, vermeldeten stattdessen am Sonntag, dass Josip Stanisic nach Leverkusen wechselt. Dabei hatte Pavard am Samstag in einem Fan-Kick mit einem Lustlos-Auftritt für Unmut gesorgt. Ohne Not stehen die Bayern plötzlich unter Druck.

Benjamin Pavard (l.) und Josip Stanisic (r.)

Fotocredit: Getty Images

Benjamin Pavard versuchte nicht einmal, seinen Frust zu verbergen. Nach seinem Tor zum 1:0 im sogenannten "Traumspiel" gegen den Fanclub "Weinbeisser Kaltern" zeigte der Franzose keine Regung, verzog keine Miene, trottete mit gesenktem Haupt zurück Richtung Mittelkreis.
Nur missmutig klatschte er mit Vorlagengeber Thomas Müller ab, der ihm beinahe tröstend drei Mal den Kopf tätschelte. Selbst als Innenverteidiger Matthijs de Ligt dem Franzosen schmunzelnd zuredete, zuckte Pavard nicht mit der Wimper.
Keine 24 Stunden nach dem Bundesligaauftakt in Bremen (4:0) stand der Franzose beim Fan-Kick in Südtirol in der Startelf. Das 6:1 der Münchner stand dabei im Hintergrund. Joshua Kimmich und Co. versprühten eine Menge gute Laune mit den Anhängern der Rot-Weißen, standen für Autogramme und Selfies bereit. "Es macht immer Spaß, mit den Fans Zeit zu verbringen", freute sich Jamal Musiala gegenüber den Klub-Medien.
Nur einem war in Kaltern überhaupt nicht zum Lachen zumute. Seine Null-Bock-Einstellung beim Fanevent brachte Pavard in den sozialen Medien eine Menge Kritik ein. Dass er, wie die "Bild" berichtet, gerne auf einen Einsatz verzichtet hätte, war ihm unschwer anzusehen.

Pavard will zu Inter

Denn der 27-Jährige möchte den FC Bayern Richtung Mailand verlassen. "Der Wille des Spielers ist entscheidend und er will zu Inter", bestätigte Geschäftsführer Giuseppe Marotta die Meldungen am Samstagabend gegenüber "Sky Italia".
Doch nach "Kicker"-Informationen pocht der deutsche Rekordmeister nun darauf, dass Pavard seinen bis 2024 laufenden Vertrag an der Isar erfüllt – und das, obwohl der ehemalige Sportvorstand Hasan Salihamidzic ihm noch im Mai eine Wechselfreigabe erteilt haben soll.
picture

Benjamin Pavard vom FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

Woran ein Wechsel hakt, schob Inter-Boss Marotta selbst hinterer: "Bayern braucht einen Ersatz, um ihn ziehen zu lassen."
Anstelle von Pavard verlässt nun aber erst einmal das stets verlässliche Eigengewächs Josip Stanisic leihweise die bayrische Landeshauptstadt. Der Deutsch-Kroate wurde am Sonntag offiziell bei Bayer Leverkusen vorgestellt. Dabei hatte der 23-Jährige in der Vorbereitung überzeugt, in den Testspielen starke Leistungen gezeigt und sowohl gegen Kawasaki Frontale (1:0) und den FC Liverpool (4:3) getroffen.
Gewohnt bescheiden und ohne aufzumucken nahm er auf der Asienreise die Herausforderrolle an. "Ich versuche einfach, dem Trainer die Entscheidung so schwer wie möglich zu machen", sagte der gebürtige Münchner.

Stanisic unter Tuchel außen vor

In den Pflichtspielen gegen Leipzig (0:3) und Bremen (4:0) verzichtete Coach Tuchel dann aber vollständig auf Stanisic, berief ihn nicht einmal in den Kader. Im DFL-Supercup musste der Abwehrspieler neben den verletzten Manuel Neuer und Müller auf der Tribüne Platz nehmen.
Zwar sollen die Bayern-Verantwortlichen nach "Sport1"-Informationen große Stücke auf den 23-Jährigen halten und ihm in der Zukunft den Sprung zum Stammspieler zutrauen, ausreichend Spielzeit konnten die Münchner ihrem Eigengewächs aber nicht garantieren.
"Um sich auf höchstem Niveau weiterzuentwickeln, braucht er kontinuierliche Einsätze", erklärte Jan-Christian Dreesen in der offiziellen Mitteilung am Sonntag. Die soll er sich stattdessen nun bei Trainer Xabi Alonso holen, der dem Vernehmen nach höchst selbst um den vielseitigen Abwehrspieler buhlte.

Stanisic-Abgang bringt Bayern unter Druck

Simon Rolfes freut sich auf einen "technisch starken, spielintelligenten, beidfüßigen und auf mehreren Defensivpositionen einsetzbaren" Verteidiger. "Mit Josips Verpflichtung wird der Konkurrenzkampf in unserem Kader nochmals intensiviert", so der Bayer-Sportdirektor gegenüber den vereinseigenen Medien.
picture

Josip Stanisic spielt künftig für Bayer Leverkusen

Fotocredit: Getty Images

Eigentlich genau das Profil, nach dem man an der Isar nun sucht. Denn dort sieht die Situation anders aus: Blanke Leere statt Konkurrenzkampf. Die Bayern schaffen sich mit dem Abgang von Stanisic grundlos eine große Baustelle in der Defensive.
Ohne den Youngster bleiben den Münchnern auf der Rechtsverteidigerposition nämlich nur Stammkraft Noussair Mazraoui - und eben Pavard.

Schwere Suche nach der Alternative

Der italienische Vermittler Giovanni Branchini, der in die Verhandlungen des Franzosen mit Inter involviert ist, sagte gegenüber "Radio Sportiva": "Es fehlt noch, dass Bayern einen Spieler findet, der Mazraoui unterstützen kann."
Solange den Verantwortlichen das jedoch nicht gelingt, bleibt die Ausgangstür für Pavard wohl geschlossen. Die Zeit, um eine adäquate Alternative zu finden, läuft ab. Die Gespräche mit Wunschlösung Kyle Walker von Manchester City führten ins Nichts.
Dass Stratege Kimmich oder Neuzugang Konrad Laimer als Notlösung auf die rechte Abwehrseite ausweichen, ist unwahrscheinlich. Genauso, dass der Rekordmeister in einem derart späten Stadium des Transferfensters noch einen Top-Spieler findet, der einen Abgang von Pavard kompensieren würde.

Pavards Stachel sitzt tief

Wie viel Sinn es hat, den Verbleib des Franzosen zu forcieren, steht spätestens seit dem "Traumspiel" in Südtirol aber ebenso in Frage.
Dass der Stachel bei Pavard tief sitzt, zeigte sich am Samstag nicht nur bei seinem 1:0. Im Mittelfeld lieferte sich der Verteidiger nach einem Zweikampf am Boden liegend eine Rangelei mit einem Spieler der Fanclub-Auswahl.
Ein Sinnbild: Die Anhänger haben, so liest man es in den sozialen Medien, spätestens seit diesem Auftritt mit Pavard abgeschlossen. Der Abgang von Ersatz Stanisic dürfte die Laune beim Weltmeister von 2018 nicht aufgehellt haben.
Der FC Bayern hat sich mit seiner Transfer-Politik rechts hinten selbst unter Druck gebracht.
picture

Tuchel zu Kane: "Wird jeden unserer Spieler besser machen"

Quelle: Perform

Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung